Schlossfestspiele eröffnen mit einer starken „Nabucco“-Inszenierung

Das Team der Janácek Oper des Nationaltheaters Brünn setzte das Befreiungsdrama überzeugend um, mit klarem Bühnenbild, eingängiger Regie und grandiosen Stimmen.
Machtbestrebungen, Unstimmigkeiten und Unvereinbarkeiten auf religiösem Gebiet, territoriale Ansprüche, Überfälle, Geiselnahmen, persönliche Animositäten, große Gefühle: Das kennen wir alles aus den täglichen Nachrichten, die uns erreichen, ob wir wollen oder nicht.
An einem der heutigen Brennpunkte der Welt ist die Handlung von Verdis Oper „Nabucco“ (1841) angesiedelt. Es geht um die biblische Erzählung von der babylonischen Gefangenschaft des jüdischen Volkes und dessen Streben nach Freiheit. Titelheld Nabucco, eigentlich der biblische Nebucadnezar II., will sich selbst zum Gott machen, wird daraufhin mit Wahnsinn geschlagen und erst durch die Bekehrung zum Gott der Hebräer geheilt.
Verdi hat den vier Aufzügen mit 16 Nummern jeweils ein Motto vorangestellt, das schlagwortartig die dramatische Entwicklung skizziert: Jerusalem – Der Frefler – Die Prophezeiung – Das zerbrochene Götzenbild.

Zur Eröffnung der Thurn und Taxis Schlossfestspiele 2025 hatte man Solisten, Chor, Orchester und Statisterie der Janácek Oper des Nationaltheaters Brünn eingeladen, auf der Freilichtbühne im großen Schlosshof „Nabucco“ aufzuführen. Mit klaren Farben, Zuordnungen und Kostümen und nur ganz wenigen einfachen Requisiten brachte man die Oper auf die Bühne und verstand es, die doch verwirrende und komplexe Handlung rüberzubringen: Nabucco und seine Leute in strahlendem Kornblumenblau, die Hebräer in weißen und hellen Gewändern, die Bösen in Schwarz, der Gott Baal als wandelndes Götzenbild wie eine mit Grünspan bedeckte Bronzeskulptur mit dem Goldhelm.
Ein Turm aus Bauklötzchen
Die Bühne ist determiniert von blauen und goldenen Stoffbahnen, auf die je nach Bedarf das Eine oder Andere auch projiziert werden kann. Kleine blaue, turmartige Gebilde dienen wohl dazu, die Bildschirme zu verdecken, die den Dirigenten Ondrej Olos, der im Inneren des Schlosses mit dem Orchester arbeitet, auf die Bühne übertragen. Eine Platte Bauklötzchen ermöglicht einen unkomplizierten Turmbau zu Babel. Bisschen Sand darauf gegossen und er wächst. Wenn das dann wieder einstürzt, ist es auch nicht so schlimm.
Regie führt der künstlerische Leiter der Oper des Nationaltheaters Brünn, Jiri Herman, die klare Linie suchend in all den Verwicklungen. Für Bühnenbild und Kostüm waren Tomás? Rusín und Zuzana Stefunková Rusínová zuständig, für die sparsam, aber gezielt eingesetzten Videos Tomás Hruza.
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Nabuccos Tochter Fenena, von Sopranistin Vaclava Krejci Housková sehr einfühlsam gesungen, ist Geisel in den Händen der besiegten Israeliten. Die zweite angebliche Tochter Abigaille will Thron und Liebhaber Ismael von Fenena, schmiedet Ränke, setzt sich die Krone auf, als Nabucco (stimmlich überzeugend, viril und heftig: Dalibor Jenis) sich selbst zum Gott proklamierend, den Verstand verliert. Verdi hat hier quasi einen Tabubruch begangen und den ersten Sopran mit der Rolle der Abigaille zur Inkarnation des Bösen gemacht. Die Ungarin Czilla Boross war hier in ihrem Element, beherrschte alles von den höchsten Höhen bis in die Tiefe der Verzweiflung.

Der dritte Akt spielt in den Hängenden Gärten des Palastes in Babylon. Neben den königlichen Streitereien beklagen die Hebräer im Arbeitslager ihr schönes und verlorenes Heimatland mit dem Gefangenenchor: „Erhebe dich, Gedanke, auf goldenen Flügeln“. Hier, beim Herzstück der Oper, waren dann die Projektionen nicht mehr nur auf der Bühne, sondern man sah in unzähligen kleinen Bildschirmen im Publikum die Bühne vervielfacht. Da wollte kaum ein Telefon in Hosen- oder Handtasche bleiben.
Ruhepol inmitten der Ränke
Franz Werfel beschreibt in seinem Verdi-Roman als kleines Sprachkunstwerk, wie Verdi beim lustlosen Durchsehen des Librettos, das ihm der Intendant der Mailänder Scala gab, um ihn aus der Depression zu holen, an den Zeilen des späteren Gefangenenchors hängen bleibt. Das war der Inspirationspunkt für „Nabucco“ und für Verdis weiteres Leben nach dem tragischen Tod seiner jungen Familie. Mit der Sängerin der Abigaille fand er zudem eine neue Lebenspartnerin. Vorlage war der Psalm 139 An den Wassern Babylons.
Orientalisierende Exotik und zum Teil einstimmige Chorführung, das Changieren zwischen Dur und Moll, ein Largo in Fis-Dur mit stark wechselnder Dynamik, „Auftrumpf- und Demutsgebärde“: Mit Ruhe ging Dirigent Ondrej Olos dieses Highlight an, durchsichtig und umsichtig gestaltete er einen Ruhepol inmitten all der Ränke und Kämpfe dieses Werkes, ganz intim, ganz intensiv.
Die Schlossfestspiele 2025
Die Thurn und Taxis Schlossfestspiele ziehen jeden Sommer an die 30 000 Gäste an. „Nabucco“ war zum Auftakt zu sehen, am Freitag- und am Samstagabend. Veranstalter Odeon Concerte bietet einen Mix aus Klassik, Pop und Rock. Die Festspiele enden am 27. Juli einer Gala mit Weltstar Anna Netrebko und Yusif Eyvazov. Alle Details bei www.schlossfestspiele-regensburg.de