Windkraftgegner in Maxhütte-Haidhof geben nicht auf - und kämpfen weiter gegen Anlagen bei Leonberg

Von Norbert Wanner · 16. Juni 2025 um 05:00

Gegen die vielerorts geplanten Windvorrangflächen und Windräder formiert sich immer mehr Widerstand. Auch in Maxhütte-Haidhof sind die Windkraftgegner weiter aktiv. Sie setzen sich für die Erhaltung des schönen Regentals ein.

Das Regental und die umgebende Landschaft sind malerisch. Poetisch spricht man auf der Internetseite des Tourismuszentrums Oberpfälzer Wald davon, dass seit Jahrhunderten der Fluss bei Schriftstellern und Romantikern als „ein schwarzes, langsam strömendes Wasser von sanft-schwermütiger Art“ gelte.

Nüchterner klingt das auf der Webseite des Bundesamtes für Naturschutz: „Der Regen und seine Aue stellen eine überregional bedeutsame Verbindungsachse für hydro- und hygrothermophile Organismen dar und ist wertvoller Komplexlebensraum mit vielfältigen ökologischen Funktionen und somit als Vorrang- und Schwerpunktgebiet für den Naturschutz ausgeschrieben.“ Dazu sei die Landschaft dort „Naherholungsgebiet für Regensburg“ und die Regentalhänge bei Hirschling, die sich zum Schwarzer Berg hinziehen, Flora-Fauna-Habitat.

Zahlen der geplanten Anlagen variieren

So gibt es Menschen, die mit Blick auf diese Einschätzungen der Meinung sind, dass das Tal samt zugehöriger Landschaft wohl kein geeigneter Raum für Windkraftanlagen wäre. Viele davon haben sich im Verein Erholungsregion Regental zusammengeschossen.

Diese Sicht der Dinge teilt man bei der Bürgerinitiative Am Schwarzer Berg – schützt Wald und Wasser. Von Anfang hat man dort die Planungen von Windkraftanlagen am Schwarzer Berg abgelehnt. Die Zahlen, wie viele Anlagen es letztendlich im gesamten Regental werden sollen, variieren. Am häufigsten ist von zwölf die Rede.

Die Entscheidung, im Planungsverband Regensburg, dass rund um Walhalla und Befreiungshalle aus optischen Gründen keine Windkraftanlagen gebaut werden können, erhöht den Druck auf Oberpfalz Nord.

Robert Ostermeier, Vorsitzender des Vereins Erholungsregion Regental

Am weitesten fortgeschritten ist die Planung von drei Anlagen auf dem Schwarzer Berg durch die Stadt Nittenau und drei weiteren Anlagen durch die Stadt Maxhütte-Haidhof im Leonberger Holz. Das wirft ein Schlaglicht auf die Planungslage, denn auch wenn das Regental eine zusammenhängende Naturlandschaft ist, fallen die möglichen Standorte in die Zuständigkeit dreier Kommunen: Regenstauf, Maxhütte-Haidhof und Nittenau sowie zweier regionaler Planungsverbände: Regensburg und Oberpfalz-Nord.

Angesichts der Proteste von Bürgern wird schnell das Floriansprinzip bemüht. Vereinsvorsitzender Robert Ostermeier formuliert es so: „Die Entscheidung, im Planungsverband Regensburg, dass rund um Walhalla und Befreiungshalle aus optischen Gründen keine Windkraftanlagen gebaut werden können, erhöht den Druck auf Oberpfalz Nord. Motto: Wir haben es vom Tisch, sollen sich die anderen darum kümmern.“

Nicht einmal 1300 Meter von Meßnerskreith entfernt

Vor Ort ist das am Schwarzer Berg zu besichtigen. Die Stadt Nittenau hat zwar ihre Vorrangflächen reduziert, hält aber an dem Areal am Schwarzer Berg, vor den Toren der Stadt Maxhütte-Haidhof fest. Nicht einmal 1300 Meter vom Ortsteil Meßnerskreith entfernt, soll eine der drei Anlagen stehen, während es nach Nittenau elf Kilometer Luftlinie sind.

