Gut vorbereitet an den See: So baden Sie sicher

Von Sarah Woipich · 28. Juni 2025 um 05:00

Der Sommer ist da – und mit ihm die Lust auf Abkühlung. Doch damit wächst auch das Risiko von Badeunfällen.

Im letzten Jahr sind in Bayern 70 Menschen ertrunken – zuletzt kam es zu einem tödlichen Badeunfall im Starnberger See. Trotz wachsender Sensibilität passieren an frei zugänglichen Gewässern immer wieder schwere Unfälle. „ Deshalb ist Aufklärung auch weiterhin so wichtig“, betont Andreas Rösch, Sprecher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Bayern.

Besonders gefährdet seien Nichtschwimmer, kleine Kinder, gesundheitlich angeschlagene Personen – und vor allem Männer. „Denn die Statistiken zeigen, es sind meist Männer, die ertrinken“, so Andreas Rösch. Gründe könnten Selbstüberschätzung oder auch Alkoholkonsum sein.

Während Freibäder dank meist klarem Wasser, angegebener Beckentiefe und Aufsichtspersonal vergleichsweise sicher sind, ereignen sich die meisten Unfälle an Seen und Flüssen. „Dort lauern viele Gefahren – und nicht jedes Gewässer eignet sich zum Baden“, warnt der Rettungsschwimmer.

Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte nur gekennzeichnete, bewachte und offiziell ausgewiesene Badestellen nutzen oder sich vorab online informieren, ob es vor Ort eine Wasserrettungsstation gibt oder die DLRG das Gewässer überwacht. „Wir sichern nur Badebereiche, die grundsätzlich geeignet sind und in denen Schwimmen generell möglich ist – erkennbar an der rot-gelben Flagge. Durch Rettungsschwimmer direkt überwachte Strandabschnitte werden dabei besonders durch einen abgesteckten Bereich mit rot-gelben Flaggen am Uferrand markiert“, erklärt DLRG-Sprecher Andreas Rösch. Weht dagegen eine einzelne rote Fahne, ist das ein eindeutiger internationaler Hinweis darauf, dass das Schwimmen in diesem Gewässer – sei es ein See oder das offene Meer – lebensgefährlich ist und daher unbedingt vermieden werden sollte.

Hinzu komme, dass viele ihr Können maßlos überschätzten, vor allem Eltern oft die Schwimmfähigkeiten ihrer Kinder: „Nur durch den Erwerb eines Seepferdchen-Abzeichens zählt man noch nicht als sicherer Schwimmer“, betont der Pressesprecher.

Damit es nicht zu weiteren Unfällen kommt, sei es laut Rösch unter anderm unerlässlich, richtig schwimmen zu lernen.

Gefahren an Flüssen, Seen und im freien Meer

Sowohl stehende als auch fließende Gewässer wirken oft harmlos, bergen aber viele unterschätzte Gefahren. „Sie sind meist kälter als erwartet, was den Kreislauf belasten kann. Das Wasser ist trüb, man sieht nicht, wohin man tritt. Die Tiefe ist unklar, es gibt oft keine festen Einstiege und Wasserpflanzen können das Schwimmen erschweren,“, erklärt DLRG-Sprecher Andreas Rösch.

Besonders tückisch seien Flüsse: Strömungen können Schwimmer mitreißen, an Wehren entstehen gefährliche Strudel und Walzen. Nach Starkregen oder Hochwassern treiben oft Äste oder Baumstämme im Wasser. Auch der Schiffsverkehr sei riskant. „Vor allem große Pötte erzeugen gefährliche Bugwellen und einen starken Sog“, warnt Rösch.

In Seen lauert eine weitere Gefahr oft unter der Wasseroberfläche. „Nach flachen Uferbereichen folgt oft plötzlich eine Abbruchkante – dort wird es schlagartig tief. Das ist besonders für Nichtschwimmer eine Gefahr.“

Auch das Baden im Meer erfordert Vorsicht. Wind, Strömungen und Wetterwechsel verändern ständig die Bedingungen. „Strömungen können plötzlich ihre Richtung und Stärke ändern. Außerdem gibt es im Meer eine größere Artenvielfalt – etwa Quallen, die unangenehm oder sogar gefährlich sein können.“

Erkennen, wenn jemand Hilfe braucht

Jedes Jahr ertrinken in Deutschland mehrere Hundert Menschen – die meisten davon in Flüssen und Seen. „Deshalb ist es entscheidend, Notsituationen im Wasser frühzeitig zu erkennen und richtig zu handeln“, erklärt DLRG-Sprecher Andreas Rösch.

Die Gründe, warum Menschen beim Baden oder Schwimmen in Lebensgefahr geraten, sind vielfältig: Häufig überschätzen sie ihre Kräfte, unterschätzen die Wassertemperatur, bekommen Krämpfe oder plötzliche Herz-Kreislauf-Probleme. Auch Strömungen oder Strudel können Schwimmer mitreißen. „Besonders tückisch: Ertrinkende machen meist nicht laut auf sich aufmerksam – sie schreien nicht oder rudern wild mit den Armen. Oft geht es ganz schnell und völlig lautlos“, weiß Andreas Rösch. Anzeichen können sein, dass eine Person immer wieder untergeht oder auf der Stelle auf- und abpendelt ohne voranzukommen.

In solchen Momenten komme es auf schnelles, überlegtes Handeln an: „Zuerst den Notruf 112 wählen – das hat oberste Priorität. Danach sollten Umstehende informiert und mögliche Hilfsmittel organisiert werden, zum Beispiel Rettungsringe, Stöcke oder Seile“, rät Rösch. Und nur Personen, die sehr sicher schwimmen können, sollten einen Rettungsversuch im Wasser unternehmen.

Diese Regeln sollte man vorm Baden beachten

An heißen Sommertagen ist die Versuchung groß, sich mit einem Sprung ins kalte Wasser abzukühlen. Damit der Badespaß nicht in einem Unfall endet, ist es wichtig, vorab einige grundlegende Baderegeln zu beachten.

„Eine der wichtigsten Regeln ist: Niemals überhitzt ins Wasser springen“, erklärt DLRG-Rettungsschwimmer Andreas Rösch. Durch den Temperaturunterschied könne es leicht zu Kreislaufproblemen kommen. Besser sei es, sich langsam abzukühlen und zuerst Hände, Füße und Gesicht mit Wasser zu benetzen.

Beim Baden in natürlichen Gewässern sollte man vor dem Hineinspringen die Wassertiefe prüfen und sicherstellen, dass sich keine Hindernisse wie Steine, Äste oder andere Gefahren im Wasser befinden, die nicht sichtbar sind.

Auch der eigene körperliche Zustand spielt am Badetag eine große Rolle: „Wer sich nicht fit fühlt, übermüdet ist, Alkohol getrunken oder zu viel oder zu wenig gegessen hat, sollte auf das Schwimmen besser ganz verzichten“, so Rösch.

Für Kinder und Nichtschwimmer gilt: Sie sollten sich nur in flachem Wasser am Ufer aufhalten – und das niemals unbeaufsichtigt. Eine aufmerksame Begleitperson sei unerlässlich. „Und bei einem heranziehenden Gewitter gilt: sofort das Wasser verlassen“, warnt der Sprecher.

Andreas Rösch ist Pressesprecher, Rettungsschwimmer und Einsatzleiter Wasserrettung bei der DLRG Bayern.
Manche Gewässer wirken idyllisch, eignen sich aber nicht zum Baden.
Schwimmende Gegenstände wie Rettungsringe können Leben retten.
Bevor man ins Unbekannte springt, sollte man die Wassertiefe prüfen.