Investor für 60000 Quadratmeter gesucht

Der Hausbau im Graf Lerchenfeld Quartier in Köfering, Landkreis Regensburg, hat sich durch die Insolvenzen der Wohnbau-Unternehmen Liaton und Urban Green bekanntlich für viele Käufer zum Alptraum entwickelt. Nach diesen Pleiten bauen die Bauherren mit neuen Firmen weiter. Immer mehr Häuser sind inzwischen fertiggestellt. Doch rund 60 000 Quadratmeter des Geländes sind noch unbebaut. Sie gehören zur Insolvenzmasse des Projektentwicklers Graf Lerchenfeld Quartier GmbH & Co. KG. Ende Januar ist auch dieser in Schieflage geraten. Insolvenzverwalter Daniel Barth von der PLUTA Rechtsanwalts GmbH führt das auch auf die Unsicherheiten durch die Pleite der Urban Green zurück. Er sucht Investoren für das Gelände.
„Es gibt einige Interessenten. Ich sehe gute Chancen“, sagt er. „Die Interessenten sind teils Bauunternehmen die alles aus einer Hand anbieten, oder Bauträger, die es bebauen lassen wollen. Ich setze den Verkaufsprozess derzeit neu auf.“ Die Vermarktung beginne voraussichtlich im Juli 2025, Ende des Jahres soll der Verkauf über die Bühne gegangen sein. Ziel von PLUTA: Das Projekt soll wie geplant abgeschlossen werden. Der endgültige Käufer soll die Erschließungsmaßnahmen auf den noch unbebauten Flächen übernehmen.
Da die Grundstücks-Kaufverträge mit der Graf Lerchenfeld Quartier GmbH & Co. KG aber von den Bauverträgen der Bauherren mit Liaton rechtlich getrennt und unabhängig sind, werden die bisherigen Bauherren trotz der durch Liaton verursachten Schäden, der jahrelangen Verzögerungen und der nicht fertiggebauten Häuser nichts vom Verkaufserlös sehen. Dies allein deshalb, weil die Graf Lerchenfeld Quartier GmbH den Bauherren zwar das Grundstück verkauft hat. Der Bauvertrag für das Haus darauf aber ist eigenständig. Dieses Vorgehen nennt sich Kauf-/Werkvertragsmodell. Es ist legal, aber in Fachkreisen wird davor gewarnt. „Die Grundstückskäufer wurden aber auch explizit in ihren jeweiligen Kaufverträgen und in den von ihnen im Anschluss abgeschlossenen Bauverträgen darauf hingewiesen, dass der Grundstücks-Kaufvertrag mit der GLQ nichts mit den Bauverträgen zu tun hat“, betont Insolvenzverwalter Daniel Barth. Vorteil dieses Modells im Vergleich zu einem klassischen Bauträger-Modell sei, dass die Grundstückskäufer sofort Eigentümer würden und somit ihr Grundstück und alles, was sich darauf befinde, nicht von einem Insolvenzverfahren betroffen sein könne.
Nach Informationen von Barth hat bisher niemand die Graf Lerchenfeld Quartier GmbH verklagt. Der Erlös aus dem Verkauf der 60 000 unbebauten Quadratmeter wird an die Gläubiger der GLQ fließen, das sind hauptsächlich Banken sowie in kleinerem Umfang Tiefbaufirmen und Lieferanten. Durch die Insolvenzen von Liaton und Urban Green und die dadurch entstandenen Verunsicherungen bei Interessenten sei der Grundstücksverkauf stillgestanden, sagt Daniel Barth. „Die noch ausstehenden restlichen Erschließungsarbeiten für die noch unbebauten Flächen konnten nicht mehr bezahlt werden.“
Projektentwickler Markus Dirnberger ist nach dem tragischen Tod von Michael Stark nun alleiniger Geschäftsführer der GLQ Quartier GmbH. Rechtliche und wirtschaftliche Auswirkungen auf das weitere Vorgehen habe der Todesfall jedoch nicht, sagt Rechtsanwalt Barth.
Auf eine betreffende Frage antwortet der Insolvenzverwalter: „Wenn eine Gesellschaft kein Vermögen mehr hat, oder wie im vorliegenden Fall mangels Liquidität zahlungsunfähig und somit insolvenzreif ist, muss aufgrund gesetzlicher Vorgaben ein Insolvenzantrag gestellt werden. Das ist gesetzliche Pflicht eines Geschäftsführers und somit keine freiwillige Entscheidung.“