Kabelsalat in der Kirche: Das Münster in Neumarkt muss drei Wochen zugesperrt werden

Von Josef Wittmann · 11. Juni 2025 um 17:00

Die Turmbesteigung beim bevorstehenden Altstadtfest ist für alle, die das Münster bis hinauf zu den Glocken erkunden möchten, eine gute Gelegenheit, denn von 7. bis 26. Juli wird die Pfarrkirche zugesperrt. Dann werden die elektrischen Leitungen verlegt – und das ist noch nicht alles.

„So etwas hat es seit dem Krieg nicht mehr gegeben, aber jetzt muss es sein“, erklärt Kirchenpfleger Franz Ebenhöch. Denn die Renovierung der Elektrik, an der die Neumarkter Firma Nibler seit 2023 arbeitet, liege in den letzten Zügen.

„Wir müssen dann den Strom ganz abschalten und brauchen Platz für die Handwerker, um die Arbeit effizient zu einem guten Ende bringen“, fügt Johann Lang hinzu. Er ist in der Kirchenverwaltung für die Bauarbeiten zuständig.

Neue Heizkörper im Neumarkter Münster

Die neuen einige hundert Meter langen Kabel, Schaltkästen und Heizungen von der Sakristei bis zur Kirchturmspitze waren „alternativlos“ geworden, weil sonst der Brandschutz das Gotteshaus zugesperrt hätte. Auch hinter dem Altar müssen jetzt Heizkörper an die feuchte Wand, auch damit nicht im Innenraum weiterhin eine Thermik rotiert, die manchmal fast die Altarkerzen ausbläst.

Auch der Chor und die Live-Streamer bekommen auf der eiskalten Empore flache Heizkörper. Bei Renovierungen vor der Jahrtausendwende hatte man mehr Wert auf die Kunst, als auf die maroden Kabel gelegt. Ausgerechnet in Zeiten knapper Kassen im Bistum musste man nun allein für Elektrik und Heizung, für die es aus Eichstätt gar keinen Zuschuss gibt, mit einer runden Viertelmillion Kosten rechnen. Ganz zu schweigen von den weiteren beteiligten Gewerken.

Üble Überraschungen im Neumarkter Münster

Inzwischen hat die Pfarrei aber das Schicksal vieler Bauherren seit der Pandemie ereilt. Material- und Energiekosten steigen immer weiter und beim „Arbeiten im Bestand“ sind üble Überraschungen gewiss. Besonders in einem Gebäude wie dem Münster, bei dem man bis vor kurzem noch nicht einmal wusste, wo genau welche Installationen stecken. „Wir haben jetzt erst im Laufe der Baumaßnahme Pläne von einem Ingenieurbüro bekommen“, sagt ein Mitarbeiter.

Auch bei den förderfähigen Arbeiten an der Elektrik muss die Münsterpfarrei weit mehr selbst bezahlen, als bislang auf den Spendenkonten eingegangen ist. „Obwohl wir von vielen Gläubigen und auch aus dem Rathaus der Stadt Neumarkt schon großzügig unterstützt worden sind“, bedankt sich der Kirchenpfleger bei den vielen großen und kleinen Spendern und OB Markus Ochsenkühn.

Zu allem Überdruss müsse irgendwann auch für eine sechsstellige Summe die Orgel des Gotteshauses gereinigt werden.

Dreck auf der Orgel im Münster St. Johannes

Das sei momentan aber Zukunftsmusik, denn vorher müsse zum Beispiel ein Riss im Gemäuer behandelt und der Innenraum gereinigt werden, damit sich nicht neuer Dreck auf das kostbare Instrument von Regionalkantor Jan Blahuta legen kann, erklärt Ebenhöch.

Weil eine zusätzlicher Geldsegen aus Eichstätt über die gegebenen Zusagen hinaus unwahrscheinlich ist, bittet die Kirchenverwaltung weiter Gläubige, Firmen und Institutionen, denen das traditionsreiche Neumarkter Gotteshaus am Herzen liegt, um Spenden auf die Spendenkonten bei der Sparkasse (DE 71 7605 2080 0000 0150 81) und der Raiffeisenbank (DE 72 7606 9553 0001 1112 05) und sagt dafür schon im Voraus ein herzliches Vergelt's Gott.