Sexuelle Gewalt: Wie sicher ist die Stadt Regensburg für Frauen?

Die Zahl der schweren Übergriffe auf Frauen in Regensburg ist stark gestiegen. Die Statistik zeigt: Jede Altersgruppe ist gefährdet. Jugendliche wurden genauso Opfer sexueller Gewalt wie Erwachsene, darunter auch über 60-Jährige. Die meisten von ihnen kannten ihre Vergewaltiger. Und: Mehr als die Hälfte der Tatverdächtigen hat Migrationshintergrund.
2024: 45 Vergewaltigungen und sexuelle Nötigungen in Regensburg
Polizeimeldungen über Sexualdelikte und Prozesse zu Vergewaltigungen reißen nicht ab. 2025 ging es so weiter wie im Jahr davor. In den frühen Morgenstunden des 2. Januar haben zwei Unbekannte versucht, eine 43-Jährige in der Weingasse zu vergewaltigen. Die Frau wehrte sich laut Polizeibericht so heftig, dass die Männer flüchteten. Nach ihnen wird gefahndet. Ein 54-Jähriger aus dem Landkreis vergewaltigte und quälte seine Frau. Mitte Januar verurteilte ihn das Landgericht nach einem langwierigen Prozess zu einer Haftstrafe.
Die Polizei hat Ende März 2025 ihren Sicherheitsbericht für Regensburg vorgestellt. Demnach registrierte sie im Vorjahr 45 Vergewaltigungen und sexuelle Nötigungen, zehn mehr als 2023.
Die Dunkelziffer der sexuellen Gewaltdelikte dürfte hoch sein
Was waren das für Fälle? Sprecher Jonas Krauß vom Präsidium sagt, die Einschneidensten seien im Bahnhofsbereich passiert. Grundsätzlich kommen Vergewaltigungen im öffentlichen Raum eher selten vor. Meist geschehen sie hinter verschlossenen Türen. Zehn der 45 schweren Übergriffe passierten aber auf Straßen oder in Grünanlagen. Insgesamt waren 46 Personen betroffen: 42 Frauen und auch vier Männer.
Die Polizei ermittelte 49 Tatverdächtige, 23 davon sind Deutsche, 26 haben keinen deutschen Pass.
Die Dunkelziffer dürfte hoch sein. Das zeigen auch die Zahlen des Frauennotrufs: 154 Frauen und neun Mädchen aus Stadt und Landkreis, die sexuelle Gewalt erlitten haben, ließen sich 2024 beraten. In vielen der 45 polizeilich bekannten Vergewaltigungen und sexuellen Nötigungen gab es zwischen Opfer und Verdächtigem bereits vor der Gewalttat eine Beziehung.
16 Frauen hatten keine Vorbeziehung zum Verdächtigen
In sieben Fällen bestand ein verwandtschaftliches Verhältnis, das sowohl Partnerschaften als auch Familie einschließt. Fünf davon entfallen auf reine Partnerschaften. Einmal attackierte der Ehemann sein Opfer, zweimal griffen Lebensgefährten an und zweimal Ex-Männer. 16 Frauen hatten keine Vorbeziehung zum Verdächtigen. Nicht immer konnte die Polizei die Art der Beziehung klären.
Was die räumlich-soziale Nähe zwischen Opfern und Tatverdächtigen angeht, spricht die Polizei von einem differenzierten Bild: In einem Fall lebten Opfer und Tatverdächtiger im selben Haushalt, in einem weiteren bestand ein Erziehungs- oder Betreuungsverhältnis ohne gemeinsamen Haushalt. Oft lag eine lose Bekanntschaft oder berufliche Verbindung vor. Die Statistik zeigt, dass Sexualtäter Frauen jeden Alters attackieren. 2024 wurden acht Jugendliche, neun Heranwachsende zwischen 18 und 20 Jahren, 26 Erwachsene im Alter bis zu 60 Jahren und zwei über 60-Jährige vergewaltigt.
Petra Siegrün vom Frauennotruf schätzt Risiko als hoch ein
Wo liegen die Gründe für die Steigerung um zehn Fälle? Eine Erklärung könne eine erhöhte Anzeigebereitschaft der Bevölkerung bei diesen Delikten sein, sagt Polizeisprecher Jonas Krauß. Er betont, grundsätzlich sei Regensburg eine sichere Stadt zum Leben. Jedes Sexualdelikt stelle eine schwere Straftat dar und belaste Betroffene psychisch immens.
Die Zahl der bekannt gewordenen Vergewaltigungen liege aber im Verhältnis zur Einwohnerzahl auf niedrigem Niveau. Petra Siegrün vom Frauennotruf schätzt das Risiko, dass Frauen in Regensburg Opfer sexueller Gewalt werden, als hoch ein. Bei einem Drittel der Übergriffe sei der Partner der Vergewaltiger.