Neunburger Festspieler trotzten dem Regen: Stehender Applaus von Premierenbesuchern

Von Ralf Gohlke · 13. Juli 2025 um 19:00

Erst das zweite Mal in der 40-jährigen Tradition des Neunburger Festspiels „Vom Hussenkrieg“ begleitete Regen die Premiere der neuen Saison. Als kleinen Ausgleich dafür zollte das Publikum der Leistung der mehr als 140 mitwirkenden Laien vor und hinter der Freilichtbühne im Burghof minutenlang stehenden Applaus. Das war in dieser Form schon eine Premiere für sich.

Das größte Lob gab es vom diesjährigen Schirmherren, Bernd Rees, Vorstandsmitglied der Sparkasse im Landkreis Schwandorf. Er gestand am Ende auf Nachfrage der MZ, dass sich bei ihm Tränen als Zeichen der durch die Darsteller erzeugten Emotionen gezeigt hätten. Ihm galt zunächst der offizielle Empfang – diesmal im Foyer des neuen Rathauses. Zu den Gästen zählten unter anderem auch ehemalige Schirmherren.

Ein Zeichen für lokales Engagement

In der Übernahme der Schirmherrschaft durch Bernd Rees sah Bürgermeister Martin Birner (CSU) ein Zeichen der Sparkasse für lokales Engagement und kulturelle Verantwortung. Bereits im Vorfeld habe Rees persönlich großes Interesses und starke Verbundenheit, vor allem zu den Festspielern spüren lassen, so der Rathauschef. Jene zeichneten sich aus, durch 40 Sommer, voller Leidenschaft, Kreativität und Zusammenhalt.

Was 1983 als mutige Idee begonnen habe, sei heute ein überregional bekanntes Kulturereignis geworden, dass die Menschen begeistere. Die Sparkasse sei seit vielen Jahren dazu ein verlässlicher Partner und Förderer und verkörpere auch jene Werte, die das Festspiel prägten. Es verbinde Vergangenheit mit Gegenwart, Historie mit Emotion und zeige damit, dass die Region ein Ort sei, an dem Geschichte lebendig sei.

Schirmherr hat Festspieler ins Herz geschlossen

Der Geschichte widmete sich im Anschluss der Schirmherr, indem er auf die abendländische Spaltung der Kirche zwischen 1378 und 1417 verwies, in der es plötzlich drei Päpste gab. Er leitete über zu Jan Hus, der bei seinem Tod auf dem Scheiterhaufen den Satz sagte: „Ihr bratet heute eine Gans, aber aus der Asche wird ein Schwan entstehen.“ In allem erkannte Rees, wie Religion in die Weltpolitik aller Regionen wirke, was seinerzeit zum Krieg mit den Hussiten führte.

Festspielvereinsvorsitzender Manuel Winkler (l.) und Bürgermeister Martin Birner (r.) begleiteten den Schirmherren Bernd Rees (Mitte) durch das Spalier der Darsteller. - Foto: Ralf Gohlke

Die Menschen, die sich hier bei den Festspielen engagierten und damit identifizierten, habe er ins Herz geschlossen, meinte der Sparkassen-Vorstand. In dem Sinne wünschte er allen Gesundheit und gelungene Aufführungen und „gutes Wetter“.

Vielleicht lernen wir ja doch noch einmal aus der Geschichte?

Manuel Winkler, Vorsitzender des Festspielvereins

Manuel Winkler, Vorsitzender des Festspielvereins, merkte noch an, das sich seit 592 Jahren auf der Welt nichts verändert habe. „Vielleicht lernen wir ja doch noch einmal aus Geschichte?“, zitierte er aus dem Schlusssatz von Tristram Zenger.

Bei der anschließenden Premierenvorstellung waren sogar Gäste aus den Vereinigten Staaten anwesend. Das Opening auf dem Marktplatz von 1456 beginnt mit der neuen Musik von Moritz Wutz. Vor allem später, bei der Schlacht unterstreicht sie das emotionale Auftreten der Akteure noch einmal zusätzlich.

Eine Schlüsselszene ist der Disput zwischen Pfarrer Mockel (Richard Kozlowski), der Klosterschwester (Simone Rückl) und Kaplan Schmalzhaffen (Alexander Malterer) (v. r.) über die Lehre von Hus. - Foto: Ralf Gohlke

Einer wird diese Saison später besonders in Erinnerung behalten. Es ist Bruno Spitzhirn, der den Ritter Tristram Zenger seit der ersten Vorstellung 1983 verkörpert. Bis zur Neuinszenierung 2023 war er es, der beim „Gottesurteil“, im Kampf mit seinem Vater, Ritter Hans Zenger (Franz Binder) getötet wurde. Binder gehört übrigens ebenfalls zu den Festspiel-Urgesteinen. Seine Rolle übernahm er schon 1988 vom inzwischen verstorbenen Wolfgang Mehringer.

Aktuell überlebt Tristram das Duell und kann so seinem Sohn Milo (Bruno Covarrubias-Valadas) von dem Geschehen berichten. In seiner Rolle als Tristram Zenger (1433) schlüpfte dafür Christian Voith, der zuvor schon viele Jahre als junger Galan und Hussitenanführer Pardus agierte.

Der weiße Schäferhund Aramis, eigentlich der Begleiter der Pfalzgräfin Beatrix, ist der heimliche Star der Aufführungen. - Foto: Ralf Gohlke

Wie Regisseurin Karin Michl bereits ankündigte, soll in dem für 2026 geplanten, völlig neuen Bühnenstück, die Geschichte um Vater und Sohn Zenger nicht mehr vertreten sein. Es bleibt also spannend, wie die Abkehr von der Urform des Autors Peter Klewitz – verstorben im Mai 2014 – dann aussehen wird.

Bis dahin geben die Akteure in den kommenden vier Aufführungen am 18., 19., 25. und 26. Juli noch mal alles. Die Standing-Ovations und der Szenenapplaus haben sie beflügelt. Für die ausstehenden Vorstellungen sind Tickets für 19 Euro (Erwachsene) und elf Euro (bis 17 Jahre) bei okticket.de erhältlich.

Sie freuten sich über die Anerkennung ihrer Arbeit: Regisseurin Karin Michl (r.) und Co-Regisseurin Verena Hergl. - Foto: Ralf Gohlke