Wegzug am Arnulfsplatz: Letztes Möbelhaus verlässt die Regensburger Altstadt

Designermöbel und Bockbier als Nachbarn: Direkt neben dem Kneitinger-Mutterhaus liefert et sedia Anregungen für die stilvolle Wohnungseinrichtung. Damit ist es Ende Juni vorbei. Das letzte Möbelhaus in der Altstadt zieht in den Regensburger Osten um.
Paulin, Fuhrmann, BoConcept, Kare oder auch Ligne Roset – die Namen von Möbelgeschäften in der Altstadt sind noch durchaus geläufig. Die Stellung bis heute gehalten hat lediglich et sedia. Seit genau 50 Jahren präsentiert das Unternehmen Wohndesign im Welterbe. Pünktlich zu diesem Jubiläum erfolgt eine Zäsur. Ende Juni wird der Standort Arnulfsplatz/Neuhausstraße aufgegeben, die neue Adresse des Einrichtungshauses wird dann die Maxhüttenstraße 11 im Stadtosten sein.
Der Umzug hat sowohl praktische als auch wirtschaftliche Gründe. „Für unsere Kunden war es in der Altstadt schon schwierig, wenn sie ihre Waren abholen mussten. Für die Lieferanten gilt dies erst recht. Eine Ausstellung wie die unsrige braucht ja einen stetigen Wechsel, mit entsprechendem Lkw-Verkehr als Folge“, sagt Peter Herramhof, der zusammen mit seiner Schwester Susanne und Architektin Marion Köpl und weiteren langjährigen Mitarbeitern die Geschicke der Firma leitet.
Kaufmännische Vernunft
In der industriell geprägten Maxhüttenstraße, wo et sedia bereits seit 2013 ein großes Lager unterhält, sind Lastwagen keine Fremdkörper. Dorthin nun auch die Ausstellung zu verlegen und die Miete und weitere Fixkosten für die beiden zusammengelegten Ladenflächen in der Altstadt zu sparen, beschreibt das Trio als logischen Akt kaufmännischer Vernunft.
Denn die Bedeutung der klassischen Laufkundschaft, die sich beim Bummeln durch die Altstadt durch edles Design inspirieren lässt, habe kontinuierlich nachgelassen. „Zum einen ist die Kundenfrequenz an sich gesunken“, skizziert der Geschäftsführer die generelle Entwicklung. Und bei den weniger gewordenen Passanten, die mit dem Motto „Nur mal schauen“ den Laden betreten, sei das Interesse an eingehender Beratung oder sogar Kauf oft nicht stark ausgeprägt. Vielmehr stehe häufig die Preis-Recherche im Vordergrund – mit der anschließenden Bestellung im Netz, wo notfalls auch die Rückgabe kein Problem darstellt. Der Marktplatz von heute sei eben nicht mehr die Altstadt, sondern das Internet, meint Peter Herramhof. Dies müsse man als Fakt anerkennen und die Konsequenzen ziehen. Der Umzug ist eine solche.
Susanne Herramhof nennt einen weiteren Grund, warum ein schicker Laden im Zentrum nicht mehr die Zugkraft von früher hat: „Die Verunsicherung der Leute ist groß. Das hat mit Corona angefangen und hält bis heute an, inklusive anhaltender Preissteigerungen.“ So sei selbst in der Boomtown Regensburg nach langen Jahren des Zuzugs von finanzstarken Neubürgern ein gewisser Sättigungsgrad festzustellen – mithin ein guter Zeitpunkt, um sich an einem dezentralen Standort wie der Maxhüttenstraße neu aufzustellen.
Mit weniger Marken zwar, dafür aber einer tieferen Beschäftigung mit deren Sortiment und der damit verbundenen eingehenden Beratung. Die treue Klientel wird diesen Weg mitgehen, ist die Geschäftsführerin überzeugt: „Bislang hatten wir immer einmal im Jahr einen Lagerverkauf in der Maxhüttenstraße. Der ist Kult, unseren Kunden gefällt es dort.“
Zumal der neue Verkaufsraum im Lagergebäude genauso viel Platz wie die bisherige Ladenfläche bietet und auch ansprechend gestaltet wird, wie Marion Köpl betont.
Der „spannende“ Osten
Die im vergangenen Dezember gefallene Entscheidung zum Verlassen der Altstadt sei deshalb schon jetzt nicht mehr schmerzhaft, im Gegenteil: „Wir freuen uns drauf. Das ist eine coole Location in einem spannenden Viertel“, sagt Marion Köpl und denkt dabei an hippe Städte wie Kopenhagen, wo Neues oft in (ehemaligen) Industriegebieten entsteht. „Dieses Potenzial haben wir in Regensburg auch. Früher war die Stadt ja spätestens am Ostentor zu Ende. Doch jetzt tut sich vor allem im Stadtosten unglaublich viel. Es ist schön, dass wir da dabei sind.“
Und was wird aus dem Standort in der Altstadt, wenn die Avantgarde nach Osten zieht? „Wir hoffen als Regensburger natürlich sehr, dass das nicht Rudis Resterampe wird“, sagt Peter Herramhof in Bezug auf die Zukunft der Ladenflächen am Arnulfsplatz und wünscht sich für diese „wieder etwas Schönes, Ästhetisches, Ansprechendes“.