Studie der Uni Regensburg zeigt: Jungen Erwachsenen macht die Weltlage zu schaffen

Von Mittelbayerische Zeitung · 22. Mai 2025 um 18:46

Sie brauchen in Krisenzeiten mehr Kommunikation, mehr Social-Media-Kompetenz, mehr psychologische Hilfe: Der Lehrstuhl für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie der Universität Regensburg hat ein alarmierendes bundesweites Stimmungsbild erhoben und gibt Empfehlungen.

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Die Ergebnisse einer im März 2025 deutschlandweiten Umfrage unter 2000 Jugendlichen und Erwachsenen zwischen 16 und 21 Jahren zeigen: Jugendliche sind in diesen Zeiten stark seelisch belastet.

Die ständigen Krisen nagen

Die globalen Krisen, etwa Kriegsereignisse, Anschläge, Klima, verursachen seelische Beeinträchtigungen. Die Forschenden erhoben auch indirekt vermittelte posttraumatische Symptome. Untersucht wurde unter anderem, „durch welche Faktoren Belastungen wie stark vermittelt werden, etwa Bildkonsum und Dauer der Konfrontation, aber auch Resilienzfaktoren“, erläutert Professor Dr. Romuald Brunner, an dessen Lehrstuhl die Studie entstand. „Wir haben zudem Ideen entwickelt, wie die Belastungen gemildert werden können“, berichtet der Erstautor der Studie, Dr. Daniel Schleicher.

Denn: Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind gut informiert, aber oft stark belastet und fühlen sich allein gelassen. Das hat konkrete Folgen auf ihr Verhalten. Beispielsweise meiden 23 Prozent öffentliche Plätze wie Märkte, Konzerte oder kulturelle Veranstaltungen. Zudem fühlt sich nur gut die Hälfte in den Sorgen und Befürchtungen von Erwachsenen oder älteren Personen gehört. Etwa 60 Prozent haben wenig Vertrauen in die Politik, dass die Krisen bewältigt werden – über 50 Prozent haben sogar die Befürchtung, dass sich die politische Lage verschlechtern wird.

Die meisten hören mehrmals pro Woche bis täglich von diesen politischen Entwicklungen, hauptsächlich über soziale Medien, Fernsehberichte oder Gespräche mit anderen. Verstörende Videos oder Bilder von Krieg und Konflikten, die Verwundung, Folterung, Tötung, Geiselnahme oder ähnliches zeigen, werden dabei von fast der Hälfte der Jugendlichen mindestens wöchentlich gesehen. Die Gewaltdarstellungen führten bei vielen zu ersten Anzeichen einer posttraumatischen Stressbelastung, beispielsweise gekennzeichnet durch Nachhallerinnerungen, Schlafprobleme sowie Schreckhaftigkeit.

Digitale Pausen sind ratsam

Aber wohin wenden sich nun junge Menschen, wenn sie sich belastet fühlen? Sie öffnen sich vorrangig privat, gegenüber dem Freundeskreis oder den Eltern. Professionelle Helfer sind bei nur etwa 20 Prozent eine wichtige Anlaufstelle. Fast 80 Prozent der Befragten wünschen sich generell mehr Auseinandersetzung mit dem Thema seelische Gesundheit, beispielsweise in Schulen, Universitäten oder Ausbildungsstätten.

Die Ergebnisse zeigen, dass zum einen das Vertrauen in die Politik durch transparente und jugendgerechte Kommunikation gestärkt werden muss. Hierbei sollten Erwachsene dahingehend sensibilisiert werden, wie sie Jugendliche durch aktives, empathisches und wertfreies Zuhören in Krisenzeiten unterstützen können.

Im Hinblick auf die sozialen Medien scheinen auf der strukturellen Seite die Stärkung von Schutzfiltern, auf der individuellen Ebene die Förderung der Medienkompetenz wichtige Ansatzpunkte zu sein. Dazu gehörten die Begrenzung des Nachrichtenkonsums und digitale Pausen zur Unterstützung der Selbstfürsorge durch Hobbys, Bewegung und Entspannung.