Beim Gstanzlsingen in Bad Kötzting trotzt der Humor auch der Hitze

Von Maria Frisch · 15. Juni 2025 um 18:02

Josef „Bäff“ Piendl hat das 24. Gstanzlsingen am Sonntag in Bad Kötztzing (Landkreis Cham) mit seiner vortrefflichen, humorigen Art und Weise moderiert: „Wenn es auch etwas dampfig ist, wird es umso lustiger“, war er angesichts der sich immer mehr stauenden Hitze im Festzelt überzeugt, und sollte mit seiner Prognose tatsächlich recht behalten. Selbst die Wiederholungstäter im Publikum bekamen durchwegs unikate Späßchen zu hören, die wahre Lachsalven auslösten.

Einen Vorgeschmack gab „Bäff“ mit heiteren Gedichten und Schmunzelgeschichten. Den Besuchern erschien es, als würden seine Kollegen und er die humorigen Beiträge und Gstanzln nur so aus dem Ärmel schütteln. Eine Meisterleistung vollbrachten beim 24. Gstanzlsingen am Sonntag sowohl Ansager Josef Piendl, als auch die Musikanten der Weißblau Königstreuen aus Konzell, die bei der Livevorstellung mit öfterem Melodiewechsel, voll bei der Sache sein mussten, und dies bravourös beherrschten.

Applaus auf den Stufen eins bis drei

„Wir brauchen Bewegung. Schließlich soll keiner eine Thrombose davontragen“, kurbelte der Sprecher immer wieder zum Applaus auf den Stufen eins bis drei mit Trampeln, dazu Klatschen und Schreien an. In der Vorstellrunde der Gstanzlsänger stellte „Bäff“ Piendl seine Mitstreiter vor, nämlich die Hallertauer „Hopfenstange“ alias Erdäpfelkraut, oder mit bürgerlichem Namen Hubert Mittermeier, den Bayerischen Hias aus Dingolfing, Franz Huber, Andreas Aichinger aus Sankt Englmar, die Traumfrau aus Niederbayern und unisono „Gstanzlmaus“ Renate Meier, die als einzige Dame einiges verkraften musste sowie der Gastsänger und begnadeter Gstanzler Tom Swing.

Das Sextett fing gegenseitig mit dem Derblecken an, wobei jeder sein Fett wegbekam. „Ich sag’s Euch ganz ehrlich, das Bad Kötztinger Pfingstfest gehört zum Jahreslauf dazu“, spielte das Erdäpfelkraut auf seine bislang lückenlose Teilnahme an. „Wann Renate hat das Mikrofon, ham wir Mana nichts mehr zum sag’n“, wurde sogleich auf das Mundwerk der Rottalerin angespielt. Ehe sich derjenige versah, holte sich die Humoristin einen Kuss eines Besuchers in Bühnennähe.

„Kaum is herom, sucht sa se lauter schojne Mana wieder aus“

Tom Swing über die Kollegin Renate Meier

„Kaum is herom, sucht sa se lauter schojne Mana wieder aus“, lästerte Tom Swing. „Eitz hast a Problem, denn eitz hast entweder Schweinepest oder Rinderwahnsinn“, stellte das Erdäpfelkraut dem Geküsstem gleich eine Ferndiagnose aus. „Alles bloß Neider“, wischte die Rottalerin die Bemerkungen der übrigen Spaßmacher weg. „Da Barth Sepp hat a Bier bracht, wia a Beamter, a bisserl lang hat er gebraucht“, fand Andreas Aichinger aus Sankt Englmar.

Andy Aichinger aus Sankt Englmar machte auch vor dem Pfingstgefolge nicht Halt. - Foto: Maria Frisch

Dieser begnadete Gstanzlsänger hatte dann auch den ersten Soloauftritt. Das führte er auf den Umstand zurück, dass er seine Arbeitszeit als Mittelschullehrer nicht überschreiten wolle. Bei allen Humoristen wurde es beim Gang durch das Publikum erst so richtig interessant. Bei der Frisur eines Festbesuchers erschien es ihm, als hätte er in der Früh in die Steckdose gegriffen.

