Vilzings Erfolgstrainer Josef Eibl im Interview: „Das waren jetzt vier unvergessliche Jahre“

Josef Eibl bescherte den Vilzingern im ersten Jahr seiner Amtszeit mit dem Aufstieg in die Regionalliga den bisher größten Erfolg ihrer Vereinsgeschichte. In der vergangenen Spielzeit wurde die DJK sogar Vizemeister. Nun hat er den Huthgarten verlassen in Richtung FC Bayern München.
Vilzings scheidender Trainer Josef Eibl im Video-Interview
Am Samstag stand das letzte Saisonspiel an. Welche Momente – negativ wie positiv – sind dir besonders in Erinnerung?
Josef Eibl: Schwierige Frage gleich zu Beginn. Eigentlich nur das Positive. Das waren jetzt vier unvergessliche Jahre. Ich glaube, wenn mir das einer davor gesagt hätte, was in den vier Jahren alles passiert, hätte ich es nicht für möglich gehalten. Ich bin zu Vilzing gekommen, da war die DJK Bayernligist. Wir sind mit einer tollen Saison aufgestiegen in die Regionalliga. Wir haben die Klasse gehalten im ersten Jahr, sind Vizemeister geworden, jetzt nach der Vorrunde, die nicht so gut lief, haben wir in der Rückrunde wieder alles in Grund und Boden gespielt, wenn man mal ehrlich ist. Das waren unvergessliche Momente. Tiefen bleiben eher nicht hängen, sondern nur das Positive.
Als du den Job in Vilzing angenommen hast, war das der Plan: Aufstieg im ersten Jahr, dann drei Mal in Folge der Klassenerhalt?
Eibl: Der Wunschtraum war es. Ich bin in Vilzing angetreten, mit dem ganz klaren Ziel, dass wir in die Regionalliga wollen. Wir haben gesagt, wir finden hier eine gute Mannschaft vor und wir wollen das Ziel unbedingt erreichen. Dass das aber nicht so einfach ist, sieht man immer wieder. Das nehmen sich mehr Mannschaften vor, wir haben es erreicht. Dann war es natürlich das ganz klare Ziel, die Klasse zu halten. Dass es so hervorragend klappt, dass kann man sich erträumen, aber das es am Ende so läuft, ist eine super Geschichte.
Vilzing zahlte im ersten Jahr Regionalliga viel Lehrgeld und machte den Klassenerhalt erst am allerletzten Spieltag in Illertissen perfekt. Wie war das?
Eibl: Dramatik pur über die 90 Minuten. Wir waren natürlich auch die Wochen davor schon angespannt, wir haben punkten müssen. Wenn ich nur daran denke – das drittletzte Spiel in Schweinfurt, hier haben wir einen Punkt geholt, das war ein sehr enges Spiel. Das vorletzte Spiel gegen Buchbach, wo wir in der 96. Minute das 1:0 machen. Dann das Spiel in Illertissen gegen einen wahnsinnig guten Gegner, der uns nichts geschenkt hat. Wie gesagt, das war Dramatik pur, aber dann am Ende des Tages Erleichterung pur.
Ganz spontan – was war das schönste, beste und beeindruckendste Spiel mit der DJK?
Eibl: Ganz spontan der Aufstieg. Der Aufstieg aus dem Grund, weil es das erste Mal in der Vereinsgeschichte war, das Spiel gegen Seligenporten. Ich glaube, dass war ein ganz besonderer Moment für den ganzen Verein.
Josef Eibl in Bildern





Was war deine schwärzeste Stunde in Vilzing?
Eibl: Vielleicht die Zeit in dieser Vorrunde. Wo man gesehen hat, als es einmal nicht so gelaufen ist, dass dann von allen Seiten, gleich kritische Stimmen gekommen sind, was wir intern auch nicht immer verstanden haben. Wir haben gewusst, es war nicht alles gut, aber am Ende des Tages, ist aus dem mit das Positivste geworden. Ich glaube, das hat mich als Trainer mit am weitesten gebracht, denn wenn es läuft, dann ist alles einfach. In dieser Phase ist es nicht gelaufen, aber das war sehr positiv, wie wir uns da alle miteinander rausgezogen haben.
