Erlöserkirche wird zum Wohnheim: Baustellenbesichtigung in Beratzhausen lockt viele Besucher an

Was entsteht da in und um die ehemalige evangelische Erlöserkirche an der Stauferstraße? Diese Frage beschäftigt offenbar nicht nur die lutherischen Christen, sondern auch die Bevölkerung in der Marktgemeinde und weit darüber hinaus. Entsprechend war der Andrang zur öffentlichen Baustellenbesichtigung, zu der die Lebenshilfe Regensburg eingeladen hatte.
Denn in dem 1971 erstellten Kirchenbau entsteht derzeit eine Wohnstätte für 24 geistig, teils auch körperlich behinderte Menschen. Noch heuer sollen die ersten Bewohner einziehen – ein Plan, der beim jetzt erlebten Ist-Zustand zumindest sportlich erscheint. Denn noch präsentiert sich das anspruchsvolle Projekt als große Baustelle. Lediglich die Fenster sind eingebaut. Türen fehlen im gesamten Gebäude, Kabelstränge an den Decken, Rohrkanäle am Boden – und das über zwei Stockwerke.
Denn in der Wohnstätte entstehen drei Wohngruppen mit jeweils acht Bewohnern. Für 16 Personen mit höherem Betreuungsbedarf stehen 17 Quadratmeter große Einzelzimmer mit innenliegenden Nasszellen und französischem Balkon im länglichen Anbau (ehemals Parkplatz) zur Verfügung.
Bau kostet 6,5 Millionen Euro
Wer ein nahezu selbstständiges Leben führt, kann eines der etwas größeren Appartements in dem zur Bushaltestelle hin gelegenen Anbau beziehen. Dort gehört jeweils auch eine kleine Küchenzeile zur Ausstattung. Grundsätzlich können die Bewohner aber auch aus der Wohnheimküche in Hemau angelieferte Speisen bestellen und im Gemeinschaftsraum der jeweiligen Wohngruppe essen.
Der Um- und Neubau der ehemaligen evangelischen Erlöserkirche von Beratzhausen zu einer Wohnstätte der Lebenshilfe kostet 6,5 Millionen Euro. Rund 60 Prozent davon übernimmt die Regierung der Oberpfalz, zehn Prozent trägt der Bezirk und 30 Prozent muss der Verein selber aufbringen.
Für die 24 Wohnplätze, davon zwei für Rollstuhlfahrer, liegen der Lebenshilfe bereits 32 Anmeldungen vor. Auch hinsichtlich Personal brauche sich die Einrichtung keine Sorgen zu machen, zeigte sich Vorstandsvorsitzender Friedrich Weinbeck zuversichtlich.
Flachdach mit Photovoltaik-Anlage
Wie Lebenshilfe-Vorstandsvorsitzender Friedrich Weinbeck beim Rundgang durch die immerhin schon verputzten Räume erläuterte, sei die komplette Anlage mit Fußbodenheizung ausgestattet, die mit Wärmepumpen und der bestehenden Ölheizung betrieben werde. Auf dem Flachdach über dem Längsgebäude ist eine Photovoltaik-Anlage installiert, freigebliebene Flächen sind mit Sträuchern und Bodendeckern bepflanzt. Auch die zu den Verkaufsverhandlungen im Jahr 2022 noch amtierende evangelische Pfarrerin Sibylle Thürmel schaute sich die Baustelle an und ist überzeugt: „Ich glaube, das wird sehr schön!“
Auch die direkten Anlieger nutzten die Gelegenheit, das schon sehr nahe gerückte Nachbargebäude von innen zu sehen. Und sie konnten sich davon überzeugen, dass ihre Forderung – „keine Fenster in unsere Richtung“– konsequent eingehalten worden ist, ebenso wie alle Abstände. Aufgegangen ist auch der Plan, in den Kirchturm einen Aufzug einzubauen. Für den Zugang musste die 70 Zentimeter dicke Außenmauer aufgeschnitten und stabilisiert werden. Wie der Turm ist auch der einstige Gottesdienstraum erhalten geblieben – zumindest teilweise.
Viel vom Bestand erhalten
Die bunten Fenster mussten aus wärmetechnischer Sicht ausgetauscht werden, auf der Empore steht nach wie vor die Orgel – aktuell gut verpackt in einer riesigen Holzkiste. Immerhin steht die Vereinbarung, dass die evangelische Gemeinde in dem sonst für Veranstaltungen genutzten Raum, monatlich einen Gottesdienst abhalten kann.

Auch Bürgermeister Matthias Beer war mit seiner Familie zur Baustellenbesichtigung gekommen und freute sich, dass so viel vom Bestand erhalten geblieben ist – „und damit die Erinnerung an unsere evangelische Kirche“. Nachdem mittlerweile im Untergeschoß auch wieder die Kinderkrippe „Knierutscher“ eingezogen ist, werde da künftig eine „faszinierende Kombination“ von Kindern, Kirche und Menschen mit Handicap bestehen: „Ein echter Gewinn für die Marktgemeinde.“