Lösungen nicht umunstritten – könnte Belgien trotzdem Beispiel für Regensburg sein?

Experten diskutieren im Degginger zu Mobilität und Lösungen für einen Verkehrswende in Regensburg. Neue Ideen zu haben, ist nicht das Problem, vielmehr fällt es oft schwer, alte Muster loszulassen.
Am Donnerstag hat es im Rahmen der Nachhaltigkeitswoche mehrere Vorträge im Degginger gegeben. Experten sprachen dort über die Themen Mobilität und Verkehrswende in Regensburg, darunter Zukunftsforscher und Stadtgeograf Stefan Carsten, Architekt und Stadtplaner Stefan Bendiks, Christian Wiesinger, Abteilungsleiter für Verkehrsplanung in Regensburg und Sandra Schönherr, die Betriebsleiterin des Stadtwerks Mobilität. Durch die Veranstaltung führte Matthias Spangler, Professor für Verkehrstechnik und nachhaltige Verkehrsplanung an der OTH.
„Wir können heute schon sehen, dass sich Mobilität und Verkehr verringert“, sagte Carsten. Das sei vor allem auf die zunehmende Digitalisierung zurückzuführen. „Wir verbringen viel mehr Zeit in geschlossenen Räumen und gehen immer seltener auf die Straße.“ Deshalb sei es wichtig, diesen Fakt bei der weiteren Verkehrs- und Stadtplanung im Auge zu behalten. Auch das Mobilitätsverständnis sei im Wandel. So verbinden junge Menschen mit diesem Begriff mehr die Aspekte Flexibilität und Unabhängigkeit und weniger Status und Autos an sich. „Sie gehen zu Fuß und sie nutzen ÖPNV. Natürlich fahren die auch Auto, nutzen das Fahrrad und die Bahn, aber eben je nach Situation und Gelegenheit“, so Carsten. Es sei daher notwendig, vielfältige Mobilitätsangebote zu schaffen, um Menschen überhaupt wieder in Bewegung zu bringen.
„Wir müssen den Verkehrsraum wieder zu einem öffentlichen Raum machen“, betonte Bendiks. In die umgekehrte Richtung sei es erst in den letzten 70 Jahren gegangen. Davor seien Straßen nicht von Autos und anderen Verkehrsmitteln dominiert gewesen. „Wir wollen hin zu einem multifunktionalen öffentlichen Raum, der auch zum Zufußgehen oder Verweilen genutzt werden kann.“ Das derzeitige Übermaß an Automobilität solle daher abgebaut werden. Dazu stellte Bendiks einige umgesetzte Projekte aus Belgien vor. Er betonte, dass trotz des anfänglichen Widerstands von Anwohnern und Unternehmen mittlerweile keine der getroffenen Maßnahmen mehr wegzudenken seien. Neue Ideen zu haben sei nicht das Problem, sondern vielmehr, alte Muster loszulassen.
Wiesinger stellte die Ziele der Stadt zum Thema Mobilitätswende vor, wie den Regensburgplan 2040 und dem Green Deal, die sich mit den Klimaschutzzielen auseinandersetzen. Beispielsweise sollen die Treibhausgasemissionen um 65 Prozent bis 2030 reduziert werden. Außerdem wolle man den Anteil der Fahrradfahrer bis 2035 auf 30 Prozent erhöhen. „Angestrebt wird eine nachhaltige Mobilität durch die Förderung umweltfreundlicher und effizienter Verkehrsmittel, um die Stadt zu einem sicheren und lebenswerten Raum zu machen“, sagte er.
Schönherr sprach über den ÖPNV in Regensburg. „Ziel ist es, den Bus für jeden verfügbar zu machen.“ Dazu wolle man die Attraktivität der öffentlichen Verkehrsmittel erhöhen. Im Zentrum stehe es, Angebote zu schaffen. „Auch wenn der Fahrgast heute noch nicht existiert, müssen wir so mutig sein, ein Angebot zu stellen, das für morgen funktioniert“, forderte Schönherr. Dafür müsse man Lücken schließen, Kapazitäten schaffen und die Verlässlichkeit gewährleisten.