Rauchverbot im Freien: Nimmt sich Regensburg Frankreich zum Vorbild?

Die lässig im Mundwinkel baumelnde Zigarette gilt als unersetzliches Zeichen französischer Coolness. Ausgerechnet in Frankreich ist nun an Stränden und Bushaltestellen, in Parks oder rund um Schulen und Schwimmbäder – also an Orten, wo sich viele Kinder aufhalten – das Rauchen auch im Freien verboten. Kann das als Vorbild für Regensburg dienen?
„Auf jeden Fall“, sagt Michael Straube, Vorsitzender des Vereins Regensburger Eltern. Gitanes, Gauloises, das Rauchen habe auch immer einen Touch französisches Lebensgefühl ausgemacht. „Wenn die das verbieten können, schaffen wir das auch“, sagt er mit Blick auf mehr rauchfreie öffentliche Räume. „Aus medizinischer Sicht ist das eine sehr sinnvolle Geschichte“, pflichtet Kinder- und Jugendarzt Guido Judex bei. „Da gibt es ganz deutliche wissenschaftliche Erkenntnisse. Das ist in Frankreich nicht aus der Luft gegriffen.“ Und diese Luft wird dort bald gesünder sein, für Kinder und für Erwachsene.

„Im Umkreis von zehn Metern ist die Feinstaubmenge deutlich erhöht“, sagt Judex. Was man in der Wohnung oder der Kleidung eines Rauchers riechen könne, auch wenn gerade keine Zigarette glimmt, ist der Feinstaub, der sich festgesetzt hat. Und der belaste Kinderlungen enorm: Judex verweist auf WHO-Zahlen, wonach weltweit 65 000 Kinder unter 15 Jahren infolge passiven Rauchens sterben würden.
Das Risiko für Plötzlichen Säuglingstod sei um das Zwei- bis Vierfache erhöht, wenn Babys in Zigarettenrauch-Umgebung leben. Raucher-Kinder seien zudem anfälliger für Lungen- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegsinfektionen oder Asthma.
Kaum Verbote in der Stadt
Raum für zusätzliche Rauchverbote gibt es noch massig. „Im Stadtgebiet Regensburg ist das Rauchen im öffentlichen Raum, also im Freien, nur auf Spielanlagen verboten“, teilt Stadtsprecherin Katrin Butz auf MZ-Anfrage mit. Spielanlagen sind im Sinne der Grünanlagensatzung alle Flächen und Einrichtungen für Spiele im Freien, die der Allgemeinheit zugänglich sind und von der Stadt unterhalten werden. Dazu zählen Kleinkinder- und Kinderspielplätze, Bolzplätze, Rodelbahnen und Skateranlagen.
Im Westbad und im Wöhrdbad gilt rund um die Kinderbecken Rauchverbot, im Jahnstadion bei Fußballspielen im Familienblock, teilt Stadtwerk-Sprecher Martin Gottschalk mit. Bei Verstößen ergehe zunächst ein Hinweis, theoretisch könne bei Wiederholung ein Verweis ausgesprochen werden. Allerdings herrsche ein hohes Maß an Sensibilität für den Kinderschutz vor, sagt Gottschalk.
Ausweitung des Rauchverbots im Freien nicht angedacht
Auf Spielanlagen werde die Einhaltung des Verbotes vom Kommunalen Ordnungsservice überwacht und geahndet. „Das Rauchen auf einer Spielanlage ist eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Verwarnungsgeld von 25 Euro belegt ist“, informiert Butz – in Frankreich werden 135 Euro Strafe fällig. In anderen öffentlichen Bereichen in Regensburg darf weiter gequalmt werden. „Eine weitere Ausweitung des Rauchverbots im Freien ist derzeit nicht angedacht“, bestätigt Butz.
Straube hält eine solche aber für angebracht. Der Kinderbeirat habe vor zwei Jahren selbst angeregt, bei Bushaltestellen ein Rauchverbot auszusprechen. Gemündet ist dieser Vorstoß immerhin in einer Plakataktion, einem „erhobenen Zeigefinger“, wie Straube sagt: „Ein Verbot wäre aber ein starkes Zeichen.“ Auch wenn die Durchsetzbarkeit eine andere Frage sei. Schließlich liegen auch auf Spielplätzen trotz bestehenden Rauchverbots noch Kippenstummel herum. „An Plätzen, wo Kinder nicht ausweichen können – und auch nicht sollen –, können sich Erwachsene doch einschränken“, argumentiert Straube. Neben Bushaltestellen hält er Freibäder oder Badebuchten an Donau und Regen für angemessene Rauchverbotszonen.
Weniger negative Vorbilder
Auch achtlos weggeworfene Zigarettenstummel stellen – zusätzlich zur Umweltbelastung – eine Gefahr für Babys und Kleinkinder dar, sagt Judex. Die können solche Kippenreste in den Mund stecken und verschlucken. Gerade vor in Coladosen geworfenen Stumpen warnt der Kinderarzt, da durch den Softdrink Giftstoffe gelöst werden. Dann könne ein Schluck tödliche Folgen haben. Darf an weniger öffentlichen Orten geraucht werden, liegen weniger Zigarettenstummel im Freien herum, so die einfache Rechnung.
„Ein anderer Punkt ist das negative Vorbild“, sagt Judex. Kinder von Rauchern würden über drei Mal so wahrscheinlich selbst nikotinabhängig wie Nichtraucher-Kinder. Frankreich zielt so auf eine rauchfreie Generation ab.