Sommer, Sonne, Gesundheitsrisiko: So kommen Sie gut durch heiße Tage

Heiße Sommertage können für viele belastend, für manche sogar lebensgefährlich sein. Wie hohe Temperaturen den Körper unter Stress setzen – und wie man ihn schützt, erklärt die Ärztin Dr. Julia Fischer.
Sommer, Sonne, draußen sein – viele genießen die warmen Monate. Doch hohe Temperaturen setzen dem Körper stärker zu, als man denkt. Denn zu viel Hitze kann ernsthafte gesundheitliche Folgen haben. „Hitze betrifft nicht nur unseren Flüssigkeitshaushalt – sie belastet alle Organe“, warnt Dr. Julia Fischer. Die Ärztin, Autorin und Fernsehmoderatorin erklärt, warum und für wen Temperaturen ab 30 Grad zur Gefahr werden.
Warum Hitze für den Körper so belastend ist
„Das Gehirn leidet, das Schlaganfallrisiko steigt. Auch die Lunge gerät unter Druck, weil die Ozonwerte an Hitzetagen stark zunehmen – das kann Asthma auslösen oder verschlimmern“, so Fischer. Besonders kritisch seien die Auswirkungen auf Herz und Kreislauf: Die Hitze belastet das Herz stark, das Risiko für Infarkte steigt. Auch die Nieren reagieren empfindlich – vor allem bei Flüssigkeitsmangel, starkem Schwitzen oder entwässernden Medikamenten. „Hitze ist daher eine echte Belastungsprobe für den gesamten Organismus“, betont Julia Fischer.
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Wer bei großer Hitze besonders gefährdet ist
Ob und wann Hitze zur Gefahr wird, hängt laut Julia Fischer von mehreren Faktoren ab: Alter, Gesundheitszustand, Flüssigkeitszufuhr, Medikamenteneinnahme und Dauer der Hitzewelle. „Mehrere heiße Tage in Folge – vor allem, wenn auch die Nächte nicht unter 20 Grad abkühlen – bedeuten eine enorme Belastung für unseren Körper“, so Fischer.
Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Babys, Kleinkinder, Schwangere, chronisch Kranke, Pflegebedürftige, Alleinlebende sowie Menschen, die draußen arbeiten oder Sport treiben. „Bei älteren Menschen funktionieren die Temperatur- und Flüssigkeitsregulation oft nicht mehr zuverlässig“, sagt Dr. Julia Fischer. „Auch Medikamente können die Fähigkeit zu schwitzen einschränken – und damit die wichtigste Abkühlungsfunktion unseres Körpers“, betont die Ärztin.
Warnsignale des Körpers erkennen
Typische Frühwarnzeichen einer Überhitzung seien Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Schwäche. Relativ harmlos, aber häufig sind sogenannte Hitzeödeme – also geschwollene Knöchel und Unterschenkel. „Sie entstehen durch Weitung der Blutgefäße und sind meist ungefährlich – aber unangenehm. Beine hochlegen oder kühlen hilft hier oft schon“, sagt Julia Fischer.
Ernst werde es bei Hitzekrämpfen und Hitzeerschöpfung – lebensbedrohlich beim Hitzschlag. „Hitzeerschöpfung äußert sich durch Schwäche, Kreislaufprobleme und eine erhöhte, aber noch unter 40 Grad liegende Körpertemperatur“, erklärt die Ärztin. Kritisch werde es, wenn der Körper weiter überhitzt. „Beim Hitzschlag steigt die Temperatur über 40 Grad – es kommt zu neurologischen Ausfällen wie Bewusstlosigkeit, Krampfanfällen oder Sprachstörungen. Dann zählt jede Minute und man muss sofort den Rettungsdienst rufen“, warnt Fischer.
Viele Medikamente verändern ihre Wirkung
Blutdrucksenker wie Diuretika können bei Hitze zu sehr entwässern, Insulin schneller wirken und Schmerzpflaster mehr Wirkstoff freisetzen. „Auch Medikamente gegen psychische oder neurologische Erkrankungen beeinflussen oft die Temperaturregulation“, erklärt Dr. Julia Fischer. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte ärztlich klären, ob die Dosis angepasst werden muss. Wichtig sei zudem die richtige Lagerung: „Viele Präparate dürfen nicht über 25 bis 30 Grad erhitzt werden – auch nicht im Auto oder Rucksack“, erklärt die Ärztin.
Richtig und ausreichend trinken – aber was?
Die tägliche Trinkmenge sollte laut der Ärztin bei Hitze deutlich erhöht werden. „Man braucht bei starker Hitze schnell drei bis vier Liter oder mehr – vor allem bei körperlicher Anstrengung“, so Fischer. Eine Faustregel lautet: 1,5 bis zwei Liter Grundmenge plus 0,5 bis ein Liter pro Stunde Schwitzen. Wichtig sei regelmäßig kleine Mengen zu trinken – auch ohne Durst. „Ältere Menschen sollten besonders aufmerksam sein, da ihr Durstgefühl oft nachlässt“, warnt Julia Fischer. Besonders eignen sich gekühltes Wasser, ungesüßte Tees, verdünnte Säfte oder isotonische Getränke. Auf Alkohol sollte man aber verzichten.
Doppelte Belastung für den Kreislauf
Besonders gefährlich werde es, wenn Hitze mit hoher Luftfeuchtigkeit kombiniert ist. Denn dann funktioniere die körpereigene Kühlung durch Schwitzen nur eingeschränkt. „Der Schweiß kann nicht mehr gut verdunsten – und das bedeutet: Die Hitze staut sich im Körper“, erklärt Julia Fischer. „Der Blutdruck sinkt, das Herz muss mehr pumpen – das führt schnell zu Kreislaufproblemen.“
Tipps, wie Sie bei Hitze gut durch den Alltag kommen
Um gut durch heiße Tage zu kommen, helfen laut Julia Fischer einfache, aber wirkungsvolle Maßnahmen. „Das A und O ist viel trinken – am besten direkt nach dem Aufstehen ein bis zwei große Gläser Wasser, um den Körper zu rehydrieren.“ Eine Wasserflasche in Sichtweite helfe, das Trinken nicht zu vergessen. Wichtig sei auch, sich kühl zu halten: direkte Sonne meiden, kühle Orte aufsuchen, feuchte Tücher auf Stirn, Nacken oder Füßen nutzen, lauwarm duschen, aber nicht ganz abtrocknen. Und dann hat die Ärztin noch einen Tipp für guten Schlaf: „Die Wärmflasche für ein paar Stunden in den Kühlschrank legen und mit ins Bett nehmen.“
