Traumjob nach dem Traumjob: Ex-Spieler des SSV Jahn Regensburg gehen interessanten Tätigkeiten nach

Die meisten Fußballprofis haben nach der Karriere nicht ausgesorgt. Auch in der 2. und 3. Liga wird zwar mittlerweile sehr gutes Geld verdient. Um mit 40 in Rente zu gehen, reicht das aber nicht. Die meisten sind auf der Suche nach einer beruflichen Karriere nach der sportlichen Karriere. Wir haben nachgeforscht, womit frühere Jahnspieler nun ihre Brötchen verdienen.
„Tatsächlich war es mir vergönnt, vom einen in den anderen Traumjob zu wechseln“, schwärmt Kevin Kunz. Der frühere Ersatzkeeper des Jahn (2020 bis 2022) ist nun sogar womöglich bekannter als er das zu Zeiten als Fußballer gewesen ist. Denn die Bild hat den 33-Jährigen groß rausgebracht, indem sie ihm eine große Story widmete. Dass ein Fußballprofi als Feuerwehrmann durchstartet, das ist tatsächlich ein ungewöhnlicher Wechsel. Ein Wechsel, den der frühere Torhüter aber unbedingt machen wollte. Als sich die Chance auftat, die Keeper-Kluft gegen die Feuerwehr-Ausrüstung zu tauschen, da fackelte Kunz nicht lange.
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Kevin Kunz hat sich seinen Kindheitstraum erfüllt
Im Winter verabschiedete er sich aus Duisburg. „Das war schon immer ein Kindheitstraum“, sagt er mit Blick auf seine neue Aufgabe, die seiner Meinung nach durchaus einiges gemeinsam habe mit dem Fußball. Beides sei eine Kombination aus Sport, Teamgeist und Verantwortung. Als die Zusage der Jenaer Feuerwehr kam, war ihm klar, dass nun die Karriere nach der sportlichen Karriere starten solle.

Auch Oliver Hein schätzt sich glücklich. Dem Vorstandsvorsitzenden des Jahn wird nicht langweilig. Der Familienvater ist nicht nur beim SSV eingespannt, sondern vor allem in seiner eigenen Naturheilpraxis, die er nach seiner Karriere im niederbayerischen Dingolfing aufgebaut hat. „Während schwerwiegenden Verletzungen reifte in mir der Wunsch, die Naturheilkunde zu meinem eigenen Berufsfeld zu machen“, nannte Hein stets als Beweggrund für seinen neuen Berufswunsch.
Tatsächlich war es mir vergönnt, vom einen in den anderen Traumjob zu wechseln.
Kevin Kunz
Nicht wenige Spieler des Jahn haben bereits in der Vergangenheit gezeigt, dass sie was im Köpfchen haben. Unter Geschäftsführer Christian Keller gab es zeitweise ungewöhnlich viele Spieler, die neben dem Fußball sogar noch ein Studium absolvierten. Einige frühere Regensburger haben sich hochgearbeitet und bekleiden nun Führungspositionen. Tobias Schlauderer, der früher (2008 bis 2012) im Jahn-Mittelfeld die Fäden zog, behält nun als Geschäftsführer beim Zweckverband Häfen im Landkreis Kelheim den Überblick und die Ruhe. Sein früherer Teamkollege Tobias Schweinsteiger (2010 bis 2012) ist dem Fußball-Business erhalten geblieben. Zur Zeit arbeitet der frühere Kapitän als TV-Experte bei Dazn. Ein anderer ehemaliger Regensburger Spielführer ist nun Banker in der Domstadt: Andre Laurito (2010 bis 2013).
Dennis Grassow fungiert jetzt als Hausmeister
Nicht jeder schaffte allerdings einen fließenden Übergang. Dennis Grassow (2006 bis 2009) sprach gar von Existenzängsten. „Früher Bayern-Profi, heute Hausmeister: Wie "Eisenbieger" Grassow sein neues Glück fand“, titelte der Kicker vor einigen Jahren. Sie widmeten dem früheren Jahn-Kapitän, der den Klub von der Bayernliga in die 3. Liga führte, eine große Story. „Ich bin weiterhin die gute Seele im Haus“, berichtet der 53-Jährige, dass er immer noch rundum zufrieden ist mit seiner Tätigkeit in der Seniorenwohnanlage in Taufkirchen bei München.
Er ist der Leiter der Haustechnik. Bei Wartungen, Wasserschäden, Reparaturen und Fragen zum Brandschutz wird Grassow gerufen. Den früheren Verteidiger der Regensburger füllt seine neue Aufgabe voll aus.

Bei „Sturmpapst“ Daniel Franziskus (2013 bis 2017), der einst vor allem wegen der Liaison mit einem Topmodel in die Schlagzeilen geriet, ist das wiederum der Fall, wenn rund ums Haus oder den Garten Bedarf besteht. Der frühere Angreifer betreibt einen Haus- und Gartenservice.
Ein anderer früherer Offensivmann des Jahn bekam auch nach seinem Karriereende noch mediale Aufmerksamkeit. Jürgen Schmid (2009 bis 2012). Im Vorjahr schaute der Bayerische Rundfunk erneut bei den Schmids vorbei. Die waren bereits zehn Jahre zuvor TV-technisch groß rausgekommen. Senior Chef Heinrich und seine beiden Söhne Stefan und Jürgen bewirtschaften in dem kleinen Ort Matzelsberg bei Breitenbrunn (Landkreis Neumarkt) einen Milchviehbetriebs mit fast 580 Kühen. Um die Dimensionen zu veranschaulichen: Ein bayerischer Landwirt hat im Schnitt 44 Kühe.
Nun bejubelt Schmid nicht mehr Tore, sondern andere Dinge. „Das ist eine züchterisch sehr wertvolle Kuh“, freute er sich als der Tierarzt beim Trächtigkeitscheck die frohe Kunde verbreitete.
Koke als Drogendealer gescheitert
Die meisten Schlagzeilen mit seiner Karriere nach der sportlichen Karriere machte jedoch ein anderer früherer Jahnspieler: Sergio Contreras Pardo, genannt Koke. Der Spanier spielte 2013 für wenige Monate in der 2. Bundesliga für den SSV Jahn. Später geriet er auf die schiefe Bahn. Seine Festnahme hatte 2019 weltweit für Aufsehen gesorgt.
2023 durfte er dem französischen Sender Canal Plus einen Einblick in seinen Knastalltag in Malaga gewähren – und zeigte dabei auch Reue. Koke, der zugab, Leiter eines internationalen Cannabishandelsnetzwerks gewesen zu sein, und der zu einer sechsjährigen Haftstrafe verurteilt worden war, erklärte: „Das Leben ist kompliziert. Für Dummheiten muss man bezahlen“, gab er sich einsichtig. „Ich bin kein Pablo Escobar. Aber wenn man diese Anschuldigungen von internationalem Drogenhändler hört, dann fragt man sich schon, was zum Teufel man getan hat.“ Man darf gespannt sein, welche Karriere er nach Entlassung anpeilt.