Mann attackiert Fahrgäste in ICE bei Straßkirchen – wohl mit Axt und Hammer

In einem ICE bei Straßkirchen (Landkreis Straubing-Bogen) soll ein Mann plötzlich mehrere Fahrgäste angegriffen haben – wohl mit einem Hammer und einer Axt. Wenig später lief ein großer Rettungseinsatz:
Rund 430 Menschen waren in einem ICE in Niederbayern von Hamburg in Richtung Wien unterwegs, als plötzlich ein Mann mit einem Hammer und wohl auch einer Axt Mitreisende in einem Abteil angriff. Zunächst war von „gefährlichen Gegenständen“ die Rede. Das konkretisiert die Polizei am Abend: „Nach bisherigem Stand der Ermittlungen soll ein 20-jähriger Syrer unvermittelt mehrere Fahrgäste mutmaßlich mit einer Axt und einem Hammer attackiert und verletzt haben.“
Vier Fahrgäste wurden leicht verletzt, die schwersten Verletzungen trägt laut Polizei der mutmaßliche Angreifer selbst davon. Mitreisende reagieren geistesgegenwärtig: Der Mann konnte von Mitreisenden überwältigt und letztendlich von Einsatzkräften in Gewahrsam genommen werden.
Warum der Mann seine Mitreisenden angriff – dazu sagt Polizeisprecher Günther Tomaschko zunächst nichts, unter Verweis auf die laufenden Ermittlungen. Auch am Abend hält sich die Polizei bedeckt: Zur möglichen Motivfrage können aktuelle keine Aussagen getroffen werden.
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Verdächtiger ist Syrer – drei der Verletzten auch
Bei dem Verdächtigen handelt es sich laut Polizei um einen 20 Jahre alten Syrer. Der Täter sei als Flüchtling nach Österreich eingereist, teilte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Donnerstagabend mit. Der Syrer habe in Österreich auch eine Aufenthaltsberechtigung und lebe demnach wohl im Raum Wien. „In Bayern ist er noch nicht in Erscheinung getreten“, erklärte Herrmann weiter. Nach einem Behördenabgleich „deutet nichts darauf hin, dass er in Deutschland schon einmal Thema für die Polizei war“.
Der Mann wurde dabei schwer verletzt und wird derzeit ärztlich behandelt. Auch bei drei der vier verletzten Fahrgäste handele es sich um Menschen mit syrischer Staatsangehörigkeit im Alter von 15, 24 und 51 Jahren. Ein 38-Jähriger wurde ebenfalls verletzt. „Über Art und Schwere der Verletzungen können derzeit keine Angaben gemacht werden“, so die Polizei am Abend. „Lebensgefahr besteht zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht.“
Fahrgäste, die von den Ermittlern nicht als Zeugen befragt oder beim Angriff verletzt wurden, konnten laut Polizei mit einem der ICE-Zugteile schließlich zum Bahnhof in Straßkirchen fahren. Dort wurde in einer Turnhalle eigens eine Betreuungsstelle eingerichtet.
Notfallbetreuer für möglicherweise traumatisierte Fahrgäste
Neben zahlreichen Rettungskräften und zwei Hubschraubern waren auch viele Einheiten des Betreuungsdienstes und der psychosozialen Notfallversorgung im Einsatz, teilte das Bayerische Rote Kreuz (BRK) mit. Es ging darum, auch unverletzten, aber möglicherweise traumatisierten Fahrgästen zu helfen.
Nach BRK-Angaben waren die Rettungskräfte gegen 14 Uhr alarmiert worden. Fahrgäste hätten nach dem Angriff den Nothalt betätigt, woraufhin der ICE bei Straßkirchen im Landkreis Straubing-Bogen stehengeblieben sei.
Bahn spricht Mitgefühl aus - und dankt
Die Bahnstrecke war zunächst gesperrt. Die Deutsche Bahn bekundete ihr Mitgefühl für die Betroffenen und deren Angehörige. „Unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind bei den Verletzten und allen, die das Erlebte nun verarbeiten müssen“, sagte ein Bahnsprecher. „Wir wünschen allen Betroffenen eine schnelle und vollständige Genesung.“ Er dankte außerdem den Einsatzkräften für die schnelle Festnahme des Tatverdächtigen.
Die Hintergründe des Angriffs blieben zunächst unklar. Für ein extremistisches Motiv liegen zunächst keine Anhaltspunkte vor, so Innenminister Herrmann am Abend. Die bayerischen und die österreichischen Behörden würden bei der Ermittlungsarbeit kooperieren. In Bayern sei der Mann bisher nicht polizeibekannt gewesen, in anderen Bundesländern müsse dies noch überprüft werden.