Trainer Andreas Patz verabschiedet sich überraschend vorzeitig vom SSV Jahn: Die Gründe für das Theater

Von Lukas Götz, Felix Kronawitter · 8. Mai 2025 um 16:24

Am Samstagabend, als der Abstieg des Fußball-Zweitligisten SSV Jahn Regensburg nach dem 1:1-Remis gegen den 1. FC Köln auch rechnerisch sicher war, hatten sowohl Sportchef Achim Beierlorzer als auch Trainer Andreas Patz angekündigt, in dieser Woche über die Zukunft sprechen zu wollen. Das Ergebnis, dass sich nach dem 34. Spieltag die Wege trennen, kommt nicht überraschend daher. Der Umstand, dass der 41-Jährige aber freiwillig vorzeitig seinen Hut nimmt, dafür umso mehr. Die Mittelbayerische kennt die Gründe für das Regensburger Kasperltheater.

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„Im Nachgang an das Auswärtsspiel in Köln habe ich mich wie angekündigt mit Andi Patz intensiv und kritisch, aber stets offen und ehrlich ausgetauscht. Als Ergebnis dieser Gespräche und auch einer umfangreichen und kritischen Saisonanalyse haben wir die gemeinsame Entscheidung getroffen, getrennte Wege zu gehen“, wird Beierlorzer in der am Donnerstagvormittag verschickten Pressemitteilung des Klubs zitiert. „Wir möchten in der 3. Liga einen Neuanfang und wollen deswegen die anstehenden Herausforderungen mit neuen Impulsen und einem neuen Profil im Trainerteam starten“, begründet der Sportchef die Entscheidung. Patz habe daraufhin „aus persönlichen Gründen“ gebeten, das Engagement sofort zu beenden. Oha!

Hinhalte-Taktik als Grund für den Abschied

Informationen der Mittelbayerischen zufolge hatten die Gremien des Noch-Zweitligisten aus Regensburg schon eine klare Meinung bezüglich der Personalie Patz: Der Daumen ging klar nach unten. Ob er davon selbst aus der Zeitung erfahren hat? Möglich! Wie gut unterrichtete Quellen der Mittelbayerischen berichten, soll es Patz sauer aufgestoßen sein, dass man ihn mit Blick auf seine Zukunft im Unklaren ließ. Er fühlte sich zu lange hingehalten von Beierlorzer, der ihm zuvor durchaus Hoffnungen auf eine Weiterbeschäftigung gemacht haben soll.

Wir möchten in der 3. Liga einen Neuanfang.

Achim Beierlorzer, Sportchef des Jahn

Wenn Beierlorzer in den vergangenen Monaten über Patz sprach, dann fand er viel Lob – trotz der sportlichen Misere. Das war nicht die schützende Hand, die viele Sportchefs über ihre Coaches halten, sondern seine ehrliche Meinung über den 41-Jährigen, auf den er große Stücke hält. Und so soll Beierlorzer durchaus damit geliebäugelt haben, Patz über die Saison zu halten. Wie der MZ zugetragen worden ist, soll der Sportchef dem Coach bereits ein loses Angebot unterbreitet haben, auf einem Schmierzettel, versehen allerdings mit dem Hinweis, dass das noch kein offizielles Angebot sei. Beierlorzer dürfte aber gewusst haben, dass ihm bezüglich der Personalie Patz der Rückhalt in den Gremien fehlt. Dass sich die Wege nun vorzeitig trennen, das lässt keine der beiden Seiten gut dastehen. Eine saubere Trennung nach der Partie gegen Darmstadt war aber offenbar in der Gemengelage nicht mehr möglich.

Lesen Sie hier: Kommentar zum Aus von Jahn-Trainer Andreas Patz: Regensburger Kasperltheater

„Wir haben leider in den vergangenen Monaten nicht die gewünschten Ergebnisse erzielt, um das Ziel Klassenerhalt in der 2. Liga zu packen. Das schmerzt persönlich sehr. Als Cheftrainer trage ich eine große Verantwortung für die Entwicklung und deswegen ist es meiner Meinung nach eine konsequente und gemeinsam gefällte Entscheidung“, wird Patz in der Mitteilung des Jahn mit diplomatischen Worten zitiert. Der 41-Jährige, der beim Jahn zuvor als Co-Trainer fungierte, hatte den SSV Ende Oktober 2024 nach dem zehnten Spieltag auf dem letzten Tabellenplatz von Aufstiegstrainer Joe Enochs übernommen. Nach ordentlichem Start konnte er aber auch keine Wende herbeiführen. Der Jahn verließ auch unter Patz den 18. Tabellenplatz nicht mehr und steht seit dem vergangenen Wochenende als Absteiger in die dritte Liga fest.

Co-Trainer Raychouni rückt vor

„Dennoch bin ich auch stolz auf positive Entwicklungen wie zum Beispiel die feste Integration einiger Nachwuchstalente. Ich möchte mich über diesen Weg bei meinem Trainerteam, meinen Spielern, dem gesamten Verein und den Fans für die vergangenen beiden Jahre bedanken. Ich wünsche dem SSV Jahn viel Erfolg in den kommenden Jahren“, erklärt der scheidende Coach der Regensburger in der Pressemitteilung.

In den nächsten beiden Spielen am Sonntag daheim gegen Karlsruhe (13.30 Uhr) und eine Woche später am letzten Spieltag in Darmstadt wird der bisherige Co-Trainer Munier Raychouni als Interimstrainer fungieren. Für ihn wird das Heimspiel gegen den KSC nicht der erste Einsatz in verantwortlicher Position sein. Das Duell gegen den Hamburger SV Mitte Februar hat Raychouni, der erst Ende November zum Trainerteam des Jahn gestoßen war, in bester Erinnerung. Beim 1:1 waren die Regensburger gegen den aktuellen Tabellenführer nur knapp an einem Sieg vorbeigeschrammt.