Brandstifterin auf der Flucht: Ist Verdächtige aus Bodenwöhr eine Reichsbürgerin?

Von Johannes Hartl, Martin Kellermeier · 15. Mai 2025 um 17:13

In einem Einfamilienhaus im südlichen Bodenwöhrer Gemeindegebiet kam es in der Donnerstagnacht zu einem Brandausbruch. Schnell stellte sich heraus, dass es sich wohl um Brandstiftung handeln muss. Tatverdächtig ist eine 57-Jährige, die das Haus Stunden später hätte zwangsräumen müssen. Die Frau befindet sich auf der Flucht – und soll den Reichsbürgern nahestehen.

Das Feuer war im Keller des Wohnhauses ausgebrochen und konnte von der Feuerwehr schnell gelöscht werden. Verletzt wurde nach aktuellem Stand niemand. Was genau gebrannt hatte, ist noch unklar. Jedoch hatte die Polizei bald eindeutige Hinweise, dass Brandstiftung als Ursache infrage kommt. Die Kriminalpolizei Amberg hat daher die Ermittlungen aufgenommen.

Als dringend tatverdächtig gilt eine 57 Jahre alte Bewohnerin des Hauses. Sie ist flüchtig und vermutlich mit einem VW Sharan unterwegs. Seit dem Brandausbruch wird intensiv nach ihr gefahndet. Auch ein Polizeihubschrauber war zeitweise im Einsatz. Um die Verdächtige schnell festnehmen zu können, bittet die Kripo unter der Telefonnummer (0 96 21) 89 00 um Hinweise.

War anstehende Zwangsräumung das Motiv für die Tat?

Nach Informationen der MZ könnte das Motiv für die Tat in einer Zwangsräumung liegen. Das Haus, in dem die Verdächtige wohnte, wurde 2024 versteigert. Doch die Frau wollte nicht ausziehen. Sie wehrte sich auch mit juristischen Mitteln, hatte dabei aber keinen Erfolg.

Letztlich wurde die Zwangsräumung für Donnerstag, 15. Mai, festgesetzt. Davon hatte die Verdächtige seit Mitte April Kenntnis. Der Gerichtsvollzieher setzte dabei auf Vorsicht und wollte die Polizei beim Räumungstermin dabeihaben. Der Grund: Die 57-Jährige soll „der Reichsbürgerszene zumindest nahestehen“, wie es Holger Vogl, der Pressesprecher des Amtsgerichts Schwandorf, formulierte. Auch Polizeisprecher Jonas Krauß bestätigte entsprechende Anhaltspunkte.

Es gibt Anhaltspunkte, dass die Verdächtige der Reichsbürgerszene nahesteht.

Jonas Krauß, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz

Bei den Reichsbürgern handelt es sich um „Gruppierungen oder Einzelpersonen“, die die Existenz der Bundesrepublik und deren Rechtssystem ablehnen, wie der bayerische Verfassungsschutz auf seiner Homepage schreibt. In ihrer Argumentation berufen sich die Reichsbürger demnach unter anderem auf das historische Deutsche Reich oder auf Verschwörungserzählungen. Auch rechtsextremes Gedankengut sei in der Szene teilweise verbreitet.

Allein in Bayern werden 5430 Personen als Reichsbürger eingestuft, wie aus dem Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2024 hervorgeht. Ein Teil der Anhänger schreckt dabei auch vor Gewalt nicht zurück. Der Bayerische Verfassungsschutz sieht in der Szene eine „sicherheitsgefährdende Bestrebung“.

Haus in Bodenwöhr soll das „kleine Paradies“ der Verdächtigen gewesen sein

Die verdächtige Bodenwöhrerin galt in ihrer Nachbarschaft als freundlich, aber auch zurückgezogen. Vor Ort trat sie kaum in Erscheinung – wenn, dann kannte man sie als Künstlerin und durch ihre Handarbeiten. Das Wohnhaus soll ihr kleines Paradies gewesen sein, hieß es.

Doch es gab wohl auch andere Seiten. „Sie hat den Staat abgelehnt“, will eine Person aus der Nachbarschaft wissen. Noch am Montag soll die Verdächtige abends bei einer Anwohnerin geklingelt und sie unter Tränen darum gebeten haben, doch ihren Katzen vorrübergehend eine Bleiben zu geben. Dabei soll die 57-Jährige gesagt haben, dass sie bald obdachlos sein und die Polizei sie aus ihrem Haus holen werde.

Dass nun die Kripo nach ihrer Nachbarin sucht, schockiere sie, sagte eine Frau. Sie hätte es nicht für möglich gehalten, dass die 57-Jährige eine derartige Tat begehen könnte.

Eine Zeugin will die Verdächtige dabei beobachtet haben, wie diese Stunden vor dem Feuer ihr Auto vollgeladen hat. In der Nachbarschaft sei die Rede davon gewesen, dass sie für vier Wochen untertauchen wolle und womöglich zu einer Freundin nahe der tschechischen Grenze fahre. „Die Adresse wollte sie nicht sagen, damit wir nicht in Konflikte geraten“, berichtete die Anwohnerin.