Rund um die Pfarrkirche herrscht Baustelle

Von Mittelbayerische Zeitung · 7. April 2025 um 21:30

Roding. Was währt, wird nun angepackt. Das dachten sich die Kirchenbesucher am vergangenen Fastensonntag, als sie einen Weg zum nahen Pfarrheim suchten und die Baustelle im nördlichen Bereich der Pfarrkirche sahen. Dort wird seit Tagen gearbeitet. Der Kirchplatz soll wieder ein Schmuckstück werden, das vor allem gerade von älteren Kirchenbesucher sturzfrei passiert werden kann.

Die Planungen haben einige Jahre in Anspruch genommen. Die Firma Weindl hat mit den Bauarbeiten im nördlichen Bereich der Pfarrkirche, beim Alten Rathaus, begonnen. Sobald dieser Abschnitt abgeschlossen ist, wird gewährleistet, dass immer ein Kirchenzugang möglich ist. Dann geht es an den Bereich des Haupteingangs und der Sakristei.

Menschliche Knochen

Bei den Bauarbeiten, bei der Errichtung eines tieferliegenden Abflusses einer Regenwasserrinne, kamen diverse menschliche Knochen zum Vorschein. Diese wurden geborgen, gesichert, dokumentiert, gesammelt und bestattet. Auch ein Skelett wurde gefunden. Es wurde an die Staatssammlung für Anthropologie nach München übergeben und dient, wie viele an anderen Orten gefundene Skelette, zu Forschungs- und Bildungszwecken. Der Friedhof und die Kirche gehörten früher zusammen, auch in Roding. 1801 wurde der Friedhof außerhalb der damaligen Stadtmauern verlegt.

Der katholische Priester Klaus Gamber, der in Roding als Seelsorger wirkte, beschrieb den alten Rodinger Friedhof in seiner heimatkundlichen Schrift von 1968, die im Verlag Lassleben erschien. Gamber schrieb, dass dieser in seinem alten Ausmaß noch deutlich zu erkennen sei. Sein turmartiger Eingang befand sich an der Stelle des heutigen Schwibbogens am alten Rathaus. Die Nordseite der Befestigungsmauer (entlang des Paradeplatzes) ist noch heute vorhanden, wobei der Treppenaufgang zur Kirche nicht ursprünglich war. Der Karner bildete den östlichen Eckturm. Von der Ostmauer sind einige Stücke erhalten, insbesondere die Hinterfront der Anna-Kapelle und des alten Mesnerhauses. Ein Rest der Mauer befindet sich zudem im früheren Siebenhörlhaus. Die Südfront der Friedhofsmauer ist ganz abgetragen. Sie verlief in der Höhe des alten Knabenschulhauses. Die Westmauer hingegen ist noch fast vollständig erhalten und bildet nun den rückwärtigen Teil des Lobmayerhauses.

Die mittelalterliche Kirche von Roding war in ihren Ausmaßen kleiner und von allen Seiten zugänglich. Sie berührte den Karner nicht. Ursprünglich scheint die Friedhofsmauer, zumindest teilweise, mit einem Graben umgeben gewesen zu sein.

Friedhof lag auf Anhöhe

Der Gottesacker selbst lag auf einer Anhöhe, die gegen Norden, Osten und Westen abfiel. Es stellt sich die Frage, ob der alte Rodinger Friedhof auf einem vorgeschichtlichen keltischen Ringwall basierte.

Gamber zufolge spricht die Bedeutung des Platzes, der bereits zu Zeiten Ludwigs des Deutschen und Arnulfs II. relevant war, für diese Theorie. Zu dieser Zeit befand sich in Roding eine königliche Kapelle, die in den Urkunden von 844 und 896 erwähnt wurde. Auf einen vorgeschichtlichen Ringwall weisen auch die unterirdischen Gänge hin, die beim Bau des heutigen Lindinger Hauses entdeckt wurden. Die Gänge verliefen in Richtung Karner und Josefikapelle, wie es Ehrenbürger Diess in seiner Chronik festgehalten hat.

Archäologische Untersuchungen ergaben, dass der Erdstall bei der Josefikapelle, der vorromanischen Taufkapelle, die St. Johann Baptist geweiht war, besonders aufschlussreich ist. Rohrmüller schrieb 1845, dass durch Tradition in Roding der feste Glaube erhalten geblieben sei, dass in der unterirdischen Kapelle (dem Untergeschoss der Josefikapelle) bis zur Erbauung eines größeren Gotteshauses das erste heilige Messopfer gefeiert wurde. Die ersten Gläubigen in dieser Gegend hätten dort die heiligen Sakramente empfangen. Tatsächlich lassen sich Spuren der Rodinger Urkirche bis in die Zeit der bairischen Missionierung zurückverfolgen, wie Chronisten berichten.

Derzeit kann die Pfarrkirche nur über den Haupteingang betreten werden.