Ehemaliger Thamerbräu-Pächter zur künftigen Ukrainer-Unterkunft: Rattenproblem gab es schon vor zehn Jahren

Von Stefanie Bauer · 3. Juni 2025 um 05:00

Von Behördenseite wurde das Gerücht, dass es im Thamer-Gebäude auf dem Rötzer Marktplatz eine „Rattenplage“ geben soll, nicht bestätigt. Auf unsere Berichterstattung hin hat sich allerdings ein ehemaliger Pächter des Gasthauses zu Wort gemeldet. Er sagt: Das Problem habe schon vor zehn Jahren bestanden.

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Zur Sprache gekommen war das Thema bei der jüngsten Stadtratssitzung, als Hans-Jürgen Porsch (FW) sich nach dem aktuellen Sachstand zur geplanten Asylbewerberunterkunft in dem Gebäude erkundigt hatte – und ob das Gerücht den Tatsachen entspreche, dass es dort eine „Rattenplage“ gebe. Geschäftsleiter Josef Kulzer hatte daraufhin informiert, dass eine Anwohnerin nach eigenen Angaben eine größere Anzahl von Ratten gesehen habe. Auf Anfrage des Bayerwald-Echos hatte ein Sprecher des Landratsamts Cham informiert, dass bei keiner Unterkunftsbegehung bisher Ratten oder Spuren von Ratten gesichtet worden seien.

Peter Pruka erinnert sich hingegen noch genau daran, als er vor gut zehn Jahren „seinen“ ersten Nager im Gebäude entdeckt hat: „Ich wollte in den Bierkeller gehen, und da lag eine tote Ratte.“ Der gebürtige Weidener bewirtschaftete ab dem Herbst 2014 drei Jahre lang das Gasthaus mit Übernachtungsmöglichkeit auf dem Rötzer Marktplatz. Er hat nach eigenen Angaben etliche Ratten im Thamer-Gebäude gesehen.

Maßnahmen ergriffen

„Unten war die Gaststätte, in der auch oft Veranstaltungen stattfanden, außerdem gab es einen großen Biergarten“, so Pruka. Während seiner Zeit als Thamerbräu-Pächter habe er mit seiner Lebensgefährtin auch eine Wohnung im dritten Stock des Gebäudes bewohnt.

Pruka war ein leidenschaftlicher Gastronom. Seine Eltern führten in Weiden das Café Schaller, er selbst betrieb außerdem in Bodenmais den Dorfstadl. Als Wirt habe er auf die einwandfreie Lagerung und hygienische Zubereitung der Speisen stets ein Auge gehabt – aber das erforderte im altehrwürdigen Thamer-Gebäude, das in ganz alten Zeiten auch einmal eine Brauerei gewesen war, einiges an Aufwand.

Auf die einwandfreie Lagerung und hygienische Zubereitung der Speisen hatte der ehemalige Pächter stets ein Auge. - Foto: Pruka

Wie auch viele Rötzer noch wissen dürften, zieht sich ein Netz an unterirdischen Gängen und Schächten quer durch einen großen Teil der Stadt. Und dort fühlen die Ratten sich wohl, sagt der ehemalige Pächter. Er hatte im Bierkeller, wo die Nager sich überwiegend aufhielten, aus diesem Grund keine Lebensmittel und Getränke eingelagert – „da hätte ich mich selbst davor geekelt“. Ausgeschenkt wurde aus hygienischen Gründen nur Flaschenbier.

Der damalige Gebäudeeigentümer habe damals Maßnahmen zur Bekämpfung der Nager ergriffen und viel Geld in die Hand genommen, um einen Kammerjäger zu engagieren. Danach sei eine Zeit lang Ruhe gewesen, so Pruka. Doch durch die Tatsache, dass die Tiere sich in den unterirdischen Gängen so wohlfühlen würden und ihnen die Nähe zum Wasser – unter dem Gebäude fließt auch der Stadtbach – nichts ausmache, sei das Problem langfristig bestehen geblieben.

