Emotionaler Abend in Köln: Regensburger kämpfen, punkten – und sind doch sicher abgestiegen

Nach dem 1:1 (0:0) gegen den 1. FC Köln machte sich in den Reihen des SSV Jahn Regensburg am Samstagabend ein seltsames Gefühl breit. Da war die große Enttäuschung über den nun offiziellen Abstieg, der mit Blick auf die jüngsten Wochen sicher nicht überraschend kam. Da war aber auch jede Menge Freude und Stolz darüber, sich in Köln einen Punkt erkämpft zu haben.
Auf einmal huschte Jahn-Stürmer Noah Ganaus dann doch ein Lächeln übers Gesicht: „Es war schon ein geiles Gefühl“, sagte der 24-Jährige über den Moment, als er doch etwas überraschend die Kölner 1:0-Führung durch Tim Lemperle (59. Minute) ausglich und ein ganzes Stadion in kollektive Konsternierung versetzte. „Es freut mich sehr für die Mannschaft und auch für mich persönlich“, so Ganaus weiter.
Fan-Kalkulation ging voll auf
In Köln gelang dem Jahn etwas, was über die Saison Mangelware war: ein Auswärtspunkt, und das sogar nach Rückstand. „Es war wahrscheinlich unser bestes Auswärtsspiel der Saison“, urteilte daher auch Keeper Julian Pollersbeck, der auch keinen Hehl daraus macht, dass die Regensburger sehr genau wussten, wie die Kölner Fans das Spiel beeinflussen könnten. Und: Nach gut einer halben Stunde hallten tatsächlich erstmals Pfiffe der unzufriedenen „Effzeh“-Fans durch das Rhein-Energie-Stadion, Tendenz in Richtung Halbzeit und Spielende lauter werdend: „Das war unser Ziel, dass wir das Stadion hier gegen sie zum Kochen bringen, und das haben wir schnell geschafft“, so ein zufriedener Pollersbeck, der dennoch mit Blick auf die 49 500 Zuschauer von „Champions-Legaue-Stimmung“ sprach. „Für solche Spiele wirst du Profi“, sagte der Keeper. Der Jahn hat die Plattform „Topspiel“ genutzt, hätte mit einem Handelfmeter in Halbzeit eins, den Schiedsrichter Nicolas Winter aufgrund einer Abseitsstellung nicht gab, vielleicht sogar mehr holen können – und doch ist da noch dieses andere Gefühl.
„Das Ergebnis tut uns gut und wir freuen uns auch, aber das weinende Auge überwiegt.
Jahn-Coach Andreas Patz nach dem Köln-Spiel
„Das Ergebnis tut uns gut und wir freuen uns auch, aber das weinende Auge überwiegt“, fasste Jahn-Coach Andreas Patz mit versteinerter Mine die paradoxe Gefühlslage zusammen. Der sonst so positive Coach wirkte schwer angeschlagen von der Tatsache, die seit Freitagabend klar und seit Samstag auch offiziell ist: Der Jahn steigt in die dritte Liga ab.
Schwere Stunden am Freitagabend
Die Mannschaft hat das überraschende 5:0 von Preußen Münster am Freitag beim 1. FC Magdeburg gemeinsam im Teamhotel verfolgt. „Danach ist jeder in Richtung Zimmer getrottet. Wir haben am Morgen dann versucht , die Jungs aufzumuntern und aufzufangen“, so Patz über die 24 Stunden vor dem Spiel in Köln. „Wenn man ehrlich ist, sind wir nicht heute und auch nicht vergangene Woche abgestiegen“, sagte Kapitän Florian Ballas am Samstagabend. „Wir haben die ganze Saison auswärts nicht so performt, wie wir können. Und dann muss man sagen, dass der Abstieg auch verdient ist.“
Wenn der ein oder andere Spieler auswärts nicht seine Topform hatte, reicht das in der Gesamtheit einfach nicht von der Qualität, die wir dann auf den Platz bringen
Jahn-Coach Andreas Patz zu den Gründen für den Abstieg
Sein Trainer sah ebenso in der großen Diskrepanz zwischen Heim- und Auswärtsspielen die große Krux der Saison. „Zwei Punkte auswärts sind einfach zu wenig“, so Patz, der aber einmal mehr betont, dass das letztlich auch eine Frage der Qualität sei: „Wenn der ein oder andere Spieler auswärts nicht seine Topform hatte, reicht das in der Gesamtheit einfach nicht von der Qualität, die wir dann auf den Platz bringen. Wir brauchen alle bei hundert Prozent und den ein oder anderen auch mal drüber.“
Will Patz weitermachen?
Genau wie seine Spieler wollte auch er noch nicht direkt über seine persönliche Zukunft nach dem Abstieg sprechen. „Da habe ich mir noch keine Gedanken gemacht, möchte ich auch noch gar nicht“, so Patz auf die Frage, ob er Lust hätte, in der dritten Liga an Bord zu bleiben. „Wir werden uns aber mit Sicherheit in den nächsten Tagen zusammensetzen und besprechen, wie es weitergeht.“