Neunburger Festspiel bereitet sich auf seine 40. Spielzeit vor

Von Ralf Gohlke · 18. Mai 2025 um 19:00

Es wird wieder geprobt im Burghof der ehemals pfalzgräflichen Residenz in Neunburg. Die über 100 mitwirkenden Laiendarsteller und die Zuständigen für die Technik, Requisite, Kostüme und Maske, bereiten gerade die 40. Festspielsaison, rund um die historischen Ereignisse der Schlacht bei Hiltersried anno 1433, vor.

Gespannt sind nicht nur die Mitwirkenden vor und hinter der Bühne, welche Veränderungen es in der Besetzung, vor allem aber in der Dramaturgie geben wird. Regisseurin Karin Michl und Co-Regisseurin Verena Hergl sowie Manuel Winkler als Vorsitzender des Festspielvereins und Jürgen Hoffmann, Spielleiter im Team mit Ivonne Brandl, vermitteln zum Probenauftakt einen kleinen Einblick, worauf das Publikum gespannt sein darf.

16-jähriges Ausnahmetalent geangelt

Der größte Wurf ist dem Team wahrscheinlich mit der Verpflichtung von Moritz Wutz gelungen. Das erst 16-jährige Ausnahmetalent hat die komplette Musik für das Stück, mit Ausnahme der von der Hofmusik live eingespielten Passagen, neu komponiert und arrangiert. „Der Kontakt ist über den Musikpädagogen Andreas Ernst vom Joseph-von-Frauenhofer-Gymnasium in Cham entstanden“, informierte Michl. Dessen Chor „LehraundMehra“ werde ebenfalls in einigen Aufnahmepassagen zu hören sein.

Moritz Wutz (16) verpasst dem Stück einen komplett neuen, musikalischen Hintergrund. - Foto: Ralf Gohlke

„Die Anfrage zu der Arbeit hat mich von Beginn an gereizt“, sagte Moritz Wutz, der bereits mit acht Jahren ersten Stücke geschrieben hat. Inzwischen komponiert und produziert er in seinem eigenen kleinen Tonstudio Musik für Kurzfilme, Einspieler und Spots aber auch Theaterstücke. „Mit einem Festspiel hatte ich bislang noch nichts zu tun, musste aber gleich feststellen, dass dies anspruchsvoller als meine sonstige künstlerische Arbeit ist“, sagte er.

Das erfordert Füllsequenzen, die über die Tontechnik gesteuert werden müssen.

Moritz Wutz

Während Filmszenen zeitlich genau getaktet werden könnten, gäbe es bei Live-Auftritten immer Unwägbarkeiten, sei es, dass Pferde nicht so agierten wie sie sollen, oder sich Darsteller anders bewegten als vorgesehen. „Das erfordert Füllsequenzen, die über die Tontechnik gesteuert werden müssen“, erklärt er.

Der Burghof stelle eine zusätzliche Herausforderung dar, weil sich verschiedene Resonanzen entwickeln können. Die seien so zu berücksichtigen, dass am Ende alles gut klinge. Was am Ende klingt wie ein ganzes Orchester hat Moritz Wutz selbst am Klavier eingespielt und dann entsprechend „gesampelt“, dass heißt, die Anschläge von seiner Tastatur werden verschiedenen Instrumenten zugeordnet. Bewusst verzichte er dabei auf den Einsatz von KI. Sie würde er maximal als Hilfsmittel akzeptieren.

Julia Grund (3. v. l.) verkörpert nicht nur die Pfalzgräfin Beatrix, sondern auch eine Hübschlerin, die in der Schandgeige abgeführt wird. - Foto: Ralf Gohlke

Als eine weitere Neuerung nennt Karin Michl die Neubesetzung der Figur des Schreibers Ott Ostmann der nun nicht mehr den jungen Galan der Pfalzgräfin verkörpern werde. Jürgen Hoffmann übernehme die Rolle. Neu im Team seien der ehemalige Schirmherr Richard Wagner mit Gattin Marga, der die Rolle des Stadtrates Heimlinger übernehme. Den Ritter Stör verkörpere Jonathan Binder und bei den Hussiten schlüpfe Jens Brüsse in die Rolle des Anführers Pardus. Eine neue Variante werde es bei der Hinrichtungsszene geben, sodass die Rolle des Petr entfalle.

Schlacht wird diesmal etwas länger dauern

Wegen der neuen Musik werde die Schlacht als solche voraussichtlich etwas länger. Am Ende werde es, anstelle des Schreibers Ottl, nun Tristram Zenger sein, der den bedeutungsvollen Schlusssatz spreche, verriet die Regisseurin. Mehr sollte vorerst nicht preisgegeben werden. Ein Thema war natürlich auch die Tatsache, dass der Stadtrat die Aussetzung des Stückes ab 2026 zurückgenommen hatte. Manuel Winkler war daher froh dass die Verträge für die Regisseurinnen bis 2027 weiter liefen. Daher stehe bereits fest, dass das Stück im kommenden Jahr völlig neu geschrieben werden solle. „Diesbezüglich stehen wir schon in Verhandlungen mit potenziellen Autoren“, ergänzte Michl.

Der Vorsitzende stellte heraus, dass Mitspieler immer gesucht würden, im Hinblick auf eine Neuauflage auch Leute mit Sprachkenntnissen in Tschechisch. Unterstützung erwarte sich der Verein vom Miriam Ferstl als Botschafterin für den Kulturatlas Bayern, mit der es schon Gespräche gegeben habe.