„Wenn ich nur daran denke, bekomme ich Gänsehaut“: Was Pilger nach Altötting erleben

Von Tino Lex · 5. Juni 2025 um 15:45

„Pilger der Hoffnung“: Unter diesem Motto startete am heutigen Donnerstag die größte Bayerische Fußwallfahrt von Regensburg aus nach Altötting – und dies bereits zum 196. Mal. 111 Kilometer legen die Gläubigen dabei an drei Tagen zurück. Wir haben mit Pilgern gesprochen, die uns von besonderen Begegnungen und lustigen Gemeinschaften erzählen.

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Los ging es um 7.15 Uhr mit einem Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Albertus Magnus. Von hier aus zog ab 8 Uhr der Pilgerzug los. In Burgweinting verabschiedeten Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer, Polizeipräsident Thomas Schöniger sowie Diözesanbischof Dr. Rudolf Voderholzer die Pilger. „Ich wünsche jedem einzelnen Pilger, dass er das findet, was ihn innerlich antreibt“, sagte Maltz-Schwarzfischer. Sie selbst ging bislang noch nicht mit nach Altötting, verabschiedet die Wallfahrer aber jedes Mal.

Der Geistliche erteilte den obligatorischen Pilgersegen und reihte sich selbst in den Pilgerzug mit ein und begleitet als Pilger die erste Etappe bis nach Obertraubling und wird auch die letzte Etappe zusammen mit den Pilgern bestreiten. Fußwallfahrer aus dem gesamten Bistum Regensburg und weit darüber hinaus, aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz, sogar aus Südafrika und der Ukraine, werden am morgigen Pfingstsamstag um 9 Uhr in Altötting einziehen, wo sie mit Bischof Rudolf den festlichen Abschlussgottesdient in der St. Anna Basilika feiern werden.

„Der brauchts ja auch mehr wie ich“

Bischof Rudolf Voderholzer und Gertrud Maltz-Schwarzfischer winken den Pilgern. - Foto: Tino Lex

Voller Vorfreude mit dabei ist unter anderen eine Gruppe von rund 80 Wallfahrer aus Fensterbach bei Schwarzenfeld. Der Kopf der Gruppe Christoph Pronath erzählt: „Man kann sich auf diese Wallfahrt nicht vorbereiten, denn es ist jedes Mal anders. Ich bin jetzt bestimmt schon das 20. Mal mit dabei und es niemals was passiert. Dann bekommst du urplötzlich eine Blase am Fuß... Alles schon passiert.“ Dann hält Pronath seine Mitpilgerin Regina Kirchberger, ebenfalls eine erfahrene Fußwallfahrerin, im Arm. Kirchberger war jetzt gut zehn Mal dabei. Christoph die doppelte Anzahl. Woraufhin die Pilgerin antwortete: „Der brauchts ja auch mehr wie ich“. Gelächter in der Gruppe – eine fröhliche Pilgerfahrt scheint das zu werden.

Extra für die Fußwallfahrt trainiert hat Angelika Schwägerl nicht. „Ich laufe jeden Tag genug herum. Das reicht, denke ich“. Unterstützt wird sie von Hans Glötzl aus Regenstauf. Er ist so etwas wie eine der guten Seelen der Pilger. „Früher habe ich eine wesentlich größere Gruppe betreut. Ich fahre immer zu den neuralgischen Punkten und gebe hier Essen und Getränke aus“, so Glötzl.

Christoph Pronath und Regina Kirchberger sind mit in einer fröhlichen Gruppe von 80 Pilgern und kommen aus dem schönen Fensterbach aus der nördlichen Oberpfalz. - Foto: Tino Lex

Angelika indes freut sich ganz besonders auf die Nachtprozession (in Wald bei Geratzkirchen) kurz vor dem Einzug nach Altötting, denn mit den vielen Lichtern und Fackeln wird die Fußwallfahrt dann etwas ganz Einmaliges. „Wenn ich nur daran denke, bekomme ich eine Gänsehaut. Blickt man nach vorn oder nach hinten – überall Fackellicht um 3 Uhr in der Nacht, das ist ein besonderer Moment – ergreifend!“

Bereits im zarten Alter von neun Jahren war Alexander Koller das erste Mal bei der Fußwallfahrt mit dabei. 1993 hatte er einen schweren Krankheitsfall in der Familie. „Das war sehr schlimm und ich hatte damals ein Gelübde abgelegt, wenn es gut ausgeht, gehe ich jedes Jahr bei dieser Fußwallfahrt nach Altötting mit“, so Koller. So kam es dann auch. Es sei eine besondere Erfahrung, die man hier erlebe und fast nicht zu beschreiben. „Man erfährt eine mentale Stärke, wenn man drei Tage dahin gehst“, betont Koller.

Regensburger Fußwallfahrt erholt sich nach Corona

Seit langer Zeit einer, der immer mit dabei ist: Alexander Koller aus Irlbach. - Foto: Tino Lex

„Nach den Einschränkungen der Pandemie erholt sich der Zulauf der Regensburger Diözesanfußwallfahrt wieder allmählich“, so Pilgerführer Bernhard Meiler. Auffallend sei, dass sich zahlreiche „Neupilger“ anmelden. Die Gläubigen stünden mitten im „Heiligen Jahr 2025“: Der verstorbene Papst Franziskus hatte die Heilige Pforte in Rom geöffnet und alle Gläubigen eingeladen, sich auf den Weg zu machen als „Pilger der Hoffnung“. Dieses Motto schrieb man dann auch über diese Fußwallfahrt. „In einer Zeit, da sich in dieser Welt so vieles verändert und sich Unsicherheit breit macht, in der vielfache Zweifel und Entmutigung den Blick in die Zukunft trüben, brauchen wir eine Hoffnung, die nicht zugrunde gehen lässt“, so die Pilgerleitung.

Doch bevor es so weit war, griff ein perfekt aufeinander abgestimmtes Räderwerk von insgesamt 28 unterschiedlichen Ressorts ineinander, erläutert Pilgerführer Meiler: Polizei, Ärzte und Sanitäter, Funk, Vorbeter, Gepäcktransport, WC-Wägen, Beschilderung, Verpflegung, Busse und mehr. Das ist auch notwendig, damit beispielsweise die rund 4000 vorbereiteten Übernachtungen reibungslos über die Bühne gehen. Wie im vorigen Jahr findet am Pfingstsamstag nach dem großen Abschlussgottesdienst im Klostergarten der Basilika ein großes Pilgerfest statt, organisiert durch den Pilgerverein.