Mit 70 steht für Robert Riedl die Familie wieder an erster Stelle

„70 ist das neue 50“, sagt Robert Riedl noch zwei Tage vor seinem Geburtstag am 16. April. Beim Gespräch einen Tag vor seinem Geburtstag sind seine Frau Waltraud, Kinder und Enkelkinder am Vormittag schon dabei, die Feier zu eben genau diesem 70. Geburtstag vorzubreiten. Eigentlich habe er ja gar nicht zu Hause sein wollen, sagt seine Frau: „Aber dann seh’ ich meine Kinder ja gar nicht“, sei ihm dann aufgefallen – und das gehe mal gar nicht.
19 Köpfe, sagen Waltraud und Robert Riedl nicht ohne Stolz, zähle die Familie mittlerweile: Vier Kinder mit Partnern und deren Kinder. Auch ein Grund, warum Robert Riedl erst vor zwölf Jahren mit einer politischen Karriere begonnen hatte, die kurz war und dabei vielleicht mehr zu bieten hatte als bei so manchem, der Jahrzehnte daran feilt.
„Familie, das ist eine große Aufgabe“, sagt Riedl, „die ist wichtiger als Politik.“ Für die habe er sich natürlich immer schon interessiert, aber eben erst spät als Beruf. Darum wäre es auch zu wenig, den Menschen Robert Riedl auf zwölf Jahre zu reduzieren, in denen er Stadtrat, Kreisrat und Landtagsabgeordneter geworden ist – und das für die Freien Wähler, obwohl er, wie er erzählt, zu Zeiten der Kanzlerschaft von Helmut Schmidt auch einmal Mitglied der SPD gewesen sei.
Gegen Matthäus gekickt
Den wesentlich größeren Teil seines Lebens hat aber nicht die Politik, sondern die Arbeit als Lehrer eingenommen. Ein Jahr als Volksschullehrer in Neutraubling, eines in Arrach, dann an der Sonderschule in Kötzting. So hieß die Schulart damals. Beendet hat er seine Lehrtätigkeit am Sonderpädagogischen Förderzentrum in Bad Kötzting. So richtig gemocht habe er eigentlich keinen der Namen, sagt Robert Riedl: „Ein Gymnasium ist auch eine ,Sonderschule‘, und ,fördern‘ muss man schließlich jedes Kind.“ Seine Grundhaltung sei ohnehin, dass „jeder Mensch gleich viel wert ist“, weshalb für ihn Rassismus auch „das Schlimmste“ sei. Liegt vielleicht auch daran, dass er auch heute noch größte Freude daran hat, neue Menschen kennenzulernen.
Darum wird es ihm auch nach der Zeit als Lehrer und als Landtagsabgeordneter a.D. nicht langweilig. Als BVB-Fan reist Robert Riedl schon einmal mit mehreren Enkeln zu einem Spiel, die eine oder andere Einladung als ehemaliger Abgeordneter nimmt er auch noch an, und als immer schon sportbegeisterter Mensch hat er sich gemeinsam mit seiner Frau Waltraud für die kommende Woche ein neues Ziel gesetzt: Die Platzreife im Golf. In jüngeren Jahren nahmen Tennis, Skifahren und vor allem der Fußball viel Raum ein. „1979 hab ich sogar zweimal gegen Lothar Matthäus gespielt, aber da war der erst 18 Jahre alt“, sagt Robert Riedl.
Arbeit, die man sieht
Fußball, das sei ein „Türöffner“ gewesen, als er im Alter von zehn Jahren nach Kötzting gekommen sei. Denn geboren wurde Robert Riedl am 16. April 1955 im Landkreis Deggendorf. Als sein Vater, der bei der Energieversorgung Ostbayern AG arbeitete, nach Kötzting versetzt wurde, zog die Familie nach. Der Sport half dem jungen Robert Riedl und seinen Brüdern, schnell in der neuen Stadt Fuß zu fassen.
Unpolitisch, das ist Robert Riedl auch im Ruhestand nicht, und auch die Schule kann er nicht ganz lassen. „Du bist nicht mehr an der Schule“, ruft seine Frau aus der Küche, wo mit Kindern und Enkeln der Geburtstag vorbereitet wird. Als Begleitung beim Skifahren mit den Schülern war Robert Riedl trotzdem erst mit dabei.
Lehrer und Politiker – das seien beides natürlich Berufe, bei denen am Ende des Tages das Ergebnis der Arbeit nicht gleich sichtbar sei, sagt Robert Riedl. „Das ist bei einem Mauerer zum Beispiel anders“, sagt er. Darum gehören Arbeiten rund um sein eigenes Wohnhaus und an denen der Kinder mit zu seinen liebsten Beschäftigungen, auch im Ruhestand. Eine Leidenschaft, die schon in jungen Jahren während Ferienarbeiten bei der Baufirma Heiduk begonnen habe.
Wohl kein Hobby, für das er an seinem Ehrentag Zeit finden wird. Denn auch wenn er noch nicht weiß, wer neben der Familie noch zum Geburtstag vorbeischaut, ist klar: Ganz unter sich wird die Familie nicht bleiben können.

