„Hände weg vom Pfingstmontag!“: Wirtschaftsbosse wollen Feiertag abschaffen – Bürgermeister verfasst Brandbrief

Von Sabrina Kauer · 14. Mai 2025 um 15:00

Mehr Arbeit auf Kosten des Pfingstmontags? – Nicht mit Bad Kötzting. Die Pfingstrittstadt hat am Mittwoch einen Brandbrief veröffentlicht und sich darin klar gegen eine Abschaffung des Pfingstmontags als Feiertag ausgedrückt. Das hat die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft gefordert.

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Um die deutsche Wirtschaft zu fördern, sollen kirchliche Feiertage gestrichen und stattdessen wieder mehr gearbeitet werden, berichtet unter anderem Focus online. Die Vereinigung stellt gleich drei Feiertage zur Auswahl, denen es an den Kragen gehen soll: der zweite Weihnachtsfeiertag, Ostermontag und Pfingstmontag. Letzteres sorgt für einen großen Aufschrei in Bad Kötzting und einen offenen Brandbrief des Bürgermeisters Markus Hofmann (FW).

„Tiefes Unverständnis“

Er schreibt: „Mit großem Befremden und tiefem Unverständnis nehmen wir die aktuelle Diskussion zur Kenntnis, wonach der Pfingstmontag als gesetzlicher Feiertag abgeschafft werden soll – diesmal mit Verweis auf eine angeblich notwendige Anpassung der Arbeitswelt. Besonders irritierend zeigt sich dabei die Forderung des vbw-Geschäftsführers und seiner Mitstreiter, erneut an einem über Jahrhunderte gewachsenen Feiertag zu rütteln, der in vielen Regionen Deutschlands – und ganz besonders in Bad Kötzting – nicht nur ein freier Tag, sondern gelebtes Kulturgut und spirituelle Identität ist. Darüber hinaus ist der Pfingstmontag in vielen Regionen in Bayern ein ganz besonderer Fest- und Feiertag!

Für Bad Kötzting wäre eine Abschaffung des Pfingstmontags ein kulturelles, gesellschaftliches und wirtschaftliches Fiasko.

Markus Hofmann, Bürgermeister der Stadt Bad Kötzting

Bereits 1993 sollte der Pfingstmontag zur Finanzierung der Pflegeversicherung ,geopfert’ werden – damals wie heute ein Angriff auf unsere religiöse und kulturelle Substanz.

Für Bad Kötzting wäre eine Abschaffung des Pfingstmontags ein kulturelles, gesellschaftliches und wirtschaftliches Fiasko. Seit über 600 Jahren zieht jedes Jahr am Pfingstmontag der Kötztinger Pfingstritt mit rund 700 festlich gekleideten Reitern als eucharistische Prozession zu Pferde durch unsere Stadt und die umliegenden Gemeinden. Tausende Besucherinnen und Besucher aus ganz Bayern, Deutschland und dem Ausland strömen zu diesem einmaligen Ereignis, das weit über die Grenzen hinaus für gelebte Glaubenstradition, bayerische Heimatverbundenheit und friedliches Miteinander steht.

Der Pfingstmontag ist Herzstück und Höhepunkt dieser festlichen Tage. Wer diesen Tag streicht, gefährdet nicht nur eine der ältesten Bittprozessionen Europas, sondern reißt eine traditionsreiche Region aus ihrem kulturellen Takt.

„Ein fatales Signal“

Zudem wäre ein solcher Schritt auch aus touristischer Sicht für den Freistaat Bayern ein fatales Signal. Gerade in einer Zeit, in der regionale Identität, Brauchtum und kultureller Tourismus immer wichtiger werden, braucht es Verlässlichkeit – nicht Verunsicherung.

Auch Bad Kötztings Bürgermeister Markus Hofmann (Mitte) beteiligt sich jährlich am Pfingstritt, der jedes Jahr Tausende Besucher in die Region lockt. - Foto: Christa Rabl-Dachs/Stadtarchiv

Bayern ist das Tourismusland Nr. 1 in Deutschland – als Bürgermeister eines Kurortes in einer Ferienregion, die wirtschaftlich stark auf den Tourismus ausgerichtet und davon abhängig ist, möchte ich dabei auch auf die wirtschaftliche Bedeutung der Feiertage für unsere gesamte Region verweisen.

Die Feiertage sind für den Tourismus bei uns ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, am Feiertag selbst und als Anlass für einen attraktiven Kurzurlaub und Tagesausflug – mit der Abschaffung schwächt man die gesamte Tourismus- und Dienstleistungsbranche in Bayern.

Wir sagen mit aller Deutlichkeit: Das lässt sich die Bevölkerung von Bad Kötzting und der gesamten Region nicht gefallen. Hier geht es nicht nur um einen Feiertag – es geht um Identität, um Brauchtum, um Heimat.

Wir verlassen uns in dieser Debatte auch auf die klare und unmissverständliche Aussage unseres Bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder, der im März 2025 betonte: ,Bayern wird definitiv keine Feiertage abschaffen.’

Wir fordern daher mit Nachdruck: ein klares Bekenntnis zur Bewahrung des Pfingstmontags als gesetzlichem Feiertag; eine wertschätzende öffentliche Debatte, die Tradition und Glaubensleben nicht als verzichtbare Randerscheinung behandelt; und ein Ende von ökonomisch motivierten Schnellschüssen, die das soziale und kulturelle Gefüge unserer Gesellschaft in Frage stellen.

Im Namen der Stadt Bad Kötzting, ihrer Bürgerinnen und Bürger sowie der vielen Ehrenamtlichen, Geistlichen, Vereine und Traditionsträger, die jedes Jahr mit Herzblut für den Fortbestand des Pfingstritts arbeiten, sagen wir: Hände weg vom Pfingstmontag!“

Aber nicht nur die Badstädter, auch Politiker aus der Region äußerten sich dazu. Am Mittwochnachmittag postete MdL Dr. Gerhard Hopp (CSU) zur Thematik auf Facebook: „Der Pfingstmontag ist elementarer Bestandteil von Kultur und Tradition!“ Im Gespräch mit unserer Zeitung machte Hopp deutlich, dass auch der Bayerische Ministerpräsident Markus Söder kein Interesse daran habe, einen Feiertag in Bayern abzuschaffen. „Er kennt den Pfingstritt, die Kultur und die christlichen Werte“, sagte Hopp und fügte hinzu: „Ich habe mit Markus Söder persönlich gesprochen. An seiner Aussage (aus dem März 2025, Anm. d. Red.) hat sich nichts geändert. Es ist ein klares Bekenntnis zu den Feiertagen.“

MdL Julian Preidl (FW) schloss sich dem an. Wie er sagte, müsse die Politik die Ursachen für die schwache Wirtschaft bekämpfen. Dazu zählten unter anderem die Bürokratieflut, dass Mittelständler sehr viel mehr Steuern zahlen müssten als große Unternehmen, oder die langen Genehmigungszeiten für Bauvorhaben. „Das sind unsere Aufgaben, die wir zu lösen haben, aber nicht, dass die Abschaffung dieses einen Feiertages die Wirtschaft rettet. Ich werde mich dafür einsetzen, dass der Feiertag bleibt.“