Das ist nicht nur eine Mannschaft in der Regionalliga, sondern das sind super Typen.
Josef Eibl über die DJK-Elf
Fußball funktioniert ja schon lange nicht mehr nach dem Motto Elf Freunde müsst ihr sein. Hast du in deiner Zeit in Vilzing echte Freundschaften geschlossen?
Eibl: Definitiv! Das kann ich so sagen. Wir hatten letzten Dienstag eine kleine Feier bei mir zuhause, weil die Mannschaft vor zwei Jahren bei meiner kirchlichen Hochzeit den Brautstrauß gestohlen hat und ich noch was einzulösen hatte. Das hatte ich der Mannschaft versprochen. Ich habe es nun mit einem Abschied verknüpft. Und wenn ich an die Hochzeit denke, was die Mannschaft für uns als Ehepaar damals geleistet hat, das war sensationell. Und genauso jetzt der Abschied. Das ist nicht nur eine Mannschaft in der Regionalliga, sondern das sind super Typen. Im Trainerteam hatte ich schon Freunde davor gehabt, die habe ich weiterhin. Durch die Verantwortlichen habe ich super Freundschaften geknüpft. Das, glaube ich, kann ich auch weiterhin so sagen. Denen werde ich auch in Zukunft verbunden bleiben.
Mit welchen Spielern hast du am besten beziehungsweise am liebsten zusammen gearbeitet?
Eibl: Mit allen. Weil mich alle persönlich und auch sportlich weitergebracht haben. Auch die in Anführungszeichen schwierigen Typen, weil ich glaube, die machen das Salz in der Suppe. Genau da wird man auch als Trainer besser und deswegen habe ich wirklich keinen Lieblingsspieler.
Ergänze bitte diesen Satz: Der Huthgarten bedeutet für mich…
Eibl: ... Emotion pur
Welche Erfahrungen aus Vilzing nimmst du mit für deine neue Tätigkeit beim FC Bayern?
Eibl: Unendlich viele Erfahrungen, die ich mit der Mannschaft habe sammeln dürfen. Ich glaube, dass ich vor vier Jahren ein anderer Trainer war als ich es jetzt bin. Wie gesagt, es machen die Höhen was mit einem, aber auch die Tiefen, die wir gehabt haben. Ich glaube, dass ich mich sportlich wie auch persönlich weiterentwickelt habe.
Vom Regionalliga-Cheftrainer zum Regionalliga-Co-Trainer: Deinen Wechsel zur U 23 des FC Bayern München hast du selbst als Karrieresprung bezeichnet – Wie ist das zu verstehen?
Eibl: Ich glaube, der FC Bayern ist noch einmal eine andere Hausnummer. Es ist richtig, ich bleibe in der gleichen Liga. Ich nehme jetzt eine andere Funktion ein, aber wenn ich schon die Gespräche mit den Verantwortlichen vor Ort gesehen habe... Das ganze Drumherum. Das ist nicht nur eine Nummer größer, sondern die ein oder andere Nummer größer. Ich darf mit den größten Talenten Deutschlands, wenn nicht sogar Europas, zusammenarbeiten und auf diese Aufgabe freue ich mich wahnsinnig. Es wird aber sicherlich auch keine einfache Aufgabe.
Wirst du, falls es die Zeit erlaubt, das ein oder andere Mal den Weg nach Vilzing machen, um den Jungs zuzuschauen?
Eibl: Auf alle Fälle – und zwar als Spielbeobachter, weil wir ja in der gleichen Liga sind. Aber auch, weil ich die Jungs einfach weiterhin verfolgen und immer wieder gerne an den Huthgarten kommen werde.