Selbstbestimmtes Leben ist das Ziel

Ihrlerstein. Um sechs Uhr morgens klingelt der Wecker im Haus Löwenzahn – dann beginnt ein neuer Tag im ambulant betreuten Wohnen der Lebenshilfe Landshut in Ihrlerstein. Auch wenn der Name „Haus Löwenzahn“ erst seit Herbst 2024 offiziell ist, leben hier Menschen mit geistiger oder Mehrfach-Behinderung bereits seit drei Jahrzehnten in Gemeinschaft. Das große Jubiläum wird am 28. Juni gefeiert – mit Bewohnern, Betreuern, Wegbegleitern und Unterstützern.
Den neuen Namen wählten die Bewohner selbst – und schnell war klar: Löwenzahn passt. Unkompliziert, natürlich, fröhlich – genau wie das Leben in der Wohnform, die bei der Lebenshilfe als gemeinschaftliches Wohnen bezeichnet wird. „Es ist ein echtes Zuhause“, sagt Einrichtungsleiterin Cornelia Hauser, „kein Heim im klassischen Sinn, sondern ein Ort, an dem die Menschen ihr Leben leben – mit Unterstützung, aber so selbstbestimmt wie möglich.“
Strukturierter Alltag
Morgens heißt es: Aufstehen, frühstücken, sich für den Tag vorbereiten. Um 7.15 Uhr fährt ein Bus ab in Richtung Kelheim – dort arbeiten 14 der 19 Bewohner in den Lebenshilfe-Werkstätten in Bereichen wie Montage, Metall oder Elektro. Die anderen fünf, die bereits im Ruhestand sind, nutzen das Angebot der Tagesstruktur mit Gruppenangeboten, Spaziergängen oder Ausflügen.
Am Nachmittag kehrt das Leben zurück ins Haus. Dann wird es laut und fröhlich in den Gängen. Jeder hat etwas zu erzählen, es wird gemeinsam gekocht, gelacht, gewaschen, erzählt – und manchmal auch getanzt.
Das Team – bestehend aus Heilerziehungspflegern, Erziehern, Pflegekräften, Ehrenamtlichen und auch einigen Quereinsteigern – begleitet die Bewohner durch den Alltag. „Es ist hier wie in einer großen Familie“, sagt Hauser. „Alle bringen sich mit Herzblut ein, oft über das, was im Dienstplan steht, hinaus.“
Drei Bewohner sind bereits seit der Gründung im Jahr 1994 mit dabei. Für sie ist das Haus Löwenzahn längst zur Lebensmitte geworden. „Viele werden hier miteinander alt – wie in einer Familie eben“, sagt Hauser. Unter der Woche wird gemeinsam gelebt, am Wochenende geht’s zum Wandern, Eisessen oder ins Kino. Die älteste Bewohnerin ist aktuell Gisela Forster – sie feierte im Mai ihren 73. Geburtstag mit Weißwurstfrühstück und Kuchen, genau wie sie es sich gewünscht hatte.
Die Jüngeren bringen neue Dynamik ins Haus – etwa Stefanie Schmid, Jahrgang 1992. Sie fiebert einem ganz besonderen Termin entgegen: dem Jobtausch mit Geschäftsführer Christian Vatter. Der möchte für einen Tag selbst erleben, wie sich das Leben als Bewohner eines Lebenshilfe-Hauses anfühlt. „Keine Ahnung, was ich da tun werde“, sagt Steffi und lacht. „Aber ich freu mich drauf!“
30 Jahre gemeinschaftliches Wohnen – das bedeutet viele kleine und große Geschichten. Was für viele banal klingen mag, ist für die Bewohner ein echtes Highlight: ein gemeinsamer Urlaub etwa in den Bayerischen Wald. Und manchmal geht es sogar weiter weg – bis ans Meer. „Ein Traum wäre einmal zu fliegen“, verrät Hauser. Möglich werden solche Erlebnisse nur durch Spenden – etwa vom Lions Club, den Old Bikern oder den Brandler Berg Buam. „Das sind nicht nur Spender, sondern Freunde“, sagt Hauser.
Old Biker als Freunde
Die Old Biker kommen regelmäßig zum Grillen vorbei – und natürlich auch zur großen Jubiläumsfeier am 28. Juni. Dann wird gefeiert – mit Bewohnern, dem Team, ehemaligen Mitarbeitenden, Werkstatt-Leitern, gesetzlichen Betreuern und vielen Unterstützern. Und wie es sich für ein Fest des Hauses Löwenzahn gehört: mit Musik, guter Laune, Geschichten aus 30 Jahren – und einem klaren Blick in die Zukunft.
Das Haus Löwenzahn befindet sich in der Nürnberger Straße in Ihrlerstein und wird von der Lebenshilfe Landshut e.V. getragen. Aktuell leben dort 19 Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung. Unterstützt werden sie von einem engagierten Betreuungsteam, das sich aus Fachkräften wie Heilerziehungspflegern, Pflegekräften und Erziehern, aber auch aus Ehrenamtlichen und Quereinsteigern zusammensetzt.
Ziel der Einrichtung ist es, den Bewohnerinnen und Bewohnern ein möglichst selbstbestimmtes Leben mit individueller Assistenz zu ermöglichen. Gefeiert wird das 30-jährige Bestehen des Hauses am 28. Juni 2025 – gemeinsam mit den Bewohnern, deren Angehörigen, gesetzlichen Betreuern, Mitarbeitenden sowie zahlreichen Wegbegleitern und Unterstützern.

