„Krautschau“ im Kreis Schwandorf: Stadtwildnis mit Kreide sichtbar machen

Von Mittelbayerische Zeitung · 12. Mai 2025 um 11:00

Zur bundesweiten „Krautschau“ vom 16. bis 25. Mai sind auch die Schwandorfer eingeladen, Wildpflanzen in Pflasterfugen und Mauerritzen zu entdecken, zu bestimmen und ihre Namen mit Kreide direkt auf den Boden zu schreiben. Die Aktion wurde von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ins Leben gerufen und wird in Bayern vom Bund Naturschutz (BN) unterstützt.

Ursprünglich geht die Idee nach einer Mitteilung des BN-Kreisverbands Schwandorf auf den französischen Botaniker Boris Presseq zurück. Seine Vision: Wildpflanzen, die in Pflasterfugen, Mauerritzen und Gehwegen wachsen, bestimmen und mit Kreide beschriften. Diese ganz besondere Form der Straßengraffiti verbreitete sich unter dem Hashtag #MoreThanWeeds in ganz Europa und wird in Deutschland als #Krautschau begeistert weitergeführt.

Leben in den kleinsten Mauerritzen

„Die #Krautschau macht sichtbar, was sonst übersehen wird: Dass selbst die kleinsten Ritzen zwischen Pflastersteinen Lebensräume sind,“ sagt Oskar Deichner, Biologe bei der Kreisgruppe Schwandorf des Bund Naturschutz. Mitmachen ist ganz einfach. Alles, was man braucht, sind offene Augen, ein Bestimmungsbuch oder eine kostenlose Bestimmungs-App wie Flora Incognita oder ObsIdentify – und ein Stück Kreide. Wer eine Pflanze in der Stadt entdeckt, bestimmt ihren Namen und schreibt ihn direkt auf den Gehweg. So werden auch andere auf die kleinen Überlebenskünstler aufmerksam. Wer möchte, kann seine Entdeckung fotografieren und anschließend mit dem Hashtag #Krautschau in den sozialen Medien teilen.

Warum das wichtig ist: Wildpflanzen, die in Ritzen und Fugen wachsen, sind nach Angaben des BN keine lästigen Unkräuter. Sie nehmen Regenwasser auf, binden Staub und schaffen winzige Lebensräume für Insekten, Spinnen oder Käfer, die wiederum Nahrung für Vögel und Igel bieten. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt in den Städten und helfen, den Folgen den Klimawandels entgegenzuwirken.

Aus Unkraut wird etwas Wertvolles

„Wenn Menschen den Namen einer Pflanze auf dem Gehweg lesen, beginnt oft ein Umdenken – aus Unkraut wird plötzlich etwas Wertvolles“, erklärt Peter Pracht, stellvertretender Vorsitzender der BN Kreisgruppe, der sich seit Jahren für Stadtnatur einsetzt.

Die #Krautschau endet jedoch nicht nach einer Woche. Jeder Tag im Jahr kann dem Bund Naturschutz zufolge ein Krautschau-Tag sein. Immer dann, wenn Pflanzen mutig durch den Asphalt drängen und zeigen, wie lebendig unsere Städte sein können. „Wir wollen zeigen, dass Artenvielfalt nicht nur in Naturschutzgebieten, sondern auch mitten in der Stadt beginnt“, so Peter Pracht zum Ziel der Aktion.