Im Essinger Memu treffen sich 15 Künstler zu einer außergewöhnlichen Ausstellung

Kurator Harry Meyer und Bürgermeister Jörg Nowy (FW) haben es mit ihrer dritten Ausstellung im memu – dem einstigen Pfarrhof von Essing – wieder einmal geschafft, genau diese wesentlichen Merkmale von Kunst in rund hundert Werken von 14 Künstlerinnen und Künstlern aus ganz Deutschland sowie einem österreichischen Gastkünstler zusammenzutragen.
„Essings Tierleben“ ist das verbindende Thema der diesjährigen Präsentation, die an diesem Samstag um 13 Uhr startet und bis zum 2. November im Obergeschoss des memu zu sehen ist. Nachdem eine steinzeitliche Mammutritzung auf Elfenbein in der Klausenhöhle bei Essing gefunden wurde und auch ein Reiher das Gemeindewappen ziert, lag für den Kurator und den Bürgermeister das Thema nahe.
Mit dem Blick des Künstlers
„Aber hier werden Tiere nicht nur wie in dokumentarischen Filmen betrachtet, sondern durch den Blick des Künstlers. Somit weg vom Naturalismus, hin auch zu abstrakten Sichtweisen“, weist Meyer auf den erweiterten Blickwinkel hin. Dass diese Thematik auch andere Aussteller in Deutschland heuer aufgegriffen haben, wusste der Kurator zuvor nicht. „Es ist sicherlich ein Thema, das aktuell diskussionswürdig zu sein scheint“, freut sich der künstlerische Leiter dieser memu-Schau. Wie vielfältig und auch einzigartig die Objekte in den nach Themen gestalteten einzelnen Räumen sind, zeigt schon der erste Blick in den großen Eingangsraum. Er wird dominiert von den Plastiken der Künstlerin Stefanie Ehrenfried aus Schwäbisch Hall. Ihr Material ist Filz, dem sie eine faszinierende Lebendigkeit und Ausdrucksstärke verleiht. „Mit der Technik aus den üblichen Filzkursen hat das nichts zu tun“, gibt sie vorab die Antwort auf die sicherlich schon hundertfach gestellte Frage. Die lebensgroß geformten Figuren und Köpfe bestehen komplett aus verfilzter Wolle, die unter ihren Händen und mit feiner Nadeltechnik sowohl verblüffend lebendige, emotionale Gesichtszüge als auch eine animalische Doppelköpfigkeit erhalten. „Manchmal will das Tier in uns heraus – mit seiner ganzen Urkraft“, definiert sie ihre Triebfeder. Harter Stein ist das Material von Maria Rucker aus dem Ostallgäu, aus dem sie die Nüstern und Nasen von Tieren herausarbeitet. „Nasen sind interessante Formen, ich habe sie zu vieldeutigen Objekten stilisiert“, erläutert sie, während Mitarbeiter des Gemeindebauhofs die letzten Dübel dafür in die Wand setzen.
Klasse dank Vielfalt
Der Grund, warum sie mit ihren Objekten aus dem Allgäu nach Essing kommt, ist für sie klar: „Mich haben die Räume im ehemaligen Pfarrhof gereizt – und weil Kurator Harry Meyer sehr gute Ausstellungen macht“, unterstreicht sie. Diese besondere Klasse seiner Ausstellung liegt sicherlich auch in der Vielfalt an Materialien und Techniken. Während ein Künstler aus Berlin Alltagsmaterialien zu vielsagenden Collagen zusammenfügt, die bei einer ersten Betrachtung zwar roh wirken, im Detail aber viele Anstöße geben, überraschen nur zwei Räume weiter die mit unsäglicher Geduld und Präzision gefertigten Papierbilder von Zipora Rafaelov. Sie hat mit einem Skalpell Motive wie aus dem Garten Eden in filigraner Linienführung geschnitten. Die Federn eines Reihers oder die Mähnenhaare eines Löwen erheben sich daraus hinter einer Glasabdeckung wie in einem Relief und verblüffen durch diesen dreidimensionalen Effekt. Essings Bürgermeister und Hausherr Jörg Nowy ist bereits während der Vorbereitungsarbeiten sichtlich stolz auf das erneut erreichte künstlerische Niveau. „Meyer hat das auf dem gleichen Niveau wie immer vorbereitet. Ich denke, dass die Ausstellung wieder ein Highlight wird – für alle Kunstinteressierten und für alle Tierliebhaber“, ist er überzeugt.