Eigentlich hätte er das Gebäude gern kaufen wollen, sagt der ehemalige Pächter. Doch die Auflagen des Landratsamts, die den Brandschutz betrafen, wären schon damals mit den Auflagen, die es aufgrund des Denkmalschutzes gibt, schwer vereinbar gewesen, sowohl die Fassade als auch die Gaststube seien denkmalgeschützt. Er habe viel Geld hineingesteckt, aber irgendwann „mussten wir die Bude zusperren“, resümiert Pruka.

Im ersten Stock des Gebäudes seien damals Asylsuchende untergebracht gewesen, wechselnd zwischen 20 und 40 an der Zahl. Engagierte Rötzer Bürger hätten sich seinerzeit zusammengetan, um ihnen ehrenamtlich Deutschunterricht zu geben, erinnert der ehemalige Pächter sich. Nach und nach seien die Asylsuchenden schließlich andernorts untergebracht worden. Wirtshaus und Hotel allein hätte die Pacht nicht getragen, bedauert Pruka.

Er denkt gerne an seine Zeit als Thamer-Wirt zurück

Trotz aller Widrigkeiten denkt er gern an seine Zeit als Thamer-Wirt zurück. Seine Gastronomie sei damals „toll angenommen“ worden, viele Rötzer seien regelmäßig bei ihm im Thamerbräu gewesen, den er wieder auf Vordermann gebracht und dem er zu neuem Glanz verholfen habe. Mit einigen Rötzern halte er bis heute Kontakt. Nachdem das Gebäude für kurze Zeit leer stand, habe es nach ihm, jeweils für kurze Zeit, andere Pächter gegeben, bis es – vorerst – wieder zum Leerstand wurde.

Peter Pruka während seiner Zeit als Thamer-Wirt in der Gaststube – wie der Biergarten war diese stets gut gefüllt. - Foto: Pruka

Ein Sprecher des Landratsamts hatte unmittelbar nach der letzten Stadtratssitzung auf Anfrage mitgeteilt: „Da bei einem Nagerbefall der Eigentümer zuständig ist, haben wir direkt mit ihm Kontakt aufgenommen und es wurde versichert, unverzüglich geeignete Maßnahmen gegen den angeblichen Rattenbefall zu ergreifen.“ Bei keiner Unterkunftsbegehung seien bisher allerdings Ratten oder Spuren von Ratten gesichtet worden.

Aufgabe des Eigentürmers

Auch die Aussagen des ehemaligen Pächters „können von Seiten des Landratsamtes nach der Aktenlage nicht bestätigt werden“. Es sei aber darauf hinzuweisen, „dass es gesetzlich und vertraglich allein Aufgabe des Eigentümer beziehungsweise des Verpächters war und ist, beim Auftreten von Schädlingen jeglicher Art Bekämpfungsmaßnahmen vorzunehmen“.

Der jetzige Gebäudeeigentümer war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Auskunft von Behördenseite

Stadt: Josef Kulzer, Geschäftsleiter bei der Stadt Rötz, hatte in der jüngsten Stadtratssitzung Mitte Mai informiert, dass eine Anwohnerin nach eigenen Angaben eine größere Anzahl von Ratten gesehen habe, als der Teppichboden herausgerissen und ein zweiter Container vor dem Gebäude aufgestellt worden sei. Es sei sogar von einer „Rattenplage“ gesprochen worden.

Landratsamt: Auf Anfrage hatte ein Sprecher des Landratsamts Cham Mitte Mai bestätigt, dass die Behörde von der Stadt Rötz Ende März darüber in Kenntnis gesetzt worden sei, dass eine Beschwerde aus der Nachbarschaft des angemieteten Gebäudes vorliege, dass von dort Ratten herauslaufen würden. Bei keiner Unterkunftsbegehung seien bisher allerdings Ratten oder Spuren von Ratten gesichtet worden.

Aktueller Stand: In das ehemalige Gasthaus Thamer hätten eigentlich schon Mitte Februar 25 Asylbewerber einziehen sollen. Der Einzugstermin hatte sich mehrfach verschoben. Nachdem die Zuweisungszahlen von Asylbewerbern stark zurückgehen, werde die Unterkunft in Rötz im Rahmen der Umstrukturierung der bestehenden Unterkünfte demnächst nicht mit Asylbewerbern, sondern mit Geflüchteten aus der Ukraine belegt, so die aktuelle Auskunft aus dem Landratsamt.