Wildenberger mitten im FC Bayern: Kane ließ es krachen und ein Kakadu flog mit

Von Martin Rutrecht · 25. Juni 2025 um 19:00

Christian Huhn aus Wildenberg im Landkreis Kelheim ist seit zehn Jahren Physio beim deutschen Rekordmeister. Den Stars kommt er ganz nahe - jüngst bei der spontanten Titelfete im Käfer. Auch andere Episoden gibt der 49-Jährige zum Besten.

Video ansehen

Schon ist die Klub-WM die nächste Herausforderung. Aber Christian Huhn, Physiotherapeut beim FC Bayern, blickt noch gern auf die spontane Feier nach dem Meistertitel. Der Wildenberger arbeitet hautnah mit den Profis, seit zehn Jahren. Ein Füllhorn von Episoden kann er ausschütten – vom Kakadu-Abflug beim Käfer bis zum Thomas-Müller-Trikot mit „falscher“ Widmung.

Sein Titelhunger ist längst nicht gestillt. „Klar, wollen wir die Klub-WM gewinnen“, sagt Huhn, den bei Bayern alle „Chicken“ nennen. Am Dienstag, 24. Juni 2025, flog er dem Tross in die USA nach. „Drei Physios waren bisher drüben, jetzt reisen wir zu dritt hinterher. Es geht um einen Titel und deshalb freue ich mich darauf.“

Vor gut einem Monat heimste Huhn seinen 21. Titel ein: das neunte Meisterstück mit Bayern; die Champions League gewann er schon mit den Münchnern, dazu dreimal den DFB-Pokal, Supercup usw. Nicht zu vergessen: Als Physio der deutschen Nationalelf wurde er 2014 Weltmeister. „Beim DFB habe ich 2018 aufgehört. Dort war ich zehn Jahre. Aber parallel zu Bayern wurde es zu viel.“

Es begann noch gesittet ...

Die 34. Meisterschale für Bayern war für „Chicken“ eine besondere. „Zuvor hatten wir eine Serie hingelegt. Dann hat sich Bayer Leverkusen den Titel geschnappt.“ Der Tag der „Rückeroberung“ (4. Mai 2025) bleibt für Huhn denkwürdig. „Wir waren im Lokal Käfer essen, aber nur mit ein paar Profis, Kane, Kimmich, Gnabry… Ganz ruhig und gesittet.“

Wurde zum Objekt der Begierde: ein Porzellan-Kakadu im Käfer. Jetzt flog er auch mit in die USA. - Foto: Christian Huhn

Leverkusen spielte gerade in Freiburg – und kam über ein 2:2 nicht hinaus. Bayern war Meister. „Plötzlich kamen alle Spieler, alle Betreuer, es wurde gefeiert. Vor allem Harry Kane ließ es krachen – verständlicherweise, er hatte so lange auf seinen ersten Titel gewartet.“

Aus dem „Staff“, also dem Team ums Team, kam eine launige Idee. „Im Käfer stand ein Porzellan-Kakadu. Den haben wir als Begleitschutz mitgehen lassen“, grinst der 49-Jährige. Der Einfall dazu „stammte ausnahmsweise nicht von mir“. Auch bei der offiziellen Meisterfeier war der Kakadu dabei, und ist jetzt bei der Klub-WM zugegen. „Das ist unser neuer Glücksbringer. Die Chefs vom Käfer haben ihn dem FC Bayern überlassen.“

Das frühe Aus im DFB-Pokal und das Scheitern im Viertelfinale der Champions League trübt Huhns Bilanz nicht. „Um alles zu gewinnen, muss vieles passen und du brauchst auch Glück.“ In der nächsten Saison beginne die Jagd auf alle drei Titel von neuem.

