Regensburger Rock-Urgesteine von Tana Nile sind auch nach 46 Jahren noch frisch, kantig und laut

Mit 46 Jahren auf dem Buckel ist Tana Nile die Regensburger Rock-Band mit der längsten Geschichte in Originalbesetzung. Nach langer Pause legt das Trio jetzt ein neues Album vor. Bassist Jürgen Blochberger erklärt, was die Band für ihn und seine Kollegen bedeutet.
Wer macht denn heutzutage noch eine CD? Jürgen Blochberger ist auf diese unvermeidliche Frage gut vorbereitet. „Wir wollen einfach etwas in der Hand haben, etwas anlagen können. Wir brauchen diese Haptik, da sind wir altmodisch“, sagt der Bassist und Sänger von Tana Nile. Seit 46 Jahren gibt es diese Band mittlerweile, die drei Mitglieder sind 2025 dieselben wie 1979. Jetzt legen Blochberger, sein Bruder Reinhold (Gitarre, Gesang) und Stefan Adler (Schlagzeug) ihre erste neue Platte seit 2014 vor. „Big Times“ heißt das Werk. Wer keinen CD-Player (mehr) hat, kann es auch über Spotify anhören, man geht ja trotz allem mit der Zeit. Die Präsentation wiederum erfolgt ganz traditionell live, am Gründonnerstag um 20 Uhr in der Freier TuS-Gaststätte an der Schillerwiese.
Wir spielen aus Prinzip nichts von anderen, weil die spielen ja auch nichts von uns
Jürgen Blochberger, Bassist und Sänger
14 Songs sind es geworden, alles Eigenkompositionen. „Wir spielen aus Prinzip nichts von anderen, weil die spielen ja auch nichts von uns“, lacht Jürgen Blochberger und zeigt damit ganz nebenbei auf, wie es eine Band fast ein halbes Jahrhundert lang zusammen aushalten kann und damit zur mit Abstand dienstältesten Regensburger Formation in Originalbesetzung wird: „Selbstironisch sein, sich nicht zu wichtig nehmen. So ein breitbeiniges Pseudo-Rockstar-Gehabe hat uns nie interessiert. Reinhold und ich sind auch keine geborenen Sänger – wir singen halt.“
Ein Selbstverständnis wie die Rolling Stones
Das passiert aber in einer respektablen stilistischen Bandbreite. Auf „Big Times“ geht es auch mal ruhig, folkig oder punkig zu. Den roten Faden bilden wie gewohnt kernige Blues-Rock-Nummern, deren Riffs auch von Keith Richards stammen könnten. Der hat zum Ewigkeitsanspruch seiner eigenen Band mal den Satz „You've got the sun, you've got the moon and you've got the Rolling Stones“ geprägt. Und das ist gar nicht so weit weg von Tana Nile. „Aufstehen, Essen, Trinken, Tana Nile“, nennt Jürgen Blochberger die Konstanten seines Lebens. „Das liegt wahrscheinlich daran, dass wir aus einer Generation kommen, in der Musik noch einen großen Stellenwert hatte. So wichtig wie Familie, Freunde oder Beruf.“
Die wöchentliche Bandprobe ist dem Trio deshalb heilig. An jedem Dienstag treffen sich die drei Musiker, mittlerweile alle über 60, in den „Firehill-Studios“. Das ist der spektakuläre Codename für den eher unspektakulären Proberaum in der Brandlberger Straße, wo auch die Songs von „Big Times“ aufgenommen wurden. Die Zusammenkunft an sich ist dabei das Wichtigste, wie Jürgen Blochberger erklärt: „Manchmal spielen wir gar nicht, sondern trinken nur eine Halbe und reden über den Trump-Deppen.“

Für die Erkenntnis, dass die Zeiten im Vergleich zu 1979 sonderbarer geworden sind, müssen die Tana Nile-Mitglieder jedoch nicht unbedingt über die Weltpolitik philosophieren. Ein Blick auf ihre eigene Stadt reicht völlig aus. Ein Beispiel: Seit 1981 waren sie bis auf zwei Ausnahmen bei jedem Bürgerfest vertreten. Mit einem brandneuen Album im Gepäck wäre ein solcher Auftritt natürlich auch 2025 eine Herzensangelegenheit für die Band gewesen. Aber dazu wird es nicht kommen.
Kein Platz auf der Bürgerfest-Stammbühne
Der Grund: Die „Stammbühne“ von Tana Nile befand sich über viele Jahre auf der Grünfläche vor dem Andreasstadel in Stadtamhof. Verantwortlich dafür war offiziell die Alte Mälzerei, das Musikprogramm aber plante im Wesentlichen die Band. Dieses Mal fällt die Bühne in die Zuständigkeit eines anderen Veranstalters. Eine Anfrage zum Spielen ging bei Tana Nile bislang nicht ein, zum Hinterherlaufen oder gar Betteln haben die Rock-Veteranen keine Lust.
Ein bisschen Ärger bleibt trotzdem. „Ohne uns würde es die Bühne ja gar nicht mehr geben“, erinnert Jürgen Blochberger an das Hickhack vor dem Bürgerfest 2023. Damals wollte die Stadt die Grünfläche aus Sicherheitsgründen sperren, erst der Einsatz von Tana Nile und der Mälze rettete den idyllischen Spielort. Aber egal, dann kommt der nächste Open-Air-Auftritt in Regensburg eben 2026. Sofern es dann wieder ein Gassenfest gibt, wird Tana Nile dabei sein. Weil es trotz allem Konstanten gibt.
• Termin: Das Regensburger Release-Konzert des neuen Tana Nile-Albums „Big Times“ findet am Gründonnerstag, 17. April, um 20 Uhr (Einlass ab 19 Uhr) statt.
• Ort: Präsentiert werden die 14 neuen Songs auf der Bühne in der Sportgaststätte des Freier TuS an der Schillerwiese. Hier spielen Tana Nile auch jedes Jahr im Fasching beim Schlaghosenball. Bassist und Sänger Jürgen Blochberger sagt zu der Location: „Die Wirte sind völlig unkompliziert, es ist nah an der Altstadt, man kann gut parken, es ist Platz für 130 Besucher und es darf auch etwas lauter werden und bis in die Puppen dauern – für uns ist das alles zusammen ideal.“
• Support: Unterstützt werden Tana Nile an diesem Konzertabend mit Bluegrass und Folk von The Weary Gentlemen. Hinter diesem Namen steckt das Akustikgitarrenduo Robert Hasleder und Thomas Pielmeier.
• Karten: Tickets gibt es für 15 Euro an der Abendkasse sowie vorab für 12 Euro bei okticket.de, an allen bekannten Vorverkaufsstellen und im Beleuchtungsgeschäft Blochberger & Weiß in der Ludwigstraße/Am Römling.