Burgmuseum in Parsberg: Familienforscher erklärt, worauf es bei Genealogie ankommt

Von Markus Rath · 6. Mai 2025 um 17:00

Seinen eigenen Wurzeln auf den Grund gehen liegt im Trend. „Doch Familienforschung will gelernt sein“, sagt der Genealoge Georg Paulus. Der gebürtige Paintner kommt am Donnerstag zu einem Vortrag ins Parsberg Burgmuseum. Er verrät, wie man sich am besten auf die Spur seiner Urahnen macht.

Herr Paulus, Sie sagen selbst, „Familienforschung ist eine Lebensaufgabe.“ Warum ist das so?

Georg Paulus: Es ist ein ewiges Werk, weil es eigentlich immer wieder was zu finden und zu entdecken gibt.

Also sollte ich früh beginnen.

Paulus: Aber man sollte sich deswegen nicht der Illusion hingeben, dass man früh fertig ist. Der Vorteil ist, dass die Groß- oder Urgroßeltern noch leben, und man sie interviewen kann. Bei der Familienforschung geht es nicht nur darum seine Ahnen herauszufinden. Man erforscht schließlich auch die Lebensumstände und vieles mehr.

Ariernachweis dient oft als Informationsquelle

Was ist dabei der erste Schritt? Wo fange ich, abgesehen von meinen lebenden Verwandten, an?

Paulus: Bei den Familienunterlagen, die vorhanden sind. Das heißt: Sterbebilder, Familienstammbücher – alles, was es in der Familie an Aufzeichnungen und Dokumenten gibt. Und wer das zweifelhafte Glück hat, dass er im Dritten Reich einen Vorfahren hatte, der Beamter war, der besitzt für diesen einen Ariernachweis der bis etwas 1800 zurückreicht. Das ist der Ausgangspunkt. Im Prinzip gilt: Für alles, was vor 1876 war, muss man in die Archive von Gemeinden und Kirchengemeinden.

Das klingt sehr mühsam.

Paulus: Inzwischen ist es dank der Digitalisierung gar nicht mehr so schwierig. Vieles findet man online. Die Kirchenbücher der Bistümer Regensburg und Eichstätt können zum Beispiel über die Online-Plattform Matricula kostenlos durchsucht werden. Die evangelischen Daten findet man bei Archion, dort allerdings gegen Gebühr.

Was bringen MyHeritage oder Ancestry

Das Internet ist ein gutes Stichwort. Was halten Sie von kommerziellen Anbietern wie zum Beispiel MyHeritage oder Ancestry?

Paulus: Das sind inzwischen milliardenschwere Privatunternehmen. Sie bieten Dienstleistungen an, auch für Archive und Bibliotheken. Sie digitalisieren zum Beispiel Archivbestände auf ihre Kosten – unter der Auflage oder Bedingung, dass sie diese dann vermarkten dürfen. Ein Beispiel sind die bayerischen Kriegsstammrollen aus dem Ersten Weltkrieg. Die haben sie verfilmt und dann editiert. Allerdings sind die Auswertungen mit Vorsicht zu genießen. Ich habe da schon die abstrusesten Dinge gelesen – da habe ich eine ganze Sammlung, die zur Belustigung geeignet ist.

Sie machen mich neugierig, haben Sie ein Beispiel?

Paulus: Großonkel Josef Zeitler erscheint bei Ancestry als „Sarah Imitler“. Und zu Josef Pschierl aus Rothenbügl, Landgericht Parsberg findet sich als Ortsbezeichnung „Rodfaubüzal, Landgericht Rurlburg“. Diese Fehler passieren, wenn aus Kostengründen Personen transkribieren, die überhaupt nicht deutsch sprechen und keinen Bezug zur Materie haben.

Diese Unternehmen bieten sogar an, die eigene DNA zu analysieren. Macht das Sinn?

Paulus: Man kann damit in der Regel keinen Stammbaum aufbauen oder eine Ahnentafel – das ist ja das, was der Genealoge normalerweise macht. Man kann nur punktuell die Verwandtschaft mit bestimmten anderen Personen nachweisen. Zudem muss jedem klar sein, dass seine DNA in einer Datenbank landet, die das Unternehmen vermarktet. Für mich sind deshalb die wichtigsten Quellen zum Einstieg die Kirchenbücher.