Auch Sprintlegende Usain Bolt war bei Huhn in Behandlung, rechts Physiotherapeut Klaus Eder. - Foto: Christian Huhn

Sieben Physios arbeiten beim FCB. „Fünf sind der Mannschaft zugeteilt, zwei kümmern sich in der Reha um Spieler.“ Huhns Weg zum Rekordmeister begann über den bekannten Physiotherapeuten Klaus Eder aus Donaustauf. „Er hat mir immer gesagt, welche Fortbildungen ich machen soll und welche nächsten Schritte.“ Huhn arbeitete für den EVR und den SSV Jahn Regensburg. Eder nahm ihn schließlich mit zu einem Nachwuchs-Nationalteam des DFB. „Von da aus kam ich 2008 zur Nationalelf.“

Sieben Jahre später klopfte Ex-Bayern-Sportmanager Matthias Sammer bei Huhn an. Das rührte nicht von ungefähr. „Ich habe Fußballprofis aus ganz Europa betreut.“ Wen, darf er nicht sagen. Einen Namen nennt er aber, aus einer anderen Sportart: Sprintlegende Usain Bolt.

Keeper Manuel Neuer deutet es an: Huhn ist bei Bayern einfach der „Chicken“. - Foto: Christian Huhn

Auch heute, nach zehn Jahren beim FCB, brennt er für den Verein. „Als Niederbayer bei Bayern – besser geht’s nicht.“ Der Druck auch auf die Physios sei aber hoch. „Du wirst letztlich auch an der Häufigkeit von Verletzungen gemessen.“ Daher werde viel Wert auf präventive Behandlung gelegt. „Vor Training oder Spiel gibt es eine Vorbereitung, etwa mit Aufwärmen der Muskeln oder Anlegen von Tapes, im Anschluss eine Nachbereitung. Die Stabilität des Bewegungsapparats ist unsere Aufgabe.“

Auch Seelentröster der Profis

Welcher Profi auf der Behandlungsbank gerne quatscht oder kalauert, darf Huhn nicht verraten. „Da herrscht ein absolutes Vertrauensverhältnis – auch weil nichts raus geht. Unser Staff ist ein super Team.“ An manchen Tagen verbrächten Profis viel Zeit bei ihm. „Wenn es sein muss, dauert eine Behandlung auch bis zu zwei Stunden.“ Die vielen Reisen in der Champions League oder in der Bundesliga schweißen zusammen. Unter den vielen Stars bezeichnet er Torwart Manuel Neuer als Freund.

Thomas Müller hält offenbar auch große Stücke auf „Chicken“. „Zum Abschied hat er mir ein Trikot geschenkt mit Widmung.“ Huhn reagierte allerdings verdutzt. „Da stand: Merci für 20 geile Jahre!“ Der Wildenberger ist erst zehn Jahre bei Bayern. „Thomas hat sich tatsächlich erinnert, dass ich ihn schon in einer U-Nationalmannschaft betreut habe.“ Das Bayern-Idol „wird mir persönlich fehlen“.

Thomas Müller und Huhn mit WM-Pokal: Das Idol schenkte ihm jetzt ein Trikot mit Widmung. - Foto: Christian Huhn

Auch wenn Huhn der Bayern-Welt ganz nah ist – „ich bleibe ein bodenständiger Hallertauer“. Nach wie vor lebt er in der Region, fährt täglich 110 Kilometer zum FCB-Gelände. „Ich brauche meinen Rückzugsort und gehe auch immer wieder in die Dorfwirtschaft.“ Ausgleich von einer teils Sieben-Tage-Woche (siehe „Chicken“ im Dienst, unten) findet er beim Tennis oder beim Kicken mit Kumpels.

An einen Abschied von den Bayern denkt Christian Huhn längst nicht. „Ich bin ja noch jung“, lacht er. Nach 21 Titeln hat er noch nicht fertig. „Ich bin beim besten Verein der Welt.“

„Chicken“ im Dienst

Tagesablauf: Schon vor dem Training am Vormittag sind die Physios am Bayern-Gelände in der Säbener Straße und behandeln Spieler. Während der Einheit stehen sie neben dem Platz parat und machen danach weitere Anwendungen. Auch der Nachmittag verläuft ähnlich – mit Behandlungen bis in die Nacht hinein.

Dauereinsatz: „Wenn Bundesliga am Wochenende und Champions League unter der Woche laufen, gibt es keine Pause“, so Huhn. In der BL sind drei Physios dabei, in der CL vier. „Entweder du bist auf Achse oder behandelst jemanden, in der Champions League bis Mitternacht. Und nach der Heimreise wartet schon der nächste Spieler.“