Elli's Volksfestgschichten: Eine Bierprobe in Neumarkt ohne Wurstzipfel

Hallo, ich bin Elli. Heute melde ich mich das erste Mal in eigener Sache. Meine erste Kolumne! Deshalb bin ich ganz schön aufgeregt. Wenn ihr sehen könntet, wie meine Barthaare zittern ... Ich werde euch in den nächsten Wochen berichten, was sich hinter den Zapfhähnen und unter den Biertischen des Neumarkter Jura-Volksfests so tut.

Jetzt dauert es nicht mehr lange und der Riesen Rummel geht wieder los. Dann rennt mein Herrchen von früh bis spät zwischen Brauerei und Jurahallen hin und her. Der hechelt manchmal fast wie ich nach einem Sprint hinter einer frechen Katze her. Nur dass seine Zunge nicht annähernd so stilvoll aus dem Mund hängt wie meine.

Mein Herrchen ist übrigens ein super Wichtiger. Ohne ihn hätten die vielen Zweibeiner auf dem Rummel nichts zu saufen. Keinen Tropfen! Er kennt auch alle anderen wichtigen Typen,: Den Mann mit der schwarzen Brille und der großen Kette, den alle nur OB nennen, zum Beispiel. Sieht fast aus wie ein Kauknochenersatz. Mir ist trotzdem der Haxnknochen lieber, den mir die Bine manchmal aufhebt. Da ist nämlich noch ordentlich was dran.

Ihr Mann und sie haben gestern Abend zu einer Art Pre-Volksfest auf der Knödelliebe-Alm eingeladen. Mit Blasmusik von einer Zungenbrecher-Kapelle, „Boderhölzl Blousn“ heißen die. Schick sahen die aus, alle in Tracht. Leider nur für Zweibeiner – aber nicht irgendwelche: Das waren die Wichtigsten. Ohne die gäb’s den Rummel nicht. Ich hab gleich mal meine Nase eingesetzt und geschnuppert, wer alles da war. Den Boss von den Anglern habe ich erschnüffelt. Ob der für den leckeren Fisch auf dem Rummel zuständig ist?

Und viele Stadträte saßen an den Tischen und haben Bratwürste mit Kraut und Kartoffelherzchen verspeist. Ich habe natürlich wieder mal nix abbekommen. Nicht ein Wurstzipfel ist runtergefallen. Die haben alles selber verputzt. 140 Zweibeiner waren in der Hütte – da ist es gegen später richtig heiß geworden.

Ist ja aber auch kein Wunder, denn die waren nicht zum Spaß da, die mussten arbeiten. „Bierprobe“ nennen das die Zweibeiner. „Manchen reicht ein Schluck, um festzustellen, ob das Bier schmeckt, manche müssen zwei, drei Halbe bestellen“, hat der Mann mit der schwarzen Brille gesagt. Klingt nach einem sehr gründlichen Job. Mach ich ja aber auch, bevor ich reinhaue, was Herrchen in meinen Napf gefüllt hat: Riecht es gut? Wie ist die Farbe? Erst mal einen kleinen Happen kosten. Man weiß ja nie.

Sonst schlägt der Wichtige mit der schwarzen Brille immer den glänzenden Hahn ins Holz, wenn irgendwo ein Fass Bier steht. Dieses Mal nicht. „Da ist nur Luft drin“, hat er gesagt. Seltsam. Trotzdem hatten die Zweibeiner alle ihre Krüge voll. Da muss das Bier irgendwo anders hergekommen sein.

Was mein Fresschen aber nicht hat, ist Stammwürze. Darüber hat der Chef der Lammsbräu gesprochen. Die hat nix mit Stamm oder Baum zu tun, Und Würze leider auch nicht mit Wurst. Mein Herrchen sagt, das ist wie beim Gulasch: Wenn man’s ordentlich einkocht, schmeckt’s richtig intensiv. Der Boss der Lammsbräu hat das auch den Zweibeinern erklärt, bloß ein bissl anders. Aber geschmeckt hat‘s allen. Das hat man gehört. So, das war’s erst mal von mir. Ich leg mich jetzt auf mein Kissen und träum von Bratwürsten, die vom Tisch fallen.