So rüstet sich Ingolstadt für die Hitze – Temperaturen steigen auf deutlich über 30 Grad

Von Ruth Stückle · 28. Juni 2025 um 05:00

Am Wochenende klettert das Thermometer in Ingolstadt auf über 30 Grad. Nächste Woche erwartet der Deutsche Wetterdienst noch höhere Temperaturen, in Bayern bis zu 37 Grad. Wer kann, versucht, sich abzukühlen. In Ingolstadt hat der Stadtrat jüngst einen Hitzeaktionsplan verabschiedet, der an Tagen mit Hitzewarnung durch den Deutschen Wetterdienst verschiedene Maßnahmen in Gang setzen soll. Was heißt das genau? Und wie schützen Krankenhäuser und Pflegeheime Patienten und Mitarbeiter?

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In Häusern und Wohnblocks sieht man derzeit auffällig viele heruntergelassene Rollläden. Es ist einer von vielen „coolen Tipps für heiße Tage“, die die Stadt auf ihrer Homepage und in sozialen Netzwerken gibt. „Räumlichkeiten nur nachts und morgens lüften, tagsüber abdunkeln“, heißt es darin unter anderem. „Die anhaltende Hitzeperiode führt derzeit zu einer überdurchschnittlich hohen Nachfrage nach Ventilatoren und Klimageräten – auch in unseren beiden Media Märkten in Ingolstadt“, teilte eine Sprecherin von MediaMarkt-Saturn auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Die Auswahl könne vorübergehend eingeschränkt sein.

DAK: Jeder Vierte in Deutschland hat Gesundheitsprobleme durch extreme Hitze

Extreme Temperaturschwankungen haben in den Zeiten des Klimawandels deutlich zugenommen. Insbesondere Risikogruppen wie ältere Menschen, Säuglinge und Kinder, Schwangere oder chronisch Kranke und Pflegebedürftige sind durch die Hitze gefährdet. Laut Hitze-Report der DAK-Gesundheit hatte jede vierte Person in Deutschland 2024 Gesundheitsprobleme durch extreme Hitze. Bei den über 60-Jährigen war sogar rund ein Drittel betroffen. Für den Hitze-Report wurden 1006 Bundesbürger ab 18 Jahren vom Forsa-Institut online befragt.

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In ihrem Hitzeaktionsplan hat der Ingolstädter Stadtrat einen über 100 Seiten umfassenden Maßnahmenkatalog beschlossen. Einen ersten Antrag dazu hatte die SPD bereits 2018 gestellt. Die Erarbeitung und nachfolgende Umsetzung des Hitzeaktionsplans liegt in der Hand der Stabsstelle Klimaschutz. So hat die Stadt am Freitag bereits eine Mitteilung mit Verhaltenstipps für heiße Tage herausgegeben – vorsorglich, wie Stadtsprecherin Sabine Gooss sagte.

Hier gibt es Trinkbrunnen in der Stadt

Eine Hitzewarnung des Deutschen Wetterdienstes gab es am Freitag noch nicht. Jedoch werde für die nächsten Tage auch in Ingolstadt eine starke Wärmeentwicklung erwartet. Die Stadt rät Bürgern, neben den generellen Präventionsmöglichkeiten, kühle Orte aufzusuchen – etwa (zu den Öffnungszeiten) die Stadtbücherei im Herzogskasten oder Kirchen. Auch Grünanlagen und die meisten Parks bieten schattige Aufenthaltsorte und sorgten neben Freibad und Bademöglichkeiten für Erfrischung. Im Stadtgebiet gibt es außerdem zehn Trinkwasserbrunnen: in der Donaustraße, beim Herzogskasten, am Holzmarkt, im Klenzepark, in der Sauerstraße, am Theaterplatz, in der Theresienstraße, am Viktualienmarkt sowie auf der Baggersee Nord- und Südseite.

Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Schulen und Kitas werden informiert

Bei Hitzewarnungen werden Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Schulen und Kitas informiert. Das Ingolstädter Klinikum ergreift laut Sprecherin Beatrice Charrier verschiedene Maßnahmen, um Patienten und Mitarbeiter bestmöglich zu schützen. Auf den Intensivstationen, in der Notfallklinik und im gesamten OP-Zentrum könne die Raumtemperatur gekühlt werden. „In den anderen Bereichen versuchen wir an heißen Tagen mit Verschattung durch Jalousien und dem Lüften in den frühen Morgen- und späten Abendstunden kühlere Temperaturen zu erreichen.“ Darüber hinaus sei angedacht, Mitarbeiter an besonderen Hitzetagen mit kostenlosem Mineralwasser zu versorgen.

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Das Matthäus-Stift der Diakonie stellt Küche, Pflege und Betreuung auf Hitzetage ein. So wird laut Sybille Walk, Fachbereichsleitung Gesundheit, Senioren und Pflege beim Diakonischen Werk, Eis auf den Wohnbereichen verteilt und wasserreiches Obst angeboten. Während Angeboten werden Trinkpausen eingelegt, die Haustechnik liefert mehr Wasser an die Wohnbereiche als sonst. Das Pflegepersonal achte besonders auf Anzeichen von Dehydration. Das Matthäus-Stift im ehemaligen Oldtimerhotel hat klimatisch sogar einen Vorteil: Jedes Zimmer und das Foyer sind mit einer Klimaanlage ausgestattet, die von den Bewohnern und Mitarbeitern zu steuern sei.

Telefon-Hotline und Hitzetipps

Die DAK-Gesundheit schaltet am Mittwoch, 2. Juli, eine Hotline zum Thema Hitze. Ein Expertenteam bietet von 8 bis 20 Uhr eine individuelle telefonische Beratung an und gibt Empfehlungen zum richtigen Verhalten bei Hitze. Das Serviceangebot unter der kostenlosen Rufnummer 0800/1111841 können Kunden aller Krankenkassen nutzen.

Stefan Steger, Direktor der Klinik für Akut- und Notfallmedizin am Ingolstädter Klinikum, hat für den DK einige Tipps zusammengestellt: „In Hitzeperioden, wie der aktuellen, sollte man auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten und körperliche Aktivitäten, wenn das möglich ist, in die frühen Morgenstunden oder in den späten Abend verlegen. Vieles lässt man in diesen Tagen intuitiv sein wie beispielsweise Joggen in der prallen Sonne. Wer sich leicht anzieht, sollte ausreichend Sonnenschutzmittel und eine Kopfbedeckung nicht vergessen. Und achten Sie bitte in Ihrem Umfeld auf Anzeichen von Flüssigkeitsmangel und Überhitzung wie Schwindel, Kopfschmerzen oder Verwirrtheit.“