Angst vor dem Wasser ist oft das Problem: Ein Schwimmlehrer und seine 35-jährige Schülerin erzählen

Von Luisa Theis · 28. Juni 2025 um 05:00

Viele Erwachsene, die als Kind nicht schwimmen gelernt haben, fassen später den Mut und melden sich zum Kurs an. Ein Schwimmlehrer und seine Schülerin erzählen.

Acht Stunden – mehr braucht es nicht, damit Bodo Schlenk (50) Menschen das Schwimmen beibringt. Der Schwimmlehrer, angestellt bei der das Stadtwerk Regensburg GmbH, hilft nicht nur Kindern, sich im Wasser sicher zu fühlen – auch Erwachsene nehmen an seinen Kursen teil. Anders als seine jungen Schüler kämpfen sie aber häufig mit ihrer Angst.

„Die meisten hatten ein traumatisches Erlebnis und sind seit dem nicht mehr geschwommen“, sagt er. Trotz dieser Angst startet Bodo Schlenk in seinem Kurs direkt im Wasser: „Die Schwimmschüler sollen einen Tauchring im 1,35 Meter tiefen Becken aufheben“, erklärt er. „Wenn sie sich dann runterbücken und nach dem Ring greifen wollen, sind sie erst mal überrascht, dass sie gar nicht so leicht runterkommen. Sie merken dann, wie schwer es durch den Auftrieb des Körpers eigentlich ist, unterzugehen.“ Eine Erfahrung, bei der es bei den Schwimmschülern meist schnell „Klick“ mache, erzählt er.

Bereits in der ersten Stunde starten die Teilnehmer erste Schwimmversuche. Damit sie sich dabei wohler fühlen, finden die Kurse in den Ferien statt, wenn das Hallenbad leer ist. „Dann guckt keiner zu und man ist unter sich, das nimmt viel Scheu.“

Erwachsenen-Kurse am ehesten ausgebucht

Die größte Hürde – das Anmelden – haben die erwachsenen Schwimmschüler geschafft, dementsprechend groß sei auch die Motivation, erzählt Bodo Schlenk. „Meistens melden sich Eltern oder Großeltern an, deren Kinder oder Enkel schwimmen lernen. Oder Menschen, die aus Generationen oder Gegenden kommen, wo man’s nicht gelernt hat.“ Die Erwachsenen-Kurse seien sehr gefragt: „Ich mache das nun schon seit über 20 Jahren, und seitdem sind sie am ehesten ausgebucht.“

Zwischen seinen erwachsenen Schwimmschülern und denen im Grundschulalter gibt es einige Unterschiede: „Erwachsene können meine Anweisungen meist sofort umsetzen. Kindern fällt die Koordination von Armen und Beinen nicht so leicht. Und sie machen einen Schwimmkurs, weil die Eltern sie anmelden – da wird schnell mal im Wasser rumgeblödelt. Erwachsene, die sich anmelden, wollen das von sich aus.“

Wer nicht mehr eingeschränkt sein möchte und den Schritt ins Wasser wagen will, solle nicht zögern: „Einfach einen Kurs raussuchen und sich anmelden. Es gibt nichts, was dagegen spricht. Meine Teilnehmer sagen alle, was für einen Mehrwert an Lebensqualität sie dadurch gewonnen haben“, erzählt Bodo Schlenk. Und dafür sei es nie zu spät: „Ich hatte schon Teilnehmer, die waren über 70, und die haben es auch gelernt.“

Wenn im Heimatland nur Reiche schwimmen lernen

Eine Teilnehmerin aus Bodo Schlenks Schwimmkurs ist Thu Nguyen (35) aus Regensburg. Innerhalb von vier Tagen à zwei Stunden lernte die gebürtige Vietnamesin heuer schwimmen. „Das war sehr intensiv, aber gut“, erzählt sie. Ihren Wunsch, die Angst vor dem Wasser zu verlieren, habe sie sich damit erfüllt. „In Vietnam gibt es in den Schulen keine Schwimmkurse, außer für reiche Kinder“, sagt die 35-Jährige. Diese Erfahrung teilte sie mit den anderen Kursteilnehmern: „Mir ist aufgefallen, dass es bei den anderen Schwimmschülern genauso war – das waren auch alles Ausländer, beispielsweise aus Kenia oder Indien, wo nur reiche Menschen schwimmen lernen.“

Erlebnisse im Wasser oder am Strand ließen bei Thu Nguyen den Wunsch wachsen, es doch noch zu lernen: „Meine Familie in Vietnam lebt in der Nähe des Meeres. Dort habe ich ein paar Mal versucht zu schwimmen. Aber sobald es tiefer wurde und ich keinen Boden mehr unter den Füßen gespürt habe, bekam ich Panik“, erzählt sie. „Und auch in Urlauben konnte ich anderen nur vom Strand aus beim Schwimmen zusehen.“ 100-prozentig genießen konnte sie ihren Urlaub so nie. „Dazu kommt, dass es einfach lebensnotwendig ist, schwimmen zu können“, betont Thu Nguyen.

Mit Geduld und Mut auch die größte Hürde überwinden

Also meldete sich die 35-Jährige für den Anfänger-Kurs an. Ihre größte Herausforderung war das tiefe Wasser. „Und so viel Wasser zu schlucken oder in die Nase zu bekommen“, erzählt sie. Besonders dankbar sei sie für die Geduld und die motivierenden Worte der Schwimmlehrer: „Es waren immer zwei Lehrer da, die uns viel gelobt haben und uns Sicherheit gegeben haben.“ Stolz kann sie nun von sich behaupten, sich zu trauen, auch ins tiefere Wasser zu springen. „Natürlich braucht es immer noch viel Übung. Mit den anderen Kursteilnehmern will ich weiter üben und dann den Kurs für Fortgeschrittene besuchen.“

Thu Nguyen (35) lernte erst vor kurzem das Schwimmen. − Foto: privat