Wenn Planer in Cham ungeplant umziehen – dann weiß jedes Möbelstück, in welchem Zimmer es wohnt

Von Johannes Schiedermeier · 16. April 2025 um 05:00

Wann zieht man mit einem großen Planungsbüro am besten um. „Gar nicht!“, sagt Bernhard Preischl. „Oder vielleicht Weihnachten?“ Preischl muss es wissen. Gemeinsam mit seinem Partner Stefan Brandl und Sohn Simon steht er nämlich gerade in der Badstraße 4 und tut das, was eigentlich gar nicht geht: umziehen.

Im Schlepptau haben sie ihr komplettes Planungsbüro, das momentan noch in der Weinbergstraße 28 versucht, die Aktenlage durch Digitalisierung auf ein Minimum zu schreddern. – „Es hat schon Momente nah an der Verzweiflung gegeben“, gibt Preischl zu. Aber ein Planungsbüro, das seinen eigenen Umzug nicht planen kann…? „Können wir schon“, sagen die Chefs.

Die Herbergssuche

Trotzdem war es aus mehrerlei Hinsicht sportlich. „Wir haben jedes Möbelstück, alle Kartons und jedes einzelne Zimmer so nummeriert, dass klar ist, was wohin kommt“, sagt Brandl. „Das ist nicht das Problem.“

Das Problem ist schon eher, dass im Frühling bei allen Bauherren im Kopf die Pläne sprießen und das Büro Brandl&Preischl diese Pläne möglichst flott in den PC kriegen soll. Doch die Chefetage hat sich den Zeitpunkt des Umzugs nicht ausgesucht. Der Hausherr des bisherigen Domizils am Steinbruch hat damit andere Pläne. Und so begann man eine Herbergssuche in Cham...

Gesucht, nichts gefunden

„Wir haben nichts gefunden“, erzählt Preischl. Dann kam die Stadt in Person des Bürgermeisters um die Ecke und bot den Planern eine neue Heimat an, die es in sich hatte: Das Gebäude in der Badstraße 4. Direkt angebaut an das Freibad – und frisch abgebrannt. Preischl zeigt Bilder von der ersten Besichtigung, die eher der Erstbegehung einer frühsteinzeitlichen Höhle ähneln.

Das war so einer der Momente, in denen sich keiner mehr sicher war, ob die Idee tatsächlich gut enden würde. Es hatte dort, wo einst eine Sauna untergebracht war, nämlich gebrannt, und alle Räume waren verrußt. Das war 2021. Die Bilder entstanden 2023.

Jedes Möbelstück weiß, wo es hingehört

Auch mit der Nachbarschaft war das so eine Sache: Sie war deutlich zu hören. Gleich an die Büroräume grenzt nämlich das Wärmebecken des Freizeitbades an. Doch die Stadt hat nicht nur für Schallschutz gesorgt. Inzwischen strahlen die Räume in einem blendenden Weiß. Und wenn die Chefs auf den Raucherbalkon von Stefan Brandl im Obergeschoss treten, dann wirken sie recht zufrieden. Links Bade-Idylle, rechts ein angenehmer Blick auf die Stadt. Nicht die Ruhe und der Blick über das ganze Regental, wie vom Steinbruch aus, aber immerhin… Spätestens im September hätte man ohnehin mehr Platz gebraucht: Da kommen die beiden neuen Azubis. Insofern war der Umzug sowieso alternativlos.

Und jetzt, wo jedes Möbelstück weiß, wo es hingehört, hat das Planungsbüro schon einen Plan: Man hat beim Autohaus Zehder einen 1,5-Tonner gesehen und gekapert. Dazu kommen noch private Anhänger, und dann lautet die Devise: Selbst ist das Büro! 17 Mitarbeiter packen an, auch die Chefetage muss ran.

Kaum gebaut, schon bemalt

Wenn es Weihnachten schon nicht geklappt hat, dann halt wenigstens Ostern. Oder fast. Umziehen, wenn andere Urlaub machen, lautet die Devise. Dienstag in der Karwoche wird gepackt, Mittwoch kommt die EDV hinterher, und am Gründonnerstag muss alles laufen. Sagt Bernhard Preischl. Man tröstet sich damit, dass man dem Wahnsinn ohnehin nicht entkommen konnte: „Es gibt einfach keinen geeigneten Zeitpunkt für einen Umzug“, sagt er.

Und wenn die Chefetage so auf dem Balkon steht und hinter ihr die Boden-Baustelle tobt und die Putzfrau schon eingewiesen wird, dann denkt sie darüber nach, wie das alles noch ein paar Wochen vorher ausgesehen hat. Dann wird alles wieder ein bisserl leichter. Auch die Tatsache, dass das Büro E-Autos hat, aber die Wallboxen noch nicht da sind, weil an der Fassade noch gearbeitet wird. Oder, dass 14 Tage nach Fertigstellung der Firmengarage schon die ersten Schmierereien an den Wänden waren. Der Künstler hat nicht gesprüht, sondern , wie die Tropfspuren beweisen , Farbeimer und Pinsel benutzt.

Und wenn alles klappt...

„Wir haben Fenster mit Dreifachverglasung“, sagt Preischl. „Da hörst du nix!“ – Manchmal hilft es einfach, wenn man die positiven Seiten sieht. Und so haben die Kunden nun ein Schreiben bekommen. „Wir ziehen von 14. bis 17. April um und sind in dieser Zeit auch telefonisch nicht erreichbar…“

Und wenn alles klappt und das Planungsbüro tatsächlich einen Plan hatte, dann kommt am Mittwoch die EDV, am Sonntag und am Montag der Osterhase, und am Dienstag klingelt im neuen Nest das Telefon wieder. Viel Glück!