Wie aus Trauer ein Anlass zur Freude wird

Von Martina Hutzler · 28. April 2025 um 21:30

Kelheim. Tod und Trauer als Anlass zum Feiern? Passt – wenn es zu feiern gilt, dass Sterbende und Angehörige gut begleitet sind am Lebensende. Darum bemüht sich seit 30 Jahren der Hospizverein im Landkreis Kelheim. Sein Jubiläum feierte er nun mit sprichwörtlich einem lachenden und einem weinenden Auge.

Die Medizin vermag immer mehr, aber immer mehr ist das Sterben in den vergangenen Jahrzehnten verdrängt worden: ins stille Kämmerchen im Krankenhaus oder Altenheim zum Beispiel. Solch einsames Sterben zu verhindern, war die Motivation der Hospizbewegung. Die kam im Landkreis Kelheim schon früh an (siehe Info) und ist längst etabliert, bei Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen und im privaten Umfeld.

Die Weitsicht der bisherigen Vorstandschaften und aller Aktiven spiegelt sich wider im stetig wachsenden Unterstützungsangebot des Hospizvereins. Es wird, abgesehen von den beiden Koordinatorinnen Margret Neumann und Annette Bauer, rein ehrenamtlich erbracht, und die Nutzung ist kostenfrei.

Das wurde immer wieder hervorgehoben bei der Feier zum 30-jährigen Bestehen im Begegnungszentrum der Kelheimer Stadtpfarrei, dem Auftakt des Jubiläumsjahrs mit seinen zahlreichen Veranstaltungen (siehe eigenen Text). An dem musikalisch von den „Mallersdorfer Saitenspringern“ gestalteten Abend gewährten mehrere Engagierte interessante – anonymisierte – Einblicke, die so manche der geladenen Gäste zu Tränen rührten.

Schwerpunkt ist und bleibt die Begleitung von Menschen in ihrer letzter Lebensphase und im Sterben – nicht als aktive Sterbehilfe, sondern als Beistand am Lebensende. Nicht immer einfach: Renate Michel stand einer Seniorin, nach einem Jahr der Begleitung, auch in ihren letzten Stunden bei, einem schweren Todeskampf. Seither weiß die Riedenburgerin umso mehr vom Wert der Nähe: „Ich habe dann meine Hände zu einer Art Schale geformt und unter ihren Kopf gelegt. Danach ist sie friedlich eingeschlafen.“

Mal Tratsch, mal Tiefgang

Das Begleiten schenkt Ehrenamtlern, Klienten und Angehörigen aber auch schöne Stunden, versicherte Christine Bögl, die sich zum Beispiel das Vertrauen eines anfangs reservierten Seniors („Mei, was red’mer na etz??“) erst langsam erarbeiten musste. Der aber dann mit ihr das Plauschen bei einer Tasse Kaffee genoss, und ihr dabei Altenheim-Tratsch, Frust und seine Lebensbilanz anvertraute. Wohl wissend, dass alle Vereinsaktiven der Schweigepflicht unterliegen. Und dass die Ehrenamtlichen sozusagen als „unbeschriebenes Blatt“ in die Betreuungssituation gehen, wie Annette Bauer erklärte: unbelastet also von familiären Verstrickungen und Konflikten, die am Lebensende mitunter erst aufbrechen.

Solche Konflikte können auch für Angehörige entstehen, wenn sie wenig wissen über die Wünsche des Sterbenden zur medizinischen und Palliativ-Versorgung, aber auch zur späteren Beisetzung. Seit einigen Jahren hat sich der Verein deshalb die Werbung für und Beratung bei Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht auf die Fahnen geschrieben.

Viele Menschen koste es Überwindung, sich mit dem eigenen Tod auseinanderzusetzen, weiß Margit Frenzl, die Beratungsgespräche anbietet. Nach so einem Gespräch „sind die Leute hinterher oft richtig erleichtert“.

Öffentlichkeitsarbeit betreibt der Hospizverein auch, um das Thema Tod zu enttabuisieren. Ein Beispiel sind die vierstündigen „Letzte-Hilfe“-Kurse. Schulen, Vereine, Gruppen können sie buchen, um sich mit Basiswissen zu wappnen dafür, dass früher oder später ja doch jeder einmal mit dem Tod eines Nahestehenden konfrontiert wird.

Hilfe in der Trauerphase

Aus der Sterbebegleitung entstand im Verein die Idee, Hinterbliebene weiter zu unterstützen. „Denn oft erwartet das Umfeld, dass die Trauer doch bitte bald wieder vorbei sein sollte. Aber auch ein Jahr später wird nicht unbedingt alles einfacher“, weiß Edith Brodbeck aus bitterer Erfahrung: Sie hat ihren 20-jährigen Sohn bei einem Unfall verloren. Auch aus Dankbarkeit für die Hilfe, die sie damals unter anderem vom Kriseninterventionsdienst „Mona“ erfuhr, engagiert sie sich nun beim Hospizverein und bietet für Trauernde Einzelbegleitung und Gesprächskreise an. Dass der Verein und „Mona“ bei Bedarf Hand in Hand arbeiten, sei eine Kelheimer Besonderheit, merkte Gründungsmitglied Annette Anzinger-Baur nicht ohne Stolz an.

Mit seinem Engagement setze der Hospizverein seinen Namen – das lateinische Wort für Gastfreundschaft – in die Tat um, dankte Kelheims Landrat Martin Neumeyer: „Sie steuern seit 30 Jahren zu der Medizin die Menschlichkeit bei!“ Dieser Dienst für Andere bringe den Ehrenamtlern selbst „ganz tiefen Lebenssinn“, versicherte Vorsitzender Rolf Lefeber: „Deswegen gehen wir auch nicht traurig aus unserer Arbeit heraus, sondern gestärkt!“