Regensburger Arber-Radmarathon: Je härter, desto beliebter

Als sich am Sonntag um kurz vor 6 Uhr auf dem Dultplatz die Teilnehmer der großen Runde des Arber-Radmarathons bereit machen für die 250 Kilometer, kommen aus den Boxen die erhabenen, stellenweise fast martialischen Klänge von Conquest of Paradise – und es tröpfelt. Trotzdem starten hier an diesem Tag noch mehr Radler als im Jubiläumsjahr 2024. Diesmal, zum 41. Arber-Radmarathon, haben sich 5590 Teilnehmer für elf Touren angemeldet.
Damit ist die Veranstaltung des Veloclubs Ratisbona (VCR) so beliebt wie zu ihren bisher besten Zeiten zwischen 2005 und 2010, als bei gutem Wetter noch mehr los war, sagt VCR-Präsident Ulrich Mönius. Rennrad fahren liege im Trend, erklärt Mönius.
Dementsprechend sind die drei großen Rennrad-Touren die beliebtesten. Auf die Große Arberrunde (250 Kilometer), die Kleine Arberrunde (170 Kilometer) und die Krones-Bayerwaldrunde (125 Kilometer) begeben sich zwischen 6 Uhr und 7.40 Uhr morgens jeweils circa 1000 Starter.
„Dass fast jeder Fünfte sich auf 250 Kilometer einlässt, ist schon Wahnsinn“, sagt Mönius. Der Trend sei auch „jung und weiblich“, ergänzt er. Insgesamt seien 22 Prozent der Starter weiblich, früher waren es eher zehn bis 15 Prozent.
Hier finden Sie den Liveblog zum Nachlesen: Sportliche Höchstleistungen und Teamgeist beim 41. Arber Radmarathon
Einige Teilnehmer sind neu beim „Arber“
Auch Annika Wiegert (23) aus Ulm hat das Rennrad für sich entdeckt. Während ihr Freund um 6 Uhr gestartet ist, frühstückt die Medizinstudentin noch Breze und Banane, bevor sie um 7 antritt zu ihrem ersten Arber-Radmarathon, den 170 Kilometern und 2400 Höhenmetern der Kleinen Arberrunde über Kötzting und Viechtach. Warum? „Weil’s Spaß macht. Das Wetter könnte natürlich besser sein.“ Ihr Ziel: „Dass ich halt um 17 Uhr wieder hier bin“, und das heil.
Der Arber-Radmarathon ist kein Rennen. Bei der radtouristischen Veranstaltung gibt es keine Zeitmessung und die Teilnehmer müssen sich an die Straßenverkehrsordnung halten, das verkündet Mönius bei jedem Start von der Bühne. Den Startschuss geben diverse Gäste, von Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) über Sport-Bürgermeisterin Astrid Freudenstein bis zu Heimatminister Albert Füracker (beide CSU).

Nach den Rennradlern sind die Teilnehmer mit den dickeren Reifen und der oft lockereren Kleidung an der Reihe. Die Teilnehmer-Zahlen bei den Mountainbike-Touren sind stabil. „Gut die Hälfte davon sind E-Biker“, sagt Mönius.
Die schönsten Bilder vom Arber-Radmarathon finden Sie hier.
Im Kommen ist das Gravel-Fahren, das beim „Arber“ seit 2024 im Angebot ist und das diesmal circa 260 Starter anzieht. Dass mit den Rädern, die optisch zwischen Rennrad und Mountainbike liegen, auf der Straße und abseits davon gefahren wird, das macht für die meisten den Reiz aus – auch für Maximilian Lunzer. Der Lehramtsstudent (22) ist gegen 10.30 Uhr der Allererste in der Ziel-Zone.
Vor drei Jahren fuhr er mit dem Rennrad auf den Arber, diesmal entschied er sich für die 65-Kilometer-Gravel-Tour ab 8 Uhr. „Man ist mehr in der Natur unterwegs“, das schätzt er. Wie Lunzer kommen zwei Drittel der Teilnehmer aus Regensburg und einem Umkreis von etwa 50 Kilometern.
Es nehmen Vierjährige teil, aber auch 85-Jährige
Der Rest ist laut Mönius meist aus Deutschland, ein paar wenige reisen aus dem Ausland an; ein Teilnehmer machte sich aus Mexiko auf in die bayerische Heimat. Breit aufgestellt ist das Teilnehmerfeld bei der Familienrunde.
Auf die 56-Kilometer-Tour machen sich um 9 Uhr schon Vierjährige mit ihren Eltern. Manche haben zur Sicherheit einen Anhänger hinten dran, andere transportieren den Nachwuchs im Lastenrad. Acht Kinder im Alter von bis zu vier Jahren sitzen bei diesem Arber-Radmarathon selbst auf dem Rad, vier Teilnehmer sind 85 oder älter.

Für viele ist Ankommen die Hauptsache, während die sportlichen Fahrer durchaus auf die Zeit blicken. Sechs Stunden und 35 Minuten benötigte der Schnellste für die 250 Kilometer: Wieder kam der Regensburger Nepomuk Roth (24) als Erster zurück vom Arber. Im Vorjahr war der Medizinstudent zehn Minuten schneller, diesmal bremste ihn unter anderem eine Baustelle. Roth ist ein „Eigengewächs“ des VCR, nun aber beim Rose-Rennteam.
Sonst hätte er auch nicht mitfahren dürfen: Die VCR-Mitglieder haben bei ihrer Großveranstaltung anderes zu tun. Insgesamt sind circa 300 Helfer im Einsatz, dazu kommen 86 Polizisten und mehrere Dutzend Feuerwehrler. Die 45 Sanitäter und zwei Ärzte haben wenig zu tun. Gegen 17 Uhr spricht VCR-Chef Mönius von einer „weit unterdurchschnittlichen Zahl“ von Verletzten, „alles harmlose Geschichten“.