Nach Vorfällen in Gablingen: Auch Häftlinge in der JVA Neuburg-Herrenwörth attackiert?

Seit Monaten gibt es schwere Vorwürfe gegen Mitarbeiter der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Gablingen (Landkreis Augsburg). Die Rede ist von Folter und Gewalt gegen Häftlinge. Derzeit ermittelt die Augsburger Staatsanwaltschaft gegen 17 Bedienstete der Haftanstalt. Nun gibt es Berichte, wonach Beamte aus Gablingen auch Insassen der JVA in Neuburg-Herrenwörth verletzt haben sollen. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Wie der „Bayerische Rundfunk“ berichtet, soll sich das Ganze im Zuge einer Drogenrazzia am 23. Oktober vergangenen Jahres ereignet haben. An dem Einsatz sollen auch Beamte der sogenannten SIG beteiligt gewesen sein. Diese Sicherungsgruppe besteht aus speziell ausgebildeten Kräften, die vor allem dann zum Einsatz kommen, wenn eine „konflikthafte Situation“ zu erwarten ist.
JVA-Leiter wendet sich mit Verdacht ans Justizministerium
Nach der Razzia hatte sich der Leiter der JVA Herrenwörth an das Justizministerium gewendet mit dem Verdacht, dass bei dem Einsatz vier Häftlinge der Neuburger Einrichtung verletzt wurden. Die Beamten der SIG aus Gablingen kamen im Übrigen deshalb in Neuburg zum Einsatz, da der hiesige Jugendstrafvollzug nicht über eine solche Gruppe und auch nicht über Drogenspürhunde verfügt.
Unter den Anwesenden soll dem Bericht zufolge auch eine „Juristin“ gewesen sein. Der BR mutmaßt auf Grundlage der Beschreibungen der Neuburger Häftlinge, es könne sich um die damalige stellvertretende Leiterin der JVA Gablingen gehandelt haben. Ihre Rolle bei den mutmaßlichen Vorkommnissen in Neuburg sei Gegenstand staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen.
Das sagen zwei Häftlinge
Was genau an jenem Oktobertag in der JVA Herrenwörth passiert ist, wird also noch ermittelt. Der BR will nun aber Details erfahren haben und beruft sich in einem Bericht auf die Aussage zweier Häftlinge, welche gegenüber dem Sender von der Razzia berichtet haben. Demnach sollen etwa 20 Insassen in die Turnhalle der Neuburger Anstalt geführt worden sein.
Hinter einem der beiden berichtenden mutmaßlich Betroffenen habe ein Spürhund Männchen gemacht, woraufhin der Mann von einem SIG-Beamten in einen Nebenraum geführt worden sein soll. Dort soll er an der Kehle gepackt und am Boden fixiert worden sein. Der Beamte habe nach Rauschgift gesucht. Als der Gefangene verneinte, Drogen dabei zu haben, sei er zweimal ins Gesicht geschlagen worden.
Der zweite mutmaßlich angegriffene Insasse sagte dem Bericht zufolge, er sei von einem SIG-Beamten auf einen Stuhl und später mit dem Knie in die Rippen gedrückt worden. Zudem sei der Häftling vor der Zelle ebenfalls am Kehlkopf gepackt und hochgehoben worden.