Starkbierfest in Pettendorf: Bock, Blasmusik und ein Grantler

Von Thomas Kreissl · 8. April 2025 um 14:23

Bock, Blasmusik und ein Grantler namens Sepp – das sind die Zutaten, die beim Starkbierfest in Pettendorf im Mittelpunkt stehen. Alle zwei Jahre laden der Förderverein des FC Pielenhofen-Adlerberg und das PettenDorftheater kurz vor dem Palmator dazu ein, den frisch gebrauten Bock schon mal zu testen. Garniert wird der Bockgenuss mit deftigen Seitenhieben auf Politik und Geschehnisse in den Nachbargemeinden.

Zum zweiten Mal enterte Hubert Dennerlohr das Podium im Mayersaal. In seiner Paraderolle als hochprozentig grantelnder Sepp musste feststellen, dass sich die Zeiten in der Zeitenwende tatsächlich ändern – im kleinen Pettendorf nicht anders als im großen Deutschland. Denn während sich das eine seit Monaten im Vormerz befinde, regiere das andere eine lahme Ente. „Des sagt mer halt, wenn klar is, dass oana nimma kandidiert“, stellte der Sepp mit Blick auf Eduard Obermeier fest, der 2026 nicht mehr als Bürgermeister antritt. Die beiden Bürgermeister, Landrätin Tanja Schweiger, aber auch die zahlreich anwesenden Gemeinderäte waren ein bevorzugtes Ziel des Grantlers vor mehr als 100 Besuchern. Moderator Constantin Leitner hatte es zuvor übernommen, den Saal zusammen mit einer „namenlosen Blechbesetzung“ in Stimmung zu bringen. Die Musiker Martin Heider, Oliver Schneider, Markus Kapfenberger sowie Martin und Johannes Fleischmann hatten sich spontan zusammengefunden.

Heizte kräftig ein: die "namenlose Blechbesetzung" - Foto: Thomas Kreissl

In Vertretung von Brauerei-Chefin Franziska Prößl erinnerte Braumeister Willy Riedhammer daran, dass sich das Rezept für den Palmator mindestens seit 1978 und wahrscheinlich schon viel länger nicht verändert habe. Trotzdem schmecke das dunkle Starkbier jedes Jahr ein wenig anders – und heuer wieder besonders gut. „Das macht die Natur, das Bier sucht sich seinen Geschmack“, betonte er, bevor der Pielenhofener Bürgermeister Rudolf Gruber mit gekonnten Schlägen das erste Fass anzapfte. Obermeier hatte seinem Kollegen das Privileg wegen einer lädierten Hand überlassen. „Bei diesem Gemeinderat muss ich einfach zu oft auf den Tisch hauen“, stellte er fest.

Trotz seiner souveränen Leistung am Fass musste sich Gruber dann aber den Spott vom Sepp anhören. Der schmückte genüsslich einen irrtümlich zu groß ausgesteckten Parkplatz beim Fußballplatz aus, der auf Intervention des Naturschutzes wieder zurückgebaggert werden musste. Und dann waren da noch die vom Denkmalschutz geforderten roten Module für die PV-Anlage auf dem Feuerwehrhaus. „Halb so viel Leistung – is aber wurscht, weil doppelt so teuer, das gleicht sich wieder aus“, befand der Sepp.

Den Kneitingern attestierte der Grantler dagegen jede Menge Geschäftssinn. Nahmen sie doch nicht nur die heimatlos gewordenen Mariaorter Schützen im Dorfhaus auf und erhöhten so den Umsatz um das Dreifache. Zudem habe sich die Kneitinger Feuerwehr als professioneller Patenverein für Gründungsfeste positioniert: „Musst nicht viel machen, kannst überall mitfeiern, das nennt man Return on Invest“, stellte Sepp fest, der das kleine gallische Dorf zudem verdächtigt, das Kommando in der Gemeidne Pettendorf übernehmen zu wollen. „Schicken's doch sogar den Kleinen St. Bernhard ins Rennen“, erklärte der Grantler mir Blick auf die Bürgermeisterkandidatur des Kneitingers Bernhard Weigl.

Der Pielenhofener Bürgermeister Rudolf Gruber (links) zapft souverän an - kritisch beobachtet von Braumeister Willy Riedhammer, Eduard Obermeier und Constantin Leitner (von rechts) - Foto: Thomas Kreissl

Pettendorf habe da offenbar nichts entgegenzusetzen, befürchtete der Sepp, sieht aber Potenzial bei Tobias Manz, der doch vom Anfrage-König im Gemeinderat zum echten König aufsteigen könne. Nicht sicher war er sich der Grantler bei Ludwig Bink. Man könne ja gegen einen amtierenden Obermeier schon mit Anstand verlieren. „Aber gegen den Kneitinger Kleinen St. Bernhard – des tat scho weh!“

Weitblick unterstellte der Sepp der Landrätin mit Blick auf den Anstieg der Kreisumlage. Die wisse schließlich damit Sinnvolles anzufangen. Sie könne ja noch ein Wirtshaus kaufen oder gleich eine Brauerei oder vielleicht sogar eine Mülltonnenfabrik, um schneller an gelbe Tonnen zu kommen. „Die is kreativ und macht nicht bloß die Pflichtaufgaben“, erklärte er.

Schwer enttäuscht zeigte sich der Grantler, weil Pettendorfer und Pielenhofener doch glatt eine wunderbare Idee abgelehnt haben. „Auf einem Holzfloß, mit ein paar Fassl Bier, einer zünftigen Musik und einer deftigen Brotzeit die Naab runter treiben lassen – mein Traum“, stellte er fest und lieferte gleich noch eine Idee für das nächste Wahlversprechen: „Zünftige Floßfahrt mit lustigem SUP-Fahrer-Schubsen!“ Und als besondere Touristen-Attraktion sieht er sich dabei selbst als Fass-An- und Blödsinn-Ver-zapfer. „ Sepp statt SUP“, nennt er das.