Bei einem großzügigen Tattoo vermutete der Englmarer, dass der Asphalt des Arbeitgebers Stratebau schlecht zum Wegwaschen ging. „Wenn ma ned schlaffa kann, kann ma Bildl anschaun“, hatte das Ganze auch wieder einen Vorteil.

Trinkgewohnheiten des Pfingstbräutigams kritisiert

„Warum trinkt’s es Zwoi nur a Wasser, was is da los?“, prangerte Aichinger die Trinkgewohnheiten des Pfingstbräutigams, nebst Begleiter an. „I hun mir denkt, mit so an Amt wa die Freid groß, vielleicht is da Geldbeutel scho geringer worden, müss ma euch a Massal ausgem?“ stellte der Englmarer in Aussicht. Dafür musste der Pfingstbräutigam Niklas Neubauer „auffe af de Benk und an g’scheiden Zug demonstriern“. „Es soll kein Bier warm werden“, stiftete „Bäff“ am Sonntag immer wieder zum Zuprosten an.

Der bayerische Hias, Franz Huber, aus Dingolfing, der schon 15 Jahre nicht mehr in Bad Kötzting war, lief gleichfalls zur Höchstform auf. Ein junges Paar zitierte er gleich zu sich und trieb allerhand Späße mit den Frischverliebten. „De Kettn in deine Haar g’heret deim Freind uman Hois uma, da kannt er mehr tringa, weil’s eam abschleppn kanntst.“

„Gstanzlmaus“ Renate Meier brachte einige junge Männer in Verlegenheit. - Foto: Maria Frisch

„Auf da Bühne herrscht mittlerweile eine Temperatur zum Vorrecka“, fand Hubert Mittermeier und legte deshalb sogar seinen legendären Mantel ab. Ihr braucht euch nicht beschweren, des sag i euch glei, denn wer nicht ausg’sunga werd’n mecht, sitzt se ned in de erst Reih“, so sein Rat.

„Dei Sonnenbrille am Hirn om, da frag ich mich gwis, ob des a Photovoltaik- oder eine Solaranlag is“, derbleckte er eine junge Frau. „Denkt an eure Zukunft, des schaut gar ned guad aus. Ihr müsst mehr arbeiten, denn Deutschland stirbt aus“, so der wohl gemeinte Rat an die Paare. „Oben das Waldsterben, aber de Wurzln san no guad“, spielte Mittermeier auf so manches Bartgeflecht in Verbindung mit lichtem Haar an.

Der bayerische Hias (alias Franz Huber) lief nach 15 Jahren Abstinenz zur Hochform auf. Auf die Schippe nahm er auch ein junges Pärchen. - Foto: Maria Frisch

Renate Meier hatte hochkarätige Begegnungen mit der Polizei in petto, die viel Gelächter hervorriefen, aber nicht nachahmenswert waren. Sie ist heuer 30 Jahre verheiratet. Zur Perlenhochzeit wünschte sie sich einen Swimmingpool. Ihr Mann lehnte ab, „weil ein solches Geschenk wie eine Frau sei: teuer in der Anschaffung, intensiv in der Pflege und wie oft ist man drin?“ Ein erotischer Versuch, ihren Mann zu verführen, erinnerte ihn daran, die blaue Tonne hinauszustellen.

„Ihr seid die Krönung der Blaskapellen“

Ein Grauhaariger erinnerte sie an Richard Gere. „Du hast Glück, denn die Pretty Woman steht vor dir“, so die selbstbewusste Humoristin. Der Rottalerin war es wieder eine Ehre, mit den Weiß-Blauen Königstreuen aus Konzell aufzutreten. „Ihr seid die Krönung der Blaskapellen in der Umgebung!“, lobte sie.

Zuletzt kurbelte „Überflieger“ Tom Swing, der seinen Fanclub dabei hatte, die Stimmung an. Pfingstreferent Sepp Barth überreichte zum Schluss die gläsernen Pfingstl vom Glasdorf Weinfurtner an die Humoristen.