Wald vor lauter Bäume

Mächtig ragen die Baumriesen in die Höhe. Wir schauen beeindruckt nach oben. Wir sind unterwegs auf den Peilstein bei Marienthal am Regen. Hier findet man ein absolut sehenswertes Geotop. In diesem Naturwaldreservat entsteht wieder Urwald. Das Ziel: ein artenreicher Wald von morgen. Haben Sie auch schon mal „den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen“? Dieses Bild hat Dichter und Denker der Aufklärung, Christoph Martin Wieland, geprägt. Man bemerkt etwas vollkommen Offensichtliches nicht oder erkennt die nächstliegende Lösung des Problems vor lauter Auswahlmöglichkeiten nicht. Psychologen nennen dieses Phänomen Unaufmerksamkeitsblindheit. Hier in dieser wunderschönen Gegend haben Umweltexperten scheinbar die richtigen Schlüsse gezogen. Zum Glück. Unser Landkreis ist von Wäldern geprägt. Etwa 35 Prozent des Gebiets sind von Wald bedeckt. Noch. Flächenfraß und Klimawandel lassen die 485 Qua-dratkilometer schrumpfen. Der Peilstein liegt 584 Meter hoch. Die Aussicht, der Weitblick am Ziel hinüber in den Schwandorfer Nachbarlandkreis – sogar bis zum Steinberger See – entschädigt aber für die Mühen eines teilweise nicht unsteilen Anstiegs. Das alles zusammen bewirkt auch bei uns etwas: Es ist ein Entschleuniger für die Hektik des Alltags, ein Placebo für die momentanen Sorgen, auch ein plötzliches Lösungshelferlein – und eine Pause für den Weltschmerz. Stadtluft macht zwar frei, aber Waldluft befreit!