Naabbrücken-Freigabe wird zum Volksfest: Hunderte Schwandorfer verfolgten Einweihung

Von Jan Lange · 31. Juli 2025 um 13:49

Es war eines der bedeutendsten Infrastrukturprojekte in Schwandorf in den vergangenen Jahrzehnten: die Erneuerung der Großen und Mittleren Naabbrücke. Am Mittwochnachmittag wurden die Bauwerke feierlich freigegeben. Es war ein besonderes Ereignis: Nicht nur dass zahlreiche hochrangige Ehrengäste bei der Übergabe dabei waren, auch mehrere Hundert Schwandorfer hatten sich auf der neuen Brücke eingefunden.

Die Ehrengäste überschlugen sich förmlich mit Superlativen: Von einem besonderen und historischen Tag war die Rede. Auch Bayerns Finanzminister Albert Füracker (CSU) fand, dass der 30. Juli 2025 in die Geschichte der Stadt Schwandorf eingehen werde. Es sei „etwas Großartiges fertig geworden“, fand Füracker. Schwandorf sei „für die nächsten 100 Jahre wieder verbindungsfähig“, zeigte sich der Finanzminister überzeugt.

Freistaat hat Maßnahme mitfinanziert

Eigentlich fallen solche Baumaßnahmen und deren Abschluss ja in die Zuständigkeit von Bayerns Bauminister Christian Bernreiter. Doch der habe seinem Regierungskollegen gesagt, es „schadet nichts, wenn er auch mal was in der Oberpfalz mache“, verriet Füracker mit etwas Humor.

Ganz abwegig war es nicht, dass Bernreiter ausgerechnet seinen für Finanzen zuständigen Kollegen „geschickt“ hatte. Immerhin gab der Freistaat Bayern 4,5 Millionen Euro zum Neubau der Naabbrücken in Schwandorf dazu.

Die neuen Naabbrücken sind ein Symbol für Fortschritt und Verlässlichkeit.

Andreas Feller, Schwandorfer Oberbürgermeister

Das war allerdings nur ein kleiner Teil der Gesamtkosten, die bei mehr als 20 Millionen Euro lagen. Das Gros dieser Summe übernahm der Bund. Das war nicht selbstverständlich. Denn die Nürnberger Straße war vor einigen Jahren von einer Bundesstraße zu einer kommunalen Straße herabgestuft worden und in die Verantwortung der Stadt Schwandorf übergegangen. Die Große Kreisstadt hätte damit die Erneuerung der maroden Naabbrücken eigentlich aus eigener Tasche bezahlen müssen.

Eine erste „Belastungsprobe“: Mehrere Hundert Bürger kamen zur Brückenfreigabe mit anschließendem Volksfest. - Foto: Jan Lange

Dass der Bund trotzdem den Großteil der Kosten getragen hatte, ist auch der Schwandorfer Bundestagsabgeordneten Martina Englhardt-Kopf (CSU) zu verdanken. Sie hatte sich in Berlin für die finanzielle Beteiligung stark gemacht, wie Füracker am Mittwoch lobend erwähnte. „Das musst du jetzt überall so machen“, meinte der Minister mit einem Augenzwinkern zu seiner Parteikollegin. Und er zeigte sich überzeugt, dass noch eine Menge Brücken und Straßen neu gebaut oder saniert werden müssten.

Brückenfreigabe zum Volksfest gemacht

Die Mobilität sei der „Grundstein für wirtschaftliche Entwicklung“ und ein „Grundpfeiler moderner Gesellschaft“, so Bayerns Finanzminister. In Richtung der Kritiker von Verkehrsbauprojekten erklärte Füracker, dass es auch für den Öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) und für E-Bikes Straßen brauche – und Brücken, die von einer Seite der Naab zur anderen führen.

Erst vor gut zwei Monaten hatte Füracker eine solche Verbindung offiziell eingeweiht: die Kleine Naabbrücke in Schwarzenfeld. „Dass nun in Schwandorf aus der Brückenfreigabe ein Volksfest gemacht wird, toppt das noch mal“, fand der Finanzminister und fügte hinzu, dass es schön sei, dass die „ganze Bürgerschaft Interesse an der Eröffnung“ habe.

Die kombinierten Geh- und Radwege auf beiden Seiten sind ein echter Mehrwert für Schwandorf.

Martina Englhardt-Kopf, MdB und Parlamentarische Staatssekretärin

Indirekt haben die Schwandorfer die neuen Naabbrücken auch mitfinanziert. Denn die Große Kreisstadt hat die kombinierten Geh- und Radwege auf beiden Seiten bezahlt, die auf ihren Wunsch hin entstanden sind. „Die Stadt muss sie dann auch bezahlen. Sie hat ja Geld“, scherzte Füracker und sorgte für Gelächter bei den Bürgern.

Die Geh- und Radwege auf beiden Seiten seien ein „echter Mehrwert“, fand Martina Englhardt-Kopf. Genauso sah es auch Vize-Landrat Jakob Scharf (CSU), der den in Wacken weilenden Landrat Thomas Ebeling (CSU) vertrat. Nicht nur für Radfahrer sind die neuen Naabbrücken eine Erleichterung – sie mussten vorher auf der Straße fahren –, die breiteren Fahrbahnen sind auch für den Auto- und Lastverkehr vorteilhaft.

Im Sommer 2023 mit der Errichtung der Behelfsbrücken begonnen

Mancher Verkehrsteilnehmer oder Anwohner habe sich während der Bauphase vielleicht über die Baustelle geärgert, vermutete Füracker. Baustellen seien nie schön, aber notwendig, um die Infrastruktur auf Vordermann zu bringen. Am schönsten sei es dann aber, wenn die Bauwerke fertig sind und eröffnet werden, so der Minister.

Dass die Naabbrücken in Schwandorf in einer kürzeren Zeit fertig geworden sind als vorher geplant, komme auch nicht alle Tage vor. „Ich habe noch nicht erlebt, dass kürzer gebaut wird. Meistens muss man erklären, warum es länger dauert“, so Füracker. Im Sommer 2023 war mit der Errichtung der beiden Behelfsbrücken begonnen worden, über die der Verkehr während der Baumaßnahme umgeleitet wurde. Im Januar startete dann der Abbruch der alten Naabbrücken, dem sich der Ersatzneubau anschloss. Ende 2025 sollte alles fertig sein – einschließlich dem Rückbau der Behelfsbrücken.

„Es ist schöner, eine neue Brücke im Sommer freizugeben“, sagte Tobias Bäuml, Leiter des Staatlichen Bauamtes Amberg-Sulzbach. Sein Dank und der aller anderen Redner galt vor allem der Baufirma, aber auch den Anwohnern, die fast zwei Jahre mit dem Baustellenlärm leben mussten, und den Verkehrsteilnehmern, die die Umleitungen in Kauf nehmen mussten.

Der Verkehr rollt nun wieder normal über die Naab. - Foto: Jan Lange