Regensburger SPD: Aufbruch nach dem Gewitter

Von Juliana Ried · 5. Juni 2025 um 19:00

Gewitter gab es am Mittwochabend nur draußen. Im SPD-Stammlokal Wiendl in Kumpfmühl sei es bei der ersten Vorstandssitzung nach den Turbulenzen um die Nominierung des OB-Kandidaten „nicht gewittrig“ zugegangen, so sagt es Stadtverbandschefin Claudia Neumaier, die nach dem Rücktritt ihres Co-Vorsitzenden jetzt allein an der Spitze des Stadtverbands steht – und dort auch bleiben will. Nach einer Aussprache stürze sich die Partei jetzt in die Wahlkampfvorbereitungen, heißt es.

Koordinieren wird diese zunächst ein verkleinertes Vorstandsteam. „Da der Vorstand auch nach den Rücktritten von Raphael Birnstiel und Alexander Roth vollständig handlungsfähig ist, gibt es keine vorzeitigen Nachbesetzungen“, sagt Neumaier. Birnstiel war ihr Co-Vorsitzender, Roth einer ihrer Stellvertreter.

Vorstand des SPD-Stadtverbands war für Rudner

Birnstiel hatte vor und während der Delegiertenversammlung, die über den Kandidaten entschied, für einen „Aufbruch“ mit Thomas Rudner (63), einem ehemaligen Europaabgeordneten und kommunalpolitischen Quereinsteiger geworben. Der Stadtverbandsvorstand hatte Rudner empfohlen, die Entscheidung zwischen ihm und Fraktionschef Thomas Burger war aber knapp ausgefallen. Die Delegierten entschieden sich jedenfalls mit deutlicher Mehrheit für Burger (54), der seine Erfahrung als Vertreter von SPD-Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer und langjähriger Stadtrat ins Feld führte.

An der Spitze des Stadtverbands wird Neumaier, die für Burger votierte, unterstützt von zwei Stellvertreterinnen und einem Stellvertreter. Sie sagt: „Anfallende Aufgaben wurden im Vorstand neu verteilt, bis bei einer Delegiertenversammlung, die noch in diesem Jahr stattfinden wird, der gesamte Vorstand neu gewählt wird.“ Sie stehe bereit, als Teil einer neuen Doppelspitze zu kandidieren. Für den Wahlkampf und die Listenaufstellung werde gerade gemeinsam ein interner Zeitplan erarbeitet. „Nach den bewegten vergangenen Wochen in der Regensburger SPD liegt der Fokus nun auf einer geordneten und engen Abstimmung innerhalb der Partei und einem gemeinsamen, guten Weg in die kommenden Monate“, so Neumaier. Die Aussprache sei „sehr konstruktiv“ verlaufen.

OB-Kandidat Burger bestätigt: „Es war Konsens, dass man es das nächste Mal vielleicht anders tun sollte.“ Vielleicht ließen sich manche parteiinterne Verfahren transparenter gestalten. Prinzipiell gelte, „dass man Sachebene und persönliche Ebene trennen sollte“ und manche Dinge nicht an die Medien weitergegeben werden sollten, sagt Burger mit Blick auf persönliche Beleidigungen, die öffentlich wurden. „Es sollten alle einfach in sich gehen, die über die Stränge geschlagen haben. Manches Gewitter kann auch reinigend wirken.“ Grundsätzlich sehe er es nach wie vor als „Vorteil der SPD, dass sie mit offener Konflikten umgeht als manch andere Partei“, so Burger.

Während andere um Wählerstimmen werben, plant die SPD noch ihren Wahlkampf

Nach der relativ kurzen Aussprache hätten sich die Genossen vor allem auf die Vorbereitungen auf das Bürgerfest, wo sie ihre Rote Grotte bespielen wollen, und den anstehenden Wahlkampf konzentriert. Der werde nun Schritt für Schritt geplant – auch wenn Burgers Konkurrentinnen von CSU und Grünen schon heftig um Wählerstimmen werben. „Es ist nicht wichtig, wann man losläuft. Es ist wichtig, wann man ins Ziel kommt“, sagt Burger.

Weitere Teilnehmer der Sitzung, die circa zweieinhalb Stunden gedauert haben soll, berichten von „Aufbruchsstimmung“, so SPD-Stadtrat Klaus Rappert. Dabei seien keineswegs nur Anhänger von Burger ins Hotel Wiendl gekommen, sagt etwa Bruno Lehmeier, langjähriges Mitglied und Bezirksrat der Partei. Die Aussprache sei notwendig gewesen, dann habe aber gleich die Programmdiskussion begonnen. „Es ist tatsächlich so, dass jetzt nach vorn geschaut wird.“

Der Weg zum Kandidaten

Rückzug: Am 8. April war öffentlich geworden, dass die bisherige SPD-Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (64) nicht mehr antritt. Das habe private Gründe, sie wolle Zeit für ihre Familie haben.

Nachfolge: Der Parteivorstand entschied sich für den Kandidaten Thomas Rudner. Fraktionschef Thomas Burger zog seine Bewerbung zunächst zurück, stellte sich dann aber der Kampfabstimmung und gewann sie.