Wichtige Kompetenzen für die Ahnenforschung

Was sind die wichtigsten Kompetenzen, die man erlernen muss, um sie zu erforschen?

Paulus: Lesen. Nachdem man seine Sterbebilder abgeschrieben hat, muss man irgendwann einmal anfangen, alte deutsche Schrift zu lesen. Die Schreibmaschine gibt es seit dem Ersten Weltkrieg – davor war alles handschriftlich, und zwar nicht das, was immer Sütterlin genannt wird. Es war die deutsche Schrift, die deutsche Kurrent. Und die hat sich im Laufe der Jahrhunderte gewandelt. Und jeder Schreiber hat eine eigene Handschrift, wie sie so schön heißt. Das zu lesen, beherrschen die meisten heute nicht mehr.

Brauche ich Unterstützung, um das zu lernen, oder kann ich mir das selbst beibringen?

Paulus: Dafür gibt es nur eine Methode: üben, üben, üben. Aber es ist in jedem Fall zu empfehlen, einen Kurs zu machen, weil man die Besonderheiten sonst nicht lernt. Damals wurden sehr viele Abkürzungszeichen verwendet. Die kann man nicht erkennen – die muss man wissen. Das gilt auch für Zahlen, Ziffern und die Datumsschreibweisen. Da hat man sehr viele falsche Freunde, wenn man das selber lernt.

Moderne Software hilft bei der Familienforschung

Was brauche ich noch?

Paulus: Neben der Schriftkunde ist ein bisschen Latein gefragt. Aber keine Angst – die Pfarrer haben das auch nicht gescheit gekonnt und oft nur Textbausteine verwendet. Und das Latein hat den Vorteil, dass es in lateinischer und nicht in deutscher Schrift geschrieben ist. Also: kein Nachteil ohne Vorteil.

Ich muss also Lesen lernen, dazu brauche ich Sprachkenntnisse – wie sieht es mit der Technik aus?

Paulus: Ich habe noch viele Genealogen gekannt, die haben Sachen im Kopf gehabt, wo man sich heute fragt: Wie haben die sich das merken können? Und das ist so: Wir haben uns an den Computer gewöhnt – so wie sich der Sehende an das Sehen gewöhnt hat und die Fähigkeiten des Blinden nicht mehr hat. Man sollte einen Computer haben, und man sollte sich ein entsprechendes Genealogie-Programm zulegen.

Wobei die Auswahl schon die erste Hürde ist, weil es so viele Programme gibt.

Paulus: Rund ein Dutzend, wenn man sich an den Marktführern orientiert. Die kosten so zwischen 30 und 100 Euro.

Welches nutzen Sie?

Paulus: Ich nutze mehrere, weil es die eierlegende Wollmilchsau nicht gibt. Eines zur Erfassung der Daten, eines für statistische Auswertungen und wieder ein anderes für grafische Auswertungen. Aber ich will jetzt keine Reklame machen für einzelne Programme, weil die anderen auch gut sind.

Gut zu wissen

Zur Person: Der Familien- und Heimatforscher Georg Paulus ist 1954 geboren und in Painten (Altlandkreis Parsberg) aufgewachsen. Heute lebt er in Hohenwart (Landkreis Pfaffenhofen/Ilm). Paulus hat seit zahlreiche Publikationen zur Familien- und Regionalgeschichte des historischen Tangrintel verfasst und ist Beirat im Vorstand des Bayerischen Landesvereins für Familienkunde (BLF) und der Gesellschaft für Familienforschung in der Oberpfalz (GFO).

Vortrag: Am Donnerstag, 8. Mai um 18.30 Uhr gibt Paulus im Burgsaal in Parsberg eine Einführung in die Familienforschung. Die Veranstaltung dauert etwa zwei Stunden. Der Eintrittspreis beträgt drei Euro.

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Georg Paulus spricht in Parsberg. Foto: Ruth Paulus