Ich bin, wenn man sieht, was in Regenstauf passiert ist, schon enttäuscht, wie das Thema im Stadtrat von Maxhütte-Haidhof behandelt wurde. Ich verstehe nicht, warum der Markt Regenstauf die Argumente des Vereins hört, diskutiert und die Vorrangflächen für Windenergie zurückzieht, während bei uns diese Argumente nicht einmal diskutiert werden.

Inge Wagner von der BI Am Schwarzer Berg - schützt Wald und Wasser

Lange Zeit schien es, dass sämtliche Bemühungen der Windkraftgegner ins Leere laufen würden. Doch mit der Entscheidung des Marktes Regenstauf, die dort ursprünglich angedachten Vorranggebiete zurückzunehmen, gibt es einen ersten Erfolg. Das wird auch vor Ort beobachtet. Inge Wagner von der BI sagte mit Blick auf die Planungen der Stadt: „Ich bin, wenn man sieht, was in Regenstauf passiert ist, schon enttäuscht, wie das Thema im Stadtrat von Maxhütte-Haidhof behandelt wurde. Ich verstehe nicht, warum der Markt Regenstauf die Argumente des Vereins hört, diskutiert und die Vorrangflächen für Windenergie zurückzieht, während bei uns diese Argumente nicht einmal diskutiert werden.“ Ein Bürgerantrag auf Rücknahme des Vorranggebietes bei Leonberg war im März abgelehnt worden.

Dazu hätten sich aus Sicht von Wagner Aussagen der Befürworter für die unbedingte Notwendigkeit des Standortes Schwarzer Berg inzwischen relativiert. Zu Beginn sei gesagt worden, dass potenzielle Flächen an der nahen Autobahn 93 nicht wirtschaftlich wären, da es an Höhenlage fehlen würde. Die aktuell geplanten Anlagen seien jedoch deutlich höher als zu Beginn angegeben.

Kritik am Verfahren

„Trotzdem baut man offensichtlich am Schwarzer Berg oder anderen Standorten wie Leonberg lieber mitten im Wald, statt ohnehin belastete Flächen zu verwenden.“ „Grüner Strom – ja – aber es steht immer nur der Profit im Vordergrund“, findet Inge Wagner. Die naturschutzrechtliche Wertigkeit gerade am Schwarzer Berg sei unbestritten und aus Sicht der BI „in den Vordergrund zu rücken“.

Noch deutlicher klingt das beim Verein. Dort lehnt man generell Windkraftanlagen im Regental, samt den Standorten Schwarzer Berg und Leonberg ab. Ostermeier kritisiert das Verfahren grundlegend. „Die Frage, welche Auswirkungen die Windkraftanlagen im Detail vor Ort tatsächlich haben, wird überhaupt nicht gestellt“. Das liege daran, wie Claudia Koschel, ebenfalls im Vorstand des Vereins, erläutert, dass im Rahmen der Ausweisung der Windvorranggebiete nur eine sogenannte strategische Umweltprüfung stattfände. Übersetzt bedeute das, so Koschel: „Eine Prüfung nach Aktenlage vom Schreibtisch aus.“

Dann würde in der Landschaft des Regentals keine einzige Windkraftanlage stehen.

Robert Ostermeier, Vorsitzender des Vereins Erholungsregion Regental

Deshalb fordert der Vorsitzende – was sonst in Deutschland bei jedem Großprojekt üblich sei – eine Umweltverträglichkeitsprüfung und zwar von neutraler staatlicher Seite. Der Verein fordert desweiteren ein einheitliches Vorgehen der drei Kommunen im Regental. Gerade die Entscheidung von Regenstauf zeige, dass sich kommunalen Vertreter nicht widerstandslos dem „politischen Druck von oben“ in Sachen Windkraft beugen müssten. Würden die Vorranggebiete zurückgenommen, wäre es nicht so, wie gern argumentiert werde, dass dann Investoren wild Anlagen auf geeignete Flächen bauen könnten sondern es käme dann zu einer Einzelfallprüfung mit besagtem Umweltverträglichkeitsgutachten, so Ostermeier. Dann, so ist sich der Vorsitzende sicher, „würde in der Landschaft des Regentals keine einzige Windkraftanlage stehen.“