„KI und Daten sind die neue Sonne für die Wirtschaft“

Cham. „Künstliche Intelligenz (KI) ist wahrscheinlich das Wichtigste, woran die Menschheit je gearbeitet hat, tiefgreifender als Elektrizität oder Feuer.“ Diesen Ausspruch von Sundar Pichai, CEO bei Google, stellte Jungunternehmer Andreas Geiling aus Cham an den Beginn seines Vortrags bei einem Zukunftstag der Kreiswerke am Dienstagabend im Hotel am Regenbogen.
Sachgebietsleiter Matthias Wiedemann begrüßte über 80 Zuhörer und Referenten zum übergreifenden Thema „Smart, effizient, nachhaltig – Technologietrends aus der Region“. Im Rahmen der Energiewende wächst die Herausforderung im Umgang mit Energiedaten. Es gilt, diese Daten intelligent zu nutzen und zu erfahren, wohin der Trend geht, was möglich ist und welche Werkzeuge (Tools) es gibt. Junge Unternehmer, fast alle aus der Region, zeigten auf, wie sie eigene Projekte im Bereich KI und Energiemarkt realisieren.
Was KI kann – und was nicht
Zum Thema „Zukunftssicherung durch KI: Warum kein Unternehmen in Cham auf KI verzichten sollte!“ erläuterte Andreas Geiling, wie sie die Effizienz steigern können. Momentan sei eine Zeit exponentiellen Wachstums mit gefühlt nahezu täglich bahnbrechenden Technologien. KI-Agenten, also Software mit Eigenleben, nutzten unterschiedliche Tools, um komplexe Aufgaben selbstständig in kleine Schritte zu zerlegen, jede Aktion zu bewerten, aus Feedback zu lernen, ihre Strategien kontinuierlich anzupassen (Workflow) und so unterschiedlichste Themen analysieren zu können. Beim Einsatz von KI gehe es immer um Zeit, die eingespart werde. Aufgaben, die einmalig oder regelmäßig nicht wichtig sind, könnten an intelligente Systeme abgegeben werden. Solche, die sehr wichtig sind und einmalig eintreten, werde uns die KI nicht abnehmen. Sehr wichtige und regelmäßig wiederkehrende Aufgaben würden der Zusammenarbeit zwischen KI und Mensch bedürfen. Der KI müsse menschliche Intelligenz entgegenstehen, die das Ganze steuere und ihm einen Rahmen gebe.
Geilings Kollege Peter Bayer ist Gründer der „UnendlichHochDrei“. Diese KI-Schmiede hat den Fokus auf datengetriebener Automatisierung und Prozessintelligenz. Mit einer KI-gesteuerten Schnellanalyse wolle er Mittelstandsfirmen helfen, besser, schneller und unabhängiger zu werden. In seinem amüsanten Referat „Vom Datenchaos zu Klarheit in Sekunden“ demonstrierte er, wie durch den CX-Tracker Vertriebsstrategien optimiert und Erfolge gesteigert werden können. Mit ihm ließen sich für jedes Unternehmen auf Knopfdruck Einsichten wie dessen Profil, finanzielle Daten, das Management, die Firmenstruktur, Presseeinträge und eine SWOT-Analyse (Stärken und Schwächen, Möglichkeiten und Risiken) erstellen. Bayer ist überzeugt: „KI und Daten sind die neue Sonne für die Wirtschaft.“ Christoph Jobst, der mit Maximilian Stöckl in Roding 2021 die „Jostec Systems“ gründete, stellte mit „Voltrader“ ein intelligentes Energiemanagementsystem (EMS) vor. Dieses sei kompatibel mit einer Vielzahl von Geräten und Systemen, lasse Photovoltaik-Anlagen, Batteriespeicher, Wallboxen und Wärmepumpen miteinander kommunizieren und verteile die Energie im Haus intelligent. Es analysiere Verbrauchsdaten, prognostiziere Preisschwankungen und steuere Haushaltsgeräte so, dass sie möglichst günstig mit Energie versorgt würden. Mittels App könne eine Preisgrenze angegeben werden, ab der gekauft werden soll.
Julian Marchl, der im November 2023 in Roding die „Marchl Metering“ gründete, sprach zum Thema „Smart Meter Gateway – Garant und Problemkind der deutschen Stromnetzsicherheit“. Darin zeigte er auf, warum intelligente Stromzähler (Smart Meter) unverzichtbar für die Energiewende sind.
Sicherheit für Smart-Meter
Um Stromnetze nicht noch mehr zu belasten und Blackouts vorzubeugen, werde es immer wichtiger, Strom möglichst dann zu verbrauchen, wenn er von Wind- und Sonnenkraftwerken in Echtzeit zur Verfügung stehe. Viele europäische Länder würden dies bereits flächendeckend mit einfachen Smart-Meter-Lösungen erreichen, bei denen der Stromzähler das Internet-Modem direkt integriert hat. Doch dabei spiele Cybersicherheit kaum eine Rolle. Deutschland habe sich mit dem Smart Meter-Gateway für einen sicheren, aber komplexen und teuren Weg entschieden, weswegen die Markteinführung nie in Fahrt gekommen sei. Bei Marchls Lösung lassen sich Hunderte Zähler sicher und kostengünstig drahtlos an ein zentrales Gateway anbinden – ähnlich dem Router zuhause. Der Smart Meter schickt per Funk den Zählerstand weiter an die Empfangsstation des Netzbetreibers (Data Concentrator). So könne der Rollout schnell, wirtschaftlich und sicher in die Fläche gebracht werden. Die Praxistauglichkeit werde gerade in einem großen Feldtest nachgewiesen.