Als auf dem Kelheimer Marktplatz das Wasser 1,80 Meter hoch stand

Ein gewaltiges Hochwasser in Kelheim, ein neuer Naturlehrpfad in Riedenburg und eine Absage des Zweckverbands Häfen im Landkreis Kelheim sorgten einst für Themen in der Mittelbayerischen.
Vor 20 Jahren: Ein vielfaches „Schnippschnapp“ war das Signal: Örtliche und fachliche Prominenz eröffnete den Fischerei-Naturlehrpfad in Riedenburg. Redner würdigten das Gemeinschaftsprojekt von Altmühl-Fischereiverein und Bezirksfischereiverband als „richtungsweisend“. Das Besondere am Riedenburger Lehrpfad war die pädagogische Komponente: Durch Schüler, die immer wieder Exkursionen zu den Gewässern rund um Riedenburg unternahmen, war man auf die Idee gekommen. Aber auch für Touristen war der Lehrpfad eine zusätzliche Attraktion, würdigte Landrat Dr. Hubert Faltermeier in seinem Grußwort. : Der Pfad war ein Bespiel dafür, wie Riedenburg fie divergierenden Ansprüche von Natur, Wirtschaft und Tourismus unter einen Hut brachte.
Die Überraschung war bereits vor der Bürgerversammlung perfekt: Der Zweckverband Häfen im Landkreis Kelheim setzte Stunden zuvor den Beschluss zur Ansiedlung von Industrie-Betrieben an der Lände Riedenburg aus. Vereinbart wurde eine Pause bis zur Aufstellung eines gültigen Bebauungsplans durch die Stadt Riedenburg. Für Bürgermeister Michael Schneider war der Beschluss nach eigenen Bekunden eine „bittere Pille“. Laut Schneider war es sehr zweifelhaft, ob man später wieder einen Investor fand. Auch Landrat Faltermeier sagte: „Es ist alles andere als sicher, dass die Zuschüsse für den Ausbau der Lände in einigen Jahren noch fließen werden“. Bekanntlich war das Projekt auf 2,5 Millionen Mark veranschlagt, an Zuschüssen des Staates waren mindestens 50 Prozent zugesichert.
Vor 60 Jahren: Die Katastrophe kam schnell und lautlos. Ungezählte Familien mussten ihre überfluteten Häuser verlassen und Sachschaden in Millionenhöhe entstand. Bis zur Höhe von 1,80 Meter stand auf dem Marktplatz in Kelheim das Wasser. Die Familien wurden aus den Häusern evakuiert. Mit Schlauch und Motorbooten richtete das Rote Kreuz einen Soforthilfedienst zum Unfallkrankenhaus ein. Daneben versuchten Bundeswehr, Feuerwehr und Technisches Hilfswerks zu retten, was noch zu retten war. Oberndorf und das Kloster Weltenburg waren von der Umwelt abgeschnitten. Soldaten evakuierten Vieh aus den Stallungen. Doch manchmal war die Natur schneller als der Mensch. Das Hochwasser hatte einige Gehöfte so schnell überflutet, dass die Bauern gerade noch sich und ihre Familie in Sicherheit bringen konnten. Für das Vieh blieb keine Zeit mehr. In Kelheim improvisierte man in rasender Eile: Landratsamt und Bauamt blieben Tag und Nacht besetzt. Im Landratsamt wurde er nur Telefondienst eingerichtet. Im Landschulheim des Donaugymnasiums installierte man die Lebensmittelversorgung. Mehrere Ärzte leisten ununterbrochen eine Notdienst.