Appell an Tierfans nach Alpaka-Tod in Kelheim: „Tiere nicht einfach füttern"!“

Unbekannte haben in Kelheim eigenmächtig eine Alpaka-Stute gefüttert – mit wohl gravierenden Folgen. Auch der Vogelpark Abensberg und andere Tierhalter kämpfen gegen das Problem „Mensch“.
Immer mehr Halter im Landkreis Kelheim verschreiben sich den Alpakas. Wo immer eine Herde zu finden ist, pilgern verzückte Besucher herbei. Kein Wunder: Die sanften, putzig aussehenden Tiere, die ursprünglich aus den Anden Südamerikas stammen, haben kuscheliges Fell und große Augen. Das Kindchenschema tut sein Übriges.
Alpakas ziehen große wie kleine Menschen magisch an – manchmal auch ungebeten. Diese Erfahrung machten Lea und Florian Plank in Kelheim bereits des Öfteren. Vor Kurzem verfütterte jemand, ohne zu fragen, Semmeln. Mit wohl dramatischen Folgen für ein Muttertier.
Holly säugte noch ihr Fohlen Hunter
Alpaka-Stute Holly von Lea und Florian Plank ist verendet. Mutmaßlich weil ihr ein Besucher, der einfach auf den Hof spazierte, zum Anlocken eine Semmel hingehalten hat. Wenig später habe sich das Muttertier zurückgezogen, wohl weil es Koliken plagten, berichtet die 29-jährige Halterin. Sie holten einen Tierarzt und erst schien alles gut zu werden. Doch einige Tage später war die Stute, die noch ihr vier Monate altes Fohlen Hunter säugte, tot.

Lea Plank und ihr Mann glauben nicht, dass der oder die Besucher den Alpakas schaden wollten oder mit Absicht handelten. Allerdings weisen mehrere Schilder auf ein Fütterungsverbot hin. „Alpakas füttern verboten“, steht am Zaun zur Weide. „Tiere können durch falsches Futter krank werden“, ist am Schild direkt vor dem Stall zu lesen. Im Kleingedruckten sind sogar Beispiele genannt. „Brot, (Gift-)Pflanzen, Obst, Rasenschnitt oder zuckerhaltige Produkte.“ Daher sei „Füttern strengstens verboten“.
Aus gutem Grund – Äpfel, Brot, Semmeln, all das tut Alpakas nicht gut. Die Wiederkäuer vertragen es nicht. „Es quillt im Bauch auf“, sagt Lea Plank. Weil der empfindliche Verdauungstrakt der Tiere dafür nicht ausgelegt ist, bereitet ihnen derlei Nahrung Probleme. „Sie dürfen nur Gras von der Weide, Heu oder Mineralfutter fressen.“
Betreiberin des Abensberger Vogelparks setzt bei Kindern an
Gegen falsches und eigenmächtiges Füttern ihrer Tiere kämpft auch Nicole Hoffmeister, die Betreiberin des Abensberger Vogelparks. In ferienfreien Zeiten sei dies mindestens einmal die Woche Thema, in den Ferien täglich, sagt sie. 2023 erst war Esel Leopold vermutlich an zugestecktem Brot gestorben.
Im Vogelpark dürften die Tiere gefüttert werden. Allerdings nur mit dem Futter, das vor Ort verkauft wird. Wer Futter mitbringt, muss es am Eingang abgeben und kann es beim Heimgehen wieder mitnehmen. Wer sich nicht daran hält, wird des Parks verwiesen, so Hoffmeister.
Weil ihrer Erfahrung nach Erwachsene oft unbelehrbar sind, setzt sie bei Kindern an. In vielen Führungen erklärt die Pächterin altersgerecht, was die Tiere nicht fressen dürfen und warum. Ein Brot sei schnell verfüttert, „zwei Stunden später ist der Tierarzt hier und wir haben Sorgen und Probleme“. Hoffmeister vermisst inzwischen bei vielen Erwachsenen zudem auch grundlegende Kenntnisse über Tiere, sagt sie.
Am Bizzlhof in Staubing gibt es „wenig Probleme, dass Leute ungefragt zu den Alpakas gehen“, sagt Isabella Köglmaier auf Nachfrage. „Vielleicht auch, weil man erst ein Stück durch den Hof gehen muss.“
„Generell sollte gelten: Ohne die Rücksprache mit dem Halter überhaupt nichts zu füttern.“
Judith Vetter, Tierärztin
Claudia Zirngibl aus Peising züchtet seit 2008 Alpakas. Sie bestätigt, dass die Tiere ein sehr empfindliches Verdauungssystem haben. Die Peisingerin hat speziell zu Corona-Zeiten einige Erfahrung mit schwierigen Spaziergängern gemacht. „Die halten etwas über den Zaun und wollen das die Tiere herkommen“, sagt sie. Ihrem Eindruck nach ist das Verständnis der Menschen für Vorgaben „nicht mehr so groß. Die wollen Tiere füttern und dann wollen sie das durchsetzen“.

Probleme, die daraus resultieren, kennt die Hausener Tierärztin Judith Vetter. Alpakas zählen nicht zu ihren Patienten und Füttern sei ein „komplexes Thema“, sagt sie. Allerdings sei Brot und anderes ungefragt zu verfüttern auch bei Pferden oder Damwild „extrem schlecht“. Die Leute meinen, sie tun vermeintlich etwas Gutes. Aber das Gegenteil sei der Fall. „Generell sollte gelten: Ohne die Rücksprache mit dem Halter überhaupt nichts zu füttern.“
„Bergtraum Alpakas“: Am Gelände wurden mehr Kameras installiert
Familie Plank in Kelheim geht inzwischen regelmäßig die Weiden ab und hat mit Überwachungskameras rund um den Hof aufgerüstet. Auch bei ihnen sind Stall und Weide von keinem öffentlichen Grund aus direkt zugänglich. Wer dort hingelangt, ist zuvor ein längeres Stück unerlaubt über das Hof-Grundstück gelaufen. Immerhin schlägt sich das Fohlen Hunter bislang wacker, sagt Lea Plank. Auch wenn es die Flasche nicht annehmen will.