Blick hinter die Bürgerfest-Kulissen: So wird das Regensburger Mega-Event organisiert

Es sind drei Tage Wahnsinn – das Regensburger Bürgerfest zieht alle zwei Jahre Hunderttausende in seinen Bann. Was viele Besucher auf den ersten Blick nicht sehen: Hinter dem Großereignis steckt jede Menge Arbeit. Drei Veranstalter berichten der MZ von ihren Erfahrungen.
Der Organisator: Bei Markus Apfelbacher laufen die Drähte zusammen.
Markus Apfelbacher von der städtischen Stabsstelle für Projekt- und Kulturmanagement ist Projektleiter Bürgerfest. Er ist gewissermaßen der Dreh- und Angelpunkt des Festes. Schon über ein Jahr vor dem Ereignis laufen die ersten Vorbereitungen, sagt Apfelbacher. „Hintergrund ist da das Thema Baustellen. Dafür braucht man langfristige Planungen.“ Bestes Beispiel: Die Baustelle in der Gesandtenstraße war pünktlich zum Bürgerfest fertig. Im September starte dann die Ausschreibung für das Bürgerfest. Etwa zeitgleich setze man sich regelmäßig mit Polizei, Ordnungsamt, Feuerwehr und anderen zusammen, um das Sicherheitskonzept auszuarbeiten. „Wenn irgendwo die Feuerwehr durchmuss, muss das funktionieren. Sonst verlieren wir Zeit – und das können wir uns nicht leisten.“
Zum Nachlesen: Miteinander und vor Ort – Das ganze Regensburger Bürgerfest im Liveticker
Die große Herausforderung am Bürgerfest im Vergleich zur Dult oder ähnlichen Veranstaltungen ist dabei die Weitläufigkeit: „Die Dult findet in einem geschützten Raum statt. Es gibt zwei Zugänge, die macht man zu, und die Veranstaltung ist gesichert.“ Das Bürgerfest finde dagegen mitten im öffentlichen Raum statt. Ein enormer Aufwand. „Es ist eine Mammutaufgabe.“ Nicht nur im Vorhinein, auch während des Festes. Beispiel Müll: Samstagnacht ist die Altstadt eine einzige Party-Zone. Schon am nächsten Morgen ist die Stadt wieder sauber – möglich machen das 70 Mitarbeiter der Stadtreinigung. Wie viele Menschen insgesamt im Einsatz sind? „Das kann man schlichtweg nicht einschätzen“, sagt Apfelbacher. Klar ist aber auch: Die Stadt kann nicht alles alleine machen. „Wenn ich am Tag 16 mal zu einem Platz muss, weil etwas nicht funktioniert, dann zerreißt uns das bei 22 Spielstätten. Deshalb ist es essenziell, dass wir mit den Leuten gut arbeiten können, die die Plätze betreiben.“ Einer davon: Albert Kellner, Braumeister und Kneitinger-Urgestein.
Das Urgestein: Albert Kellner lernt auch beim 15. Bürgerfest noch dazu
Kellner ist an den drei Bürgerfest-Tagen gewissermaßen der Chef am Arnulfsplatz – und das schon zum 15. Mal. Ein gutes halbes Jahr vor dem Fest versucht er, die Bands unter Dach und Fach zu bringen. Inzwischen arbeitet er sogar mit Ersatz-Musikern, falls ein Act ausfällt. „Es ist wie bei einer Bundesliga-Mannschaft, auch die hat Auswechselspieler.“ Dazu kommt die Suche nach Schaustellern und Fieranten. Das alles muss wohl koordiniert sein, sagt Kellner. „Da geht es um Zentimeter. Wenn einer einen halben Meter zu weit in der Straße steht, dauert es Stunden, den umzustellen, weil er natürlich alles wieder zusammenräumen muss.“
Dabei ist jedes Bürgerfest anders, sagt Kellner. Aus Erfahrungen der vergangenen Jahre könne man lernen. Beim Fest in diesem Jahr hat er den Ausschank gespiegelt. „So können die Leute von zwei Seiten kommen. Nun geht es viel schneller.“ Am Freitagabend seien vielleicht mal zehn Leute angestanden. In Anbetracht des proppevollen Arnulfsplatzes eine ziemlich überschaubare „Schlange“, findet Kellner. Dabei muss auch er als Platzbetreiber bestimmte Aufgaben delegieren. Beispielsweise den Ausschank. Darum kümmert sich der Regensburger Tennis-Klub (RTK) – und der hat heuer erstmals eine Kartenzahlung angeboten. „Eine tolle Sache“, findet Kellner.
Über die Jahre hat das Kneitinger-Urgestein gelernt: „Man muss die Leute anlocken, wenn der Platz eigentlich leer ist.“ Sonntagabend ist da so ein Beispiel. „Viele sagen vielleicht: Bürgerfest hatte ich schon, jetzt will ich mir mal den Tatort anschauen. Wenn man dann mit einer coolen Band um die Ecke kommt, denken sich manche vielleicht: Den Tatort kann ich aufnehmen – das Bürgerfest nicht.“
Der Neuling: Alex Hofmann muss noch Lehrgeld zahlen – fühlt sich aber geehrt
Vom Arnulfsplatz ans andere Ende des Festgeländes: Der Unternehmer und Gastronom Alex Hofmann ist seit Jahren in Regensburg engagiert – und war heuer das erste Mal Platzbetreiber auf dem Bürgerfest. Er hat die Schirmbar am Alten Kornmarkt aufgespannt. Lange wurde der Platz eher stiefmütterlich behandelt, nichts wollte so recht funktionieren. „Wir zahlen heuer natürlich Lehrgeld“, sagt Hofmann. „Aber es macht Spaß.“ Er habe auf der Dult Kontakte zu Schaustellern knüpfen können, die er nun auch auf das Bürgerfest locken konnte. Auch am Alten Kornmarkt geht es um Zentimeter. „Beim nächsten Mal muss die Bühne ein wenig anders stehen“, sagt Hofmann. Bei all der Arbeit, betont der Gastronom: „Auf dem Bürgerfest zu sein, ist eine Ehre.“
Wie Kellner legt auch Hofmann großen Wert auf das Rahmenprogramm. Auch er sagt: „Wir wollten am Sonntag zum Beispiel nochmal eine coole Band.“ Dabei müsse man auch immer im Blick haben, welche bekannten Acts gerade auf anderen Bühnen spielen. „Man will ja niemandem auf die Füße steigen.“ Für die Veranstalter macht es das natürlich ein wenig schwieriger, weil es mitunter zu einem Gedränge kommen kann, sagt Apfelbacher. „Wir müssen unsere Leute dann besser verteilen.“ Das Geheimnis – wie so oft: „Es geht nur miteinander.“
Was ist Ihr Lieblingsmoment auf dem Bürgerfest?
• Albert Kellner: Erstens, wenn jeder richtig steht und wenn es losgeht. Zweitens das Weißwurstfrühstück am Sonntag. Und drittens: Wenn ich das Bürgerfest am Sonntag am Arnulfsplatz abmoderieren darf.
• Markus Apfelbacher: Für mich ist das zum einen der erste Rundgang am Freitag, wenn alles steht und alles funktioniert. Das ist schon ein Zeichen, dass sich alles gelohnt hat. Zum anderen: Am Sonntag spendiere ich meinem Team eine Goaß-Halbe.
• Alex Hofmann: Ich hatte früher das Picasso in der Weiße-Hahnen-Gasse. Da haben wir Bürgerfest-Aftershow-Partys veranstaltet. Die Leute haben uns überlaufen. Das war zum Teil nur noch nasch.