Viel Wind um Neunburgs Windräder: Kritik an größerer Potenzialfläche bei Wundsheim

Von Bernd Hofmann · 1. August 2025 um 18:41

Die geplanten Windgebiete bei Neunburg bewegen die Bürger. Das zeigte sich auch am Donnerstag. Die sonst meist leeren Zuschauerplätze bei den Stadtratssitzungen waren diesmal gut gefüllt. Das hatte seinen Grund: Ein Bürgerbegehren zum Thema Windkraft stand auf der Tagesordnung.

Dass wieder über Windenergie gesprochen werden sollte, lag auch am neuen Entwurf der künftigen Vorranggebiete, die der Regionale Planungsverband Oberpfalz-Nord vor Kurzem veröffentlicht hatte. Die aktuellen Änderungen betreffen auch Neunburg: Das Vorranggebiet SAD 16 östlich von Mitterauerbach mit einer Größe von 299 Hektar wurde komplett gestrichen. Dagegen soll die Fläche SAD 06 zwischen Wundsheim und Mitterauerbach deutlich größer werden. Im ersten Entwurf war dieses Gebiet nur 29 Hektar groß, nun soll es 128 Hektar umfassen.

Fläche soll in Richtung Westen erweitert werden

Richtung Norden, Osten und Süden wird das Gebiet laut dem Planungsverband zwar verkleinert, um den Siedlungsabständen besser Rechnung zu tragen. Richtung Westen soll es aber erweitert werden. Die vorgesehene Erweiterungsfläche liege in einem weniger sensiblen Bereich eines Fisch- und Seeadler-Dichtezentrums, heißt es in der Begründung des Planungsverbandes.

Die Stadt Neunburg hatte ursprünglich eine Fläche bei Wundsheim von 48 Hektar an den Planungsverband gemeldet. Diese wurde dann im ersten Entwurf auf 29 Hektar verkleinert. In ihrer Stellungnahme forderte die Stadt die Rückkehr zur ursprünglichen Größe.

Der Windpark rückt noch näher an Wundsheim heran, was eine nicht hinnehmbare Härte für die Ortschaft bedeuten würde.

Erich Schmid, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Neunburger Stadtrat

Doch statt 48 sind nun 128 Hektar vorgesehen. Das ist nicht nur der Bürgerinitiative Windfreie Heimat zu viel, sondern auch einigen Stadträten. Die SPD-Fraktion lehne die geplante Fläche ab, wie Fraktionsvorsitzender Erich Schmid in seiner Stellungnahme erklärte. „Die Zerstörung von Wald und Flur ist mit dem Bau des geplanten Windparks unwiederbringlich gegeben. Der Wald und der Ackerboden werden dadurch vernichtet“, so Schmid. Laut dem bisher vorliegenden Plan rückt der Windpark noch näher an Wundsheim heran, was „eine nicht hinnehmbare Härte für die Ortschaft“ bedeute.

Die Straße nach Wundsheim war durch einen Stolleneinbruch beschädigt worden. Für eine sechsstellige Summe musste sie instandgesetzt werden. Die alten Stollen könnten auch eine Gefahr für den Windpark sein, befürchtet Neunburgs SPD-Fraktionschef Erich Schmid. - Foto: Nils Mayer, Archiv

Schmid verwies zudem auf die zahlreichen unterirdischen Gänge der ehemaligen Grube Max. In den vergangenen Monaten hatte es gleich zwei Einbrüche gegeben. Während der erste auf einem Feld war, betraf der jüngste die Straße zwischen Wundsheim und Mitterauerbach. Die Stadt Neunburg musste für deren Instandsetzung eine sechsstellige Summe aufwenden.

Stadt will erst zum neuen Entwurf Stellung nehmen

Die Bürgerinitiative fordert schon seit Langem, die Fläche SAD 06 zu streichen. Nun hatte sie einen Bürgerantrag im Stadtrat eingebracht, in dem sie erneut den Verzicht auf dieses Gebiet verlangte. Mit 114 gültigen Unterschriften erreichte der Bürgerantrag die nötige Hürde von einem Prozent der Gemeindeeinwohner, um im Stadtrat behandelt zu werden. Eine Einigung wurde allerdings nicht getroffen – eine Entscheidung zu diesem „umfangreichen Thema“, wie es Bürgermeister Martin Birner (CSU) nannte, wurde auf September vertagt.

Grund dafür ist laut Birner, dass der Stadtrat sich im Rahmen des neuen Beteiligungsverfahrens noch zum aktuellen Planungsentwurf äußern will, bevor über den Bürgerantrag entschieden werden kann. „Erst wollen wir uns im Verfahren äußern und das bereinigen, damit nicht der Eindruck entsteht, wir hintergehen die Bürger“, erklärte der Rathauschef nach der Sitzung gegenüber der MZ.

Es darf nicht der Eindruck entstehen, wir hintergehen die Bürger.

Martin Birner, Bürgermeister von Neunburg

Der Bürgermeister geht jedoch davon aus, dass der Bürgerantrag abgelehnt werde. Trotzdem sei es ihm wichtig, dass der Stadtrat die Belange der Bürger ernst nehme und prüfe.

Die Sorgen bezüglich der ehemaligen Grube Max teilt Birner nicht: „Wir sind alle keine Fachmänner. Ich zieh mir einen Experten dazu, alles andere ist eine politische Meinung“, kommentierte er im Nachhinein Schmids Aussage. Der nötige Abstand zur Grube sei bei der aktuellen Fläche gegeben und die möglichen Interessen für das Gebiet seien mit dem Bergbauamt abgestimmt.

Deutlich mehr Anlagen möglich?

FW-Fraktionschef Martin Scharf verstand Schmids Einwände. Allerdings sei man dazu verpflichtet, die nötige Fläche dem Planungsverband zu melden. Für ihn klinge es jedoch zu viel, dass die Gemeinde 1,6 Prozent ihrer Fläche melde, statt nur die gesetzlich vorgeschriebenen 1,1 Prozent.

Die Stadt Neunburg hat zum Thema Windkraft bereits mehrere Bürgerversammlungen abgehalten, bei denen teilweise kontrovers diskutiert wurde. - Foto: Jan Lange, Archiv

Einer dieser Interessenten ist die Wind 18 GmbH, die in dem Gebiet mehrere Windräder errichten will. Auf der verkleinerten Fläche von 29 Hektar hätte der Investor aber nur zwei Anlagen bauen können, wie Geschäftsführer Richard Winderl vor einigen Monaten erklärte.

Nun, wo die Fläche fast um das Dreifache vergrößert werden soll, könnten wieder mehr Windräder entstehen. Bis zu fünf Windräder sind laut Birner momentan angedacht. Es gibt im Stadtrat aber die Sorge, dass es bei einer Fläche von 128 Hektar nicht bei diesen fünf Anlagen bleibe.