Auf dem Neunburger „Schulbauernhof“ bringen Esel den Schülern viel über Natur bei

Paul und Ignatz sind zwei neue, tierische Stars an der Mittelschule in Neunburg (Landkreis Schwandorf). Die beiden fünf und acht Jahre alten Esel sind Teil eines neuen Projektes namens Schulbauernhof. So sollen die Schüler lernen, was es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen.
„In den vergangenen Jahren, besonders durch Corona, haben wir uns zu sehr in den digitalen Bereich hineingesteigert, der aber der kindlichen Entwicklung nicht immer gerecht wird“, begründet Rektor Georg Tischler diesen neuen Ansatz. Den innovativen Bereich werde die Schule dadurch selbstverständlich nicht verlassen. Es sei bereits mit KI experimentiert worden, ein neuer Computerraum und zum Teil neue Tablets zeugen davon. Die Frage müsse aber generell sein: „Wie kann sich Schule entwickeln, damit sie gesellschaftlichen Defiziten und Strukturveränderungen gerecht wird?“, so Tischler.
Und hier setze das neue Konzept der Mittelschule an. Trotzdem besitze der qualifizierende Abschluss und die Vorbereitung auf die Ausbildungsreife immer die höchste Priorität. Einen Ansatz für die hier angebotenen Projekte sieht der Schulleiter aber vor allem darin, dass viele Kinder keine oder nur sehr wenige Möglichkeiten haben, ihre eigenen Stärken und Schwächen zu erkunden. Aufgabe der Schule sei es in besonderem Maß, das zu erkennen und zu fördern.

Berufswünsche entstehen
Der Schulbauernhof ist laut Tischler ein Teil dieser Philosophie. Am Beispiel der Einrichtung stellte er heraus, dass er geeignet sei, berufliche Impulse zu vermitteln. Das hätten sowohl Richard Reger, von der gleichnamigen Zimmerei, wie auch Markus Seebauer, Bauleiter der Firma Steiniger, beim Bau der Stallung und der Zäune den Achtklässlern vermitteln können. Erste Berufswünsche seien daraus entstanden. Markus Seebauer habe sogar extra eine Weiterbildung über Eselhaltung auf sich genommen, um schon bei der Planung ein „Wohlfühlgelände“ zu erschaffen, lobte der Rektor.
Weitere Expertisen „in Rat und Tat“ ergaben sich über die Zusammenarbeit mit dem Kollerhof, der auch die Betreuung während der Ferien übernehmen werde. So etwas müsse schon vorab geklärt sein, betont Tischler. Eine große Hilfe sei Holger Dahlmann, Biolandwirt und Pferdewirt, der vom Schulverband für die Ganztagsbetreuung beschäftigt werde und den Klassen bei allen Arbeiten auf dem Feld und im Stall zur Seite stehe.
Den Tieren ist es egal, ober einer mit einer Eins oder einem Fünfer im Mathe daherkommt
Georg Tischler, Schulleiter Mittelschule Neunburg
Tischler sieht das Ganze als ein Puzzleteil, die Schüler wieder mehr mit der Natur in Berührung zu bringen. Es umfasse die gesamte Bandbreite von der Aussaat über die Pflege der Pflanzen bis zur Ernte, aber auch gemeinsamem Kochen und Essen.
Tierpädagogik betreibt die Schule laut Tischler schon seit rund drei Jahren – mit Schulhunden, Alpakas, den Pferden am Kollerhof und nun der beiden Eseln. Die Zielsetzung sei unter anderem die Erziehung mit Weitblick, Verantwortung und Achtung vor dem Lebewesen. „Den Tieren ist es egal, ober einer mit einer Eins oder einem Fünfer im Mathe daherkommt“, verdeutlicht der Rektor den Ansatz, der für den Einzelnen von Bedeutung sein könne.

Natürlich gebe es für klare Verhaltensregeln, was Lärmvermeidung und ruhige Bewegungen betreffe. Mit dazu gehörten Füttern, Ausmisten und Stalleinstreuen aber auch Kuscheln. Erstmals sei ihm aufgefallen, dass es Kinder gebe, die noch nie eine Schaufel in der Hand gehalten hätten. Grundsätzlich habe jede Klasse, außer während der Prüfungsvorbereitung, einmal wöchentlich eine „Bauernhofstunde“. Zusätzlich gibt es Kleingruppen, die sich zu festen Zeiten um die Esel kümmern.
Teil der Identität
Die beiden Wallache fühlen sich dabei offensichtlich pudelwohl. Georg Tischler ist froh, dass das Projekt vom gesamten Kollegium mitgetragen werde. „Das macht Schulfamilie aus und daraus entsteht Schulidentität“, ist er sicher.
Dennoch dürfe so ein Projekt nicht Selbstzweck sondern immer nur Teil des pädagogischen Gesamtkonzeptes sein, sagt der Rektor.