Wie Schulrektor Wolfgang Brey dank Spenderherz ein neues Leben geschenkt bekam

Von Lucia Pirkl · 19. Mai 2025 um 06:00

Wolfgang Brey, der Rektor der Mittelschule Abensberg im Landkreis Kelheim, hat Dank Spenderherz ein neues Leben geschenkt bekommen. Der Weg zur zweiten Chance war nicht einfach - aber er ist geglückt.

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Für ein Stück vom Paradies braucht es nicht viel: Die Instant-Nudelsuppe brachte beide zum Weinen. Essen, trinken, gehen, keine Schmerzen haben: Dinge, die für gesunde Menschen völlig selbstverständlich sind. Wer aber einmal künstlich ernährt wurde, wer weiß, wie es ist, nicht mehr selbst laufen zu können oder Schmerzen zu haben, für den ist schon der Normalzustand das Paradies. Wolfgang Brey hat das am eigenen Leib erfahren. Der Moment, als er Monate nach seiner Herz-Transplantation zuhause bei seiner Frau, in den eigenen vier Wänden, wieder normale Nahrung zu sich nehmen konnte, der hat sich für immer eingebrannt. „Das war die beste Nudelsuppe im Leben“, sagt er rückblickend.

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Brey selbst hätte wohl niemals vermutet, dass ihn derlei banale Dinge einmal emotional so berühren könnten. Der Rektor der Mittelschule Abensberg ist keiner, der sich selbst schont. „Ich war immer sportlich, Fußball, schwimmen, und alles immer extrem.“ Rasten oder Ruhen, nicht sein Ding. Bis ihn eine Grippe ausbremste. „Aber ich bin keiner, der lange daheim bleibt.“ Nach einer Woche ging es gewohnt weiter mit den unzähligen Aufgaben, die so eine Stelle mit sich bringt, und auch den Sport im Fitnessstudio, den nahm er bald wieder auf. Aber genau dort, irgendwann auf dem Laufband, da merkte er, es ging schon mal besser. „Der Prozess war ja schleichend.“ Brey verlor mehr und mehr an Kraft, bis dem ehemals körperlich sehr fitten Mann wortwörtlich schon beim Gehen die Luft wegblieb.

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Der Kardiologe bescheinigte ihm eine abgelaufene Herzmuskelentzündung, Tabletten sollten es richten. Doch die Herzleistung wurde immer schlechter. Dilatative Kardiomyopathie lautete schließlich die Diagnose, eine krankhafte Erweiterung des Herzmuskels. 2012 wurde ihm ein Defibrillator eingesetzt. Als der dann zweimal anschlug, zog der Arzt die Reißleine und bestellte die Breys an einem Freitagnachmittag in die Praxis. Was er ihm dann sagte, zog Brey den Boden unter den Füßen weg: „Sie haben eine Herzleistung von nur noch 20 Prozent. Sie werden nur überleben, wenn Sie ein neues Herz bekommen.“ Plötzlich beschäftigt sich das Paar mit Fragen, die sie sich bisher nie stellen mussten: Wie hoch ist die Chance für ein neues Herz überhaupt? Ist das ethisch vertretbar? Brey kam auf die High Urgency Liste, was nur geht, wenn alle anderen Organe gesund sind. Denn nur dann hat eine Transplantation eine Chance auf Erfolg. Dann, es war mittlerweile der 5. März 2017, kam Brey nach Roding, um dort in einer Klinik auf ein Herz zu warten. „Ich war nur noch lethargisch“, so Brey.

„Entweder Kunstherz oder sterben“

Sein Zustand verschlechterte sich, schließlich wurde er Ende April ins Uniklinikum verlegt, „und dort eröffnete mir der Professor knallhart: ,entweder Kunstherz oder sterben'. Ich wollte nur noch sterben“. Aber seine beiden Töchter und seine Frau retteten das letzte bisschen Lebensmut, versuchten ihn mit Bildern von Dingen, die er früher als zu selbstverständlich hinnahm, auch psychisch am Leben zu erhalten: Fotos vom Lieblingsessen, vom Haus, vom geliebten Auto. Und freilich Fotos von den Lieben selbst. Brey wurde schließlich operiert, das Kunstherz eingesetzt. „Der Schlauch ging fingerdick raus“, so seine Frau. Sein Leben hing fortan an technischen Geräten. Er magerte von 84 Kilo auf 49 runter. Komplikationen gab es auch: Innere Blutungen nach dem Einsetzen des Kunstherzes, Infektionen mit Keimen – nichts blieb aus. „Die haben mich immer wieder aufgemacht wie einen Reißverschluss.“

Der Anruf kam nachts um zwei Uhr

Das zähe Warten auf ein Spenderherz, das Warten aufs Irgendwann, das vielleicht niemals kommt, machte dumpf. Dann, es war der 25. Oktober 2017, nachts um zwei, weckte der Arzt ihn auf: „Herr Brey, wir haben ein Herz für Sie, das wird gerade hergebracht.“ Brey rief seine Frau an, und die kam mit den beiden Töchtern sofort ins Krankenhaus. Doch der Arzt schickte sie wieder heim, denn die OP werde dauern. Seinen Hinweis, dass bei der OP auch etwas schief gehen kann, den blendeten sie aus. Stunden später, um 5 Uhr am nächsten Morgen kam dann der erlösende Anruf: „Das Herz passt und es schlägt.“ Die Angst, die sich tief in jede einzelne Zelle eingefressen hat, sie kann weichen, sie kann endlich Platz machen für neuen Mut.

Doch auch nach der rettenden OP verbesserte sich Breys Zustand nicht wie bei anderen Patienten. „Ich konnte nicht mehr essen und nicht mehr trinken.“ Zu Weihnachten nach Hause? Eigentlich undenkbar. Brey riskierte es auf eigenen Wunsch, mit Rollstuhl - und aß eben zu Hause das erste Mal seit Langem die besagte Nudelsuppe.

Stück für Stück kämpfte er sich zurück ins Leben

Stück für Stück kämpfte er sich zurück ins Leben, kam mehr und mehr zu Kräften, holte sich die ehemals selbstverständlichen Dinge zurück, ging schließlich wieder in die Arbeit. „Das Wichtigste ist das Mentale“, ist Brey überzeugt. Der Preis für das neue Leben? Blaue Flecken überall schon bei leichten Berührungen, das Einhalten bestimmter Essgewohnheiten und die körperliche Leistung, wie sie früher war, die ist freilich auch nicht mehr da. Der Tablettencocktail morgens und abends fordert zudem seinen Tribut: „Das Herz ist gut, aber die Nieren sind belastet durch die Medikamente“, so der 67-Jährige. Kurzum: Es ist ein anderes Leben als früher, mit gesundem Herzen. Aber es ist auch ein anderes Leben als vor der Transplantation, als die Tage gezeichnet waren von Entbehrungen, vom Warten, von der Frage nach dem Sinn. Die zweite Chance, für Brey und seine Familie ein Lottogewinn.

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Die vielen Briefe seiner Schüler gaben ihm neuen Lebensmut.
So sah das „Kunstherz“